Nachhaltigkeit: Otto-Vorstand kritisiert Luftfracht-Vorlieben chinesischer Online-Riesen

Die zunehmende Nutzung von Luftfrachtkapazitäten durch chinesische E-Commerce-Anbieter sieht Marc Opelt, Vorsitzender Bereichsvorstand bei Otto, als „unverantwortlich“ an.  

Hauptsitz von Otto in Hamburg. (Bild: Otto)
Hauptsitz von Otto in Hamburg. (Bild: Otto)
Therese Meitinger

Seit Mitte 2023 beobachten Logistikexperten eine zunehmende Verknappung von Luftfrachtkapazitäten im Verkehr von Asien nach Deutschland. Als Grund sehen aktuelle Medienberichte das wachsende Geschäft asiatischer Onlineshops wie Temu oder Shein, die in Deutschland getätigte Bestellungen vielfach per Flugzeug nach Europa bringen.

Zu diesem Trend hat nun Marc Opelt, Vorsitzender des Bereichsvorstands beim Hamburger Versandhändler Otto, kritisch Stellung bezogen: Auch Otto sei von teils deutlichen Preissteigerungen in der Luftfracht betroffen, erläutert er in einem Statement vom 26. Februar. Dies gelte vor allem für Transporte aus Asien. Ein Ende dieser Preisspirale sei derzeit nicht in Sicht, auch weil das Geschäftsmodell einiger asiatischer Onlineshops zentral auf Lufttransporte setze.

„Aus ökologischer Sicht finde ich diese Entwicklung fatal: E-Commerce-Anbieter, die tagtäglich tausende Tonnen billigst produzierter Waren um den halben Globus fliegen, blenden Themen wie den Klimawandel oder den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen scheinbar komplett aus“, so Opelt wörtlich. „Das ist unverantwortlich und wird auf lange Sicht nicht funktionieren. Hier wünsche ich mir auch von der Politik mehr Sensibilität.“

Die Auswirkungen der steigenden Luftfrachtkosten auf das Geschäft von Otto blieben indes überschaubar, so der Bereichsvorstand. Seit 2018 habe man seinen Luftfrachtanteil bereits mehr als halbiert. Opelt: „Aktuell kommen weniger als zwei Prozent unserer Waren per Flugzeug nach Deutschland, Tendenz weiter sinkend. Stattdessen setzen wir bei Langstreckentransporten bewusst auf Seefracht, zielen aber auch hier auf eine fortlaufende Reduzierung der Emissionen ab, etwa durch die Nutzung von Biokraftstoffen.“