Personal: Razzien bei Kaufland und Netto

Update: Wegen Verdachts auf Lohndumping durchsuchte Zoll Logistikzentren.
Redaktion (allg.)

Mehr als 450 Zollfahnder haben am 24. Januar 2012 bundesweit unter anderem sechs Warenverteilzentren der Kaufland Warenhandel GmbH & Co. KG, Neckarsulm, und der Netto Marken-Discount AG & Co. KG, Maxhütte-Haidhof, durchsucht. Beide Einzelhandelsketten haben das in einer Presseerklärung bestätigt.

Laut einer Mitteilung des Zolls stehen die beiden Firmen unter Verdacht, mit entliehenen Kommissionierern und Staplerfahrern unwirksame Scheinwerkverträge geschlossen zu haben. Die Fahnder sollen nun prüfen, ob die beiden Unternehmen über ihre Dienstleister Leiharbeiter unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt und so Sozialbeiträge hinterzogen haben. Laut einem Artikel der „Hannoverschen Allgemeinen“ haben die Arbeiter möglicherweise rund 30 Prozent zu wenig Lohn erhalten.

Bundesweit durchsuchten die Ermittler auch mehrere an der Lager- und Verteillogistik der Discounter beteiligte Partnerfirmen sowie Wohn- und Geschäftsräume verschiedener Unternehmensverantwortlicher. Dabei stellten die Beamten laut Angaben des Zolls umfangreiches Beweismaterial sicher. Dessen Auswertung werde unter Umständen einige Monate in Anspruch nehmen, heißt es in der Presseerklärung.

Netto betont in einer Stellungnahme, dass die Fremdfirmen Verpflichtungserklärungen unterschreiben, die sicherstellen sollen, dass sie ihr Personal entsprechend dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlen. Während Netto von routinemäßigen Untersuchungen des Zolls spricht, zeigt sich Kaufland „von dem Umfang dieser Untersuchung sehr überrascht“. Der Lebensmitteleinzelhändler habe seit 1. März 2011 einen internen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde eingeführt, der auch für die Mitarbeiter der beauftragten Werkvertragsfirmen gelte. Kaufland überprüfe dies regelmäßig in Stichproben und mithilfe von Wirtschaftsprüfern.

(akw)
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