Nearshoring: Steigende Nachfrage nach Intermodal-Verbindungen am Mittelmeer

Vor allem der Bedarf nach RoRo-Relationen in die Türkei und die Maghreb-Staaten hat dem Logistikdienstleister zufolge zugenommen.

Zwischen 2020 und 2022 ist das Aufkommen von Robert Kukla mit der Türkei um 23 Prozent auf 5300 Trailer gestiegen, in Nordafrika-Verkehr um 12 Prozent auf 3100 Trailer. (Symbolbild: Canaran / AdobeStock)
Zwischen 2020 und 2022 ist das Aufkommen von Robert Kukla mit der Türkei um 23 Prozent auf 5300 Trailer gestiegen, in Nordafrika-Verkehr um 12 Prozent auf 3100 Trailer. (Symbolbild: Canaran / AdobeStock)
Therese Meitinger

Der Trend zum Nearshoring hält aus Sicht der international agierenden Spedition Robert Kukla aus München auch nach der Coronapandemie an. Insbesondere für die Warengruppen Textil, Automotive, Chemie und Möbel verzeichnet der Intermodaldienstleister ein anhaltendes Transportwachstum aus der Türkei und den Maghreb-Staaten, wie eine Pressemitteilung vom 4. September berichtet. Besonders nachgefragt seien intermodale Konzepte unter Einbezug von RoRo-Verbindungen über das Mittelmeer, heißt es vonseiten des Anbieters. 

„Wir registrieren ein Umdenken der Verlader infolge der kürzlichen Erfahrungen mit volatilen Lieferketten in Richtung alternativer und nachhaltiger Logistikkonzepte aus näherliegenden Beschaffungsmärkten. Corona hat dem Nearshoring einen Boom versetzt“, berichtet Daniel Comi, Prokurist und Abteilungsleiter Drittlandverkehre bei Robert Kukla.

Bestehende Kontrakte würden auf größere Teilmengen ausgeweitet und es kämen neue Aufträge hinzu. Zwischen 2020 und 2022 sei Kuklas Aufkommen mit der Türkei um 23 Prozent auf 5300 Trailer gestiegen, in Nordafrika-Verkehr um zwölf Prozent auf 3100 Trailer, so Comi weiter. Für dieses Jahr rechnet der Anbieter mit einer Verstetigung dieser Entwicklung. Insgesamt entfalle ihm zufolge auf das Nearshoring etwa zwölf Prozent des gesamten Transportaufkommens.  

Wasserstraßen werden zunehmend mitgedacht

Während der Pressemitteilung zufolge in den Nearshoring-Regionen Türkei und den Maghreb-Staaten insgesamt klassische Lkw-Verkehre dominieren, deckt Robert Kukla in diesen Fahrgebieten ein Großteil der Transportmenge über Intermodallösungen ab. Comi denkt, dass sich das Bewusstsein bei potenziellen Auftraggebern ändert: „Alternative Konzepte unter Einbeziehung der Wasserstraße stoßen auch bei den Nearshoring-Relationen auf ein zunehmendes Interesse. Faktoren wie Kapazitätsengpässe, Nachhaltigkeit und Fahrermangel begünstigen diese Entwicklung.“  

Für Nordafrika sowie die Türkei setzt Robert Kukla Unternehmensangaben zufolge für seine Intermodalkonzepte neben den klassischen Shortsea-Lösungen für Container vor allem auf die RoRo- und ConRo-Verbindungen über das Mittelmeer in die italienischen Südhäfen. Mit dem Lkw als dominierendes Transportmittel in diesen Regionen seien Trailerverkehre per Schiff ohne Umladung   leicht umsetzbar und die Laufzeit über das Mittelmeer sei erheblich kürzer gegenüber den Shortsea-Verbindungen nach Rotterdam, Antwerpen, Bremerhaven oder Hamburg, argumentiert Comi.  Als belastbare Logistikknoten hätten sich für die Türkei der Hafen Triest und für die Maghreb-Staaten die ligurischen Häfen etabliert. Zu den Hauptzielmärkten aus den Nearshoring-Ländern zählt Robert Kukla vor allem die DACH-Region, Polen, die Benelux-Staaten, Frankreich, Spanien sowie Portugal. 

Partner vor Ort für Auf- und Ausbau

Im Vergleich zu den bestehenden Intermodalkonzepten in Europa ist nach Comis Erfahrung für Kombinierte Verkehre aus Nordafrika und der Türkei eine aufwendigere Planung erforderlich und auch die Disposition sowie Verknüpfung der einzelnen Teilstrecken ist anspruchsvoller. Er betont auch den Stellenwert gut vernetzter Partner vor Ort. Ein langjähriger Partner sei etwa der türkische Dienstleister Arkas Logistics, der ebenfalls auf nachhaltige Nearshoring-Konzepte setze.

Arif Der, Managing Director der Arkas Logistics, konkretisiert: „Um das logistische Potenzial für Nearshoring zu erhöhen, steigern wir kontinuierlich die intermodalen Transportkapazitäten auf verschiedenen Relationen mit der Europäischen Union. Erst kürzlich haben wir eine neue intermodale Verbindung zwischen Duisburg und Halkali in der Türkei gemeinsam mit Duisport und Hupac aufgesetzt.“