Onlineseminar: Wo stehen Kommunen beim Thema Logistikimmobilien?

Virtuelle Diskussionsrunde beleuchtet das Für und Wider von Logistikansiedlungen.

Sind Logistikimmobilien Fluch oder Segen für eine Kommune? Darüber diskutierte LOGISTIK HEUTE mit Experten in einem Onlineseminar. (Symbolbild: Szymon/Adobe Stock)
Sind Logistikimmobilien Fluch oder Segen für eine Kommune? Darüber diskutierte LOGISTIK HEUTE mit Experten in einem Onlineseminar. (Symbolbild: Szymon/Adobe Stock)
Sandra Lehmann

Verkehrschaos, meterlange Lkw-Schlangen und zugebaute Landschaften – diese Befürchtungen stehen oft im Raum, wenn es um das Thema Logistikansiedlungen geht. Wie Kommunen die Errichtung neuer Verteil- und Distributionszentren in der Realität sehen und was Projektentwickler und Nutzer tun können, um das Image von Logistikansiedlungen zu verbessern, diskutierte LOGISTIK HEUTE-Chefredakteur Matthias Pieringer am 9. Dezember im Rahmen des Onlineseminars „Logistikimmobilien: Fluch oder Segen?“ gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Kille, Studiengangsleiter Bachelor Betriebswirtschaft, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Michael Göllner, Bürgermeister der Gemeinde Hammersbach, Andreas Fleischer, Vorstand der DF Industrial Partners AG, sowie Alexander Handschuh, Pressesprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Verkehrskonzepte im Fokus

Dabei standen vor allem die Erkenntnisse einer aktuellen Studie zum Thema Logistikansiedlungen in deutschen Kommunen im Fokus, die von der Logix-Initiative und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund durchgeführt wurde und deren erste Ergebnisse Prof. Dr. Christian Kille den Teilnehmern vorstellte. Einen besonders hohen Stellenwert für die erfolgreiche Ansiedlung einer Logistikimmobilie habe der Umfrage zufolge ein gutes Verkehrskonzept – noch vor den Kriterien Schaffung von Arbeitsplätzen und Einbindung der Bevölkerung in die Planung. Das, so Kille, zeige, dass die Befürchtung, ein Distributionszentrum führe zu überdurchschnittlich vielen Verkehrsbehinderungen oder Ruhestörungen vor Ort, mit am schwersten wiege, wenn es um die Entscheidung für oder gegen eine Ansiedlung gehe.

Dieser Argumentation schlossen sich die übrigen Diskussionsteilnehmer an. So betonte Michael Göllner etwa, dass ein valides Verkehrskonzept die beste Möglichkeit ist, eventuellen Kritikern oder Bürgerinitiativen schlüssige Argumente entgegenzusetzen. Denn seiner Erfahrung als Bürgermeister nach sei das Thema Verkehr der am häufigsten vorgebrachte Punkt, um sich gegen eine Ansiedlung auszusprechen. Aber nicht nur im Sinne der Bürger vor Ort sei ein gutes Verkehrskonzept das A und O einer Immobilienplanung, wie Andreas Fleischer hervorhob.

„Hier muss man im Vorfeld bereits an das Wohl der Lkw-Fahrer denken, die zum einen geeignete Plätze für Pausen finden müssen und für die es zum anderen genügend Parkraum geben muss. Denn viel schlimmer als ein hohes Maß an fließendem Verkehr ist der stehende Verkehr, weil nicht genügend Parkmöglichkeiten vorhanden sind.“

Ergänzend wies Fleischer darauf hin, dass Verkehrskonzepte nicht allein Sache der Entwickler und Planer von Logistikimmobilien seien. Auch die Politik stehe hier in der Pflicht – etwa in Sachen Infrastruktur: „Es muss auch um die Frage gehen: Wie bekomme ich möglichst viel Verkehr von der Straße? Zudem muss die Umsetzung von Infrastrukturkonzepten schneller vorangehen. Beispielsweise, wenn es um den Bau von Unterführungen oder die Reparatur von Straßen und Brücken geht“, so Fleischer.

Eine weitere bedeutende Frage, die die Experten aus Logistik und Kommunen im Rahmen des Onlineseminars diskutierten, war die der Nachhaltigkeit bei Logistikimmobilien. Und auch in puncto Umweltfreundlichkeit und soziale Belange waren sich die Diskutanten einig: Je mehr Entwickler bereits im Vorfeld einer Ansiedlung tun, um umweltpolitische und soziale Fragen zu klären, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Logistikimmobilien gebaut oder vermietet werden können. Dazu bedürfe es jedoch der Kommunikation auf Augenhöhe:

„Logistikimmobilien werden vor allem dann zum Segen, wenn man versucht, die Anforderungen von Entwicklern und Nutzern sowie die Wünsche von Kommunen und ihren Bürgern unter einen Hut zu bekommen“, erläuterte Alexander Handschuh.

Darüber hinaus, so Michael Göllner, müsse der Begriff Nachhaltigkeit insbesondere im Segment der Logistikimmobilien in seiner Ganzheit betrachtet und erweitert werden. Es gehe nicht nur um eine positive CO2-Bilanz von Gebäuden und energieeffizientes Wirtschaften, sondern auch um die langfristige Schaffung von Arbeitsplätzen und die Weiterverwendbarkeit von Gebäuden.

„Wir möchten nicht, dass eine Immobilie nach 15 Jahren leer steht. Deshalb ist uns wichtig, dass es von vornherein Ideen für eine weitere Nutzung gibt“, sagte Göllner.

Ergänzend schlug der Bürgermeister der Gemeinde Hammersbach vor, auch die Bürger vor Ort finanziell von der Ansiedlung profitieren zu lassen. Etwa indem man eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert und über ein Genossenschaftsmodell Anteile am produzierten Strom vergibt.

Fluch oder Segen?

Nach rund 45 Minuten Diskussion gab es hinsichtlich der Hauptfrage, ob Logistikimmobilien Fluch oder Segen für Kommunen sind, von allen Podiumsteilnehmern diesselbe Antwort: Logistikansiedlungen können ein klarer Vorteil für Städte und Gemeinden sein, wenn sich alle Beteiligten auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen.

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