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Onlinehandel: Rücksendegebühr könnte helfen, Retouren zu minimieren

Mit einem Betrag von 2,95 Euro könnte die Retourenquote laut Uni Bamberg um 16 Prozent sinken.

Laut einer Befragung der Uni Bamberg könnte eine geringe Gebühr helfen, Retouren in Deutschland zu vermeiden. (Foto: Aurema/Adobe Stock)
Laut einer Befragung der Uni Bamberg könnte eine geringe Gebühr helfen, Retouren in Deutschland zu vermeiden. (Foto: Aurema/Adobe Stock)
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Sandra Lehmann

Eine niedrige, gesetzlich verankerte Rücksendegebühr könnte helfen, die Rücksendequote von online bestellten Artikeln in Deutschland zu senken und deren negative Auswirkungen in den Griff zu bekommen. Das fand der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktion und Logistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in einer aktuellen Studie heraus. Dafür hatte die Forschungsgruppe im August und September dieses Jahres 139 deutsche Händler befragt, die ihre Produkte über das Internet verkaufen. Demnach schätzen die Befragten, dass durch eine Gebühr in Höhe von 2,95 Euro pro Sendung etwa 16 Prozent aller Retouren vermieden werden könnten – das betrifft rund 80 Millionen Artikel.

„Die Mehrheit der kleinen und mittelgroßen Händler würde gerne eine Rücksendegebühr erheben. Das lässt allerdings der starke Wettbewerb nicht zu“, erklärt Dr. Björn Asdecker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der Uni Bamberg und Leiter der Studie. „Große Händler verzichten aus strategischen Gründen bewusst auf eine Gebühr, um Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Für diese Unternehmen lohnt sich die kostenlose Rücksendung“, so Asdecker weiter.

Durch eine gesetzliche Verpflichtung würden die gleichen Spielregeln für alle gelten. Die erwarteten Umsatzrückgänge der Händler fallen in einem solchen Szenario laut dem Lehrstuhl deutlich geringer und damit verträglicher aus. Die Studie lege zudem nahe, dass eine Gebühr niedrigere Produktpreise ermöglichen könnte, da momentan Kosten für Retouren im Preis miteinkalkuliert seien. Laut Asdecker finanzieren im Modell der „kostenlosen Retoure“ Wenig-Retournierer das Verhalten von Viel-Retournierern über höhere Preise mit:

„Eine Rücksendegebühr etabliert demgegenüber das Verursacherprinzip, was grundsätzlich gerechter ist.“ Der Wissenschaftler gibt jedoch auch zu bedenken, dass es für eine ganzheitliche Betrachtung einer solchen Maßnahme noch zu früh ist.

Neben einer Gebühr sprach sich ein Großteil der Befragten, insbesondere aus dem Fashionbereich, für einheitliche Konfektionsgrößen sowie eine bessere Online-Größenberatung aus.

„Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und bereits vorhandene Alltagstechnologien wie Handykameras zur Körpervermessung ermöglichen künftig signifikante Einsparpotenziale – sofern die Händler und Kunden die Technologien auch einsetzen.“ Außerdem sei die Angabe der Kleidergröße momentan wenig aussagekräftig, was zu erhöhten Retouren führe. „Hersteller sollten verbindliche, genormte Größenangaben verwenden“, so Asdecker. „Das erfordert eine übergeordnete, gegebenenfalls politisch geführte Koordinationsanstrengung, beispielsweise im Rahmen eines Siegels wie dem ‚grünen Knopf‘.“

Beide Maßnahmen würden die Rücksendungen von Kleidung deutlich reduzieren: Die Forschungsgruppe schätzt, dass auf diese Weise bis zu 25 Prozent der Retouren am Gesamtmarkt eingespart werden könnten, etwa 120 Millionen Artikel.

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