Nachhaltigkeit: Scania und Sennder gründen Joint Venture

Gemeinsam möchten die beiden Unternehmen die Einführung von Elektro-Lkw in Europa vorantreiben.

Juna, ein Joint Venture von Scania und Sennder, möchte E-Lkw in die Fläche bringen. (Foto: Sennder)
Juna, ein Joint Venture von Scania und Sennder, möchte E-Lkw in die Fläche bringen. (Foto: Sennder)
Sandra Lehmann

Scania CV AB, ein Anbieter von Transportlösungen, und Sennder Technologies GmbH ("sennder"), eine digitale Spedition in Europa, haben am 8. November die Gründung eines Joint Ventures, der Juna GmbH, bekannt gegeben. Ziel der gemeinsamen Unternehmung sei es, elektrische Lösungen in der Straßenlogistik in ganz Europa zu erschließen. Das Joint Venture, das seinen Betrieb in Deutschland gestartet hat, soll die großflächige Einführung von Elektro-Lkw voranzutreiben und den Übergang zu einer nachhaltigen Logistikwirtschaft zu fördern, im Einklang mit den Zielen des European Green Deal, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.

Juna, mit Hauptsitz in Berlin, führt ein Pay-per-Use-Modell für Elektro-Lkw ein, um die Einführung der Fahrzeuge in großem Maßstab zu ermöglichen. Juna bietet Transportunternehmen laut Sennder den Zugang zu Elektro-Lkw und garantierten Transportvolumen, indem Spot- und Vertragstransporte über die digitale Plattform von Sennder angeboten werden. Das Joint Venture erleichtere Transportunternehmen den Umstieg auf Elektro-Lkw, da finanzielle Herausforderungen durch hohe Anschaffungskosten und Restwerte entfielen und eine vorhersehbare kommerzielle Nutzung der Elektro-Lkw möglich werde.

5.000 E-Lkw bis 2030

Durch die Nutzung von Scanias Elektro-Lkw und das Angebot weiterer Dienstleistungen, zusammen mit Sennders Technologie, die kleine und mittelständische Transportunternehmen mit Verladern verbindet, kombiniere Juna die Kernkompetenzen beider Unternehmen, um die Dekarbonisierung der europäischen Straßenlogistik zu beschleunigen. Bereits in 2024 werde Juna die Präsenz von E-Lkw in Deutschland deutlich stärken, indem bis zu 100 elektrische Nutzfahrzeuge über das Pay-per-Use-Modell des Joint Ventures verfügbar würden. Bis 2030 strebt Juna nach Eigenangaben den Einsatz von 5.000 Elektro-Lkw an.

Das Modell sehe ein ganzheitliches Paket vor, das neben Elektrofahrzeugen, Reparatur-, Wartungs-, Versicherungs-, Digital- und Elektroservices, nutzungsabhängige Gebühren bei garantierter Auslastung umfasse. Durch Datenanalyse optimiere Juna Elektrifizierungsstrategien und simuliere Routen für die Eignung von Elektrofahrzeugen.

Pilotbetrieb in Baden-Württemberg

Wie Sennder berichtet, sei ein Pilotprogramm dazu erst kürzlich angelaufen, bei dem ein erstes Transportunternehmen einen Juna-Elektro-Lkw mit erneuerbarer Energie bis zu zehn Mal pro Woche für einen FMCG-Konzern und Sennder-Kunden in der Region Stuttgart einsetzt. Mit dem Potenzial, allein für den ersten Lkw eine jährliche Reduktion von 93 Tonnen CO2e Emissionen zu erreichen, sei geplant den Umfang des Pilot-Programms 2024 auf Langstreckenrouten auszuweiten. Für den Piloten werde bestehende öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland genutzt, mit pro Kilometer vergleichbaren Kosten zu den derzeitigen Dieselkosten.

David Nothacker, CEO von Sennder, sagt:

„Dies ist ein entscheidender Moment für unsere Branche, und wir freuen uns, mit Scania zusammenzuarbeiten, um ein Joint Venture aufzubauen, das die weitreichende Einführung von Elektro-Lkw vorantreiben wird. Angesichts der Tatsache, dass ein Elektro-Lkw zwei- bis dreimal mehr kostet als ein Diesel-Lkw und dass 70 Prozent aller Lkw in Europa von kleinen Transportunternehmen mit weniger als zehn Lkw betrieben werden, wird die Kombination aus Junas Pay-per-Use-Angebot und der Kapazitätsauslastung von Sennder die Hindernisse für die Einführung von Elektro-Lkw effektiv abbauen.“

„Juna ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen zwei Unternehmen mit sich ergänzender Expertise in den Bereichen Elektrifizierung und digitale Logistik, die den Übergang zu elektrifizierten Schwertransporten beschleunigen wird. Scania erforscht neue Lösungen, um Wege zu finden, heute und in Zukunft einen unverzichtbaren Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Und wir sind stolz darauf, dass dieses Projekt mit Sennder Gestalt annimmt. Wir sind überzeugt, dass das Projekt Juna eine wichtige Rolle bei dem Wandel zu einem nachhaltigen Transportsystem spielen wird“, sagt Gustaf Sundell, Executive Vice President und Head of Ventures und New Business bei Scania.

Die beiden Parteien unterzeichneten im Mai 2023 ihre Vereinbarung für das Joint Venture. Seitdem hat die Europäische Kommission die erforderliche Genehmigung erteilt.