Onlinehandel: Umsatzeinbußen durch Corona und Retouren

Händlerbund zeigt in einer Studie die aktuellen Herausforderungen in der E-Commerce-Logistik auf.

Die Coronapandemie und ein größeres Retourenaufkommen haben vielen Onlinehändlern 2020 laut einer Studie des Händlerbunds Minusgeschäfte beschert. (Symbolbild: Cybrain/Fotolia)
Die Coronapandemie und ein größeres Retourenaufkommen haben vielen Onlinehändlern 2020 laut einer Studie des Händlerbunds Minusgeschäfte beschert. (Symbolbild: Cybrain/Fotolia)
Sandra Lehmann

Ein Großteil der Onlinehändler in Deutschland beklagt trotz wachsenden Bestellvolumens finanzielle Einbußen durch die Coronapandemie. Das ist ein zentrales Ergebnis der „Logistik-Studie 2020“, die vom Händlerbund im Oktober veröffentlicht wurde. Für die Erhebung waren 220 Onlinehändler zu den Themen Retouren, Versand und Verpackung sowie zu den Auswirkungen der Coronakrise befragt worden. Ergänzt wurde die Studie laut Händlerbund zudem durch Zahlen des Anbieters Paqato. Wie die in Leipzig ansässige Organisation mitteilte, gaben 67 Prozent der befragten Händler an, dass ihre Logistikabwicklung im Zuge der Pandemie durch Beschaffungs- und Versandprobleme gelitten habe. 33 Prozent klagten laut Händlerbund zudem über ein geringeres Bestellaufkommen. Lediglich sechs Prozent gaben an, durch ein zu hohes Bestellvolumen überlastet gewesen zu sein.

Internationale Versandstopps als Herausforderung

Auch der monatelange Stopp des Warenpostversandes in die USA und andere Länder machte 32 Prozent der Händler zu schaffen, heißt es in der Studie. Bei vier Prozent dieser Anbieter sei durch die Einschränkung der komplette Umsatz weggefallen. Mittlerweile funktionierten Transportwege zwar wieder, doch die Paketzustellung beim Endverbraucher finde weiterhin kontaktlos und somit ohne rechtssichere Empfangsbestätigung statt, wie ein Teil der befragten Unternehmen bemängelt.

Spaßkäufer verursachen Kosten

Einen weiteren Umsatzrückgang verzeichnen die befragten E-Commerce-Anbieter durch ein steigendes Retourenniveau. So gaben 59 Prozent der Studienteilnehmer an, durch Rücksendungen Minusgeschäfte zu machen. Insbesondere durch sogenannte „Spaßkäufer“, die Ware ohne tatsächliche Kaufabsicht bestellten, entstünden demnach hohe Schäden. Laut der Erhebung erhielten rund zwei Drittel der Befragten beschädigte Retouren, die 28 Prozent des gesamten Warenflusses ausmachen. Diese Rücksendungen müssten als B-Ware mit einem Preisnachlass von durchschnittlich 39 Prozent weiterverkauft werden.

In Sachen Versandverpackung hat der Studie zufolge die Preissensibilität der Händler weiter zugenommen. Im Ranking der wichtigsten Kriterien, die eine Verpackung erfüllen müsse, stünden nach wie die Merkmale niedrige Kosten und hohe Sicherheit an erster beziehungsweise zweiter Stelle. Das Thema Nachhaltigkeit im Verpackungsbereich habe hingegen an Relevanz verloren. Stuften im vergangenen Jahr noch 42 Prozent der Befragten dieses Kriterium als wichtig ein, sind es 2020 nur noch 35 Prozent.

Zuverläsigkeit wichtigstes Kriterium bei Logistikdienstleistungen

Mit Blick auf die beliebtesten Versanddienstleister konnte sich in der aktuellen Logistik-Studie DHL mit 84 Prozent an der Spitze halten. Während DPD und die Deutsche Post dem Händlerbund zufolge ihr bestes Ergebnis einfuhren, sei Hermes weiterhin abgeschlagen. Nach Angaben der Organisation sind 2020 zu Gunsten von Zuverlässigkeit und Sendungsverfolgung das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Nachhaltigkeit zudem weniger bedeutend für Online-Händler. Offenbar aufgrund der Corona-Turbulenzen besinnen sich E-Commerce-Anbieter auf pragmatische Kriterien bei der Wahl ihrer Versanddienstleister, heißt es in der Pressemitteilung.

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