Nachhaltigkeit: Österreichische Post führt „Grüne Verpackung“ als regulären Service ein

Das Unternehmen hat ein Pilotprojekt mit Handelspartnern zur nachhaltigen Versandverpackung erfolgreich abgeschlossen.

Die Österreichische Post nimmt ab dem kommenden Jahr Mehrwegversandverpackungen ins Portfolio auf. (Foto: Österreichische Post)
Die Österreichische Post nimmt ab dem kommenden Jahr Mehrwegversandverpackungen ins Portfolio auf. (Foto: Österreichische Post)
Sandra Lehmann

Vor rund einem Jahr startete die Österreichische Post gemeinsam mit den Handelspartnern dm, Thalia, Intersport, Interspar sowie Tchibo das Pilotprojekt „Grüne Verpackung“. Am 3. November stellte der Post- und Logistikdienstleister die Ergebnisse des Testlaufs vor.

„Wir haben die ‚Grüne Verpackung‘ ein halbes Jahr intensiv getestet und können stolz sagen, dass der Praxistest ein voller Erfolg war. Die eingesetzten Verpackungen überstehen mehrere Versandzyklen und werden von den Bestellern zurückgeschickt. Das große Interesse unserer Versandkunden, die Ergebnisse und die positive Resonanz der Empfänger sprechen klar dafür, dass wir die ‚Grüne Verpackung‘ nächstes Jahr als reguläres Service zur Verfügung stellen werden“, sagte DI Peter Umundum, Vorstandsdirektor für Paket & Logistik, Österreichische Post AG, im Rahmen einer Pressekonferenz.

„Unsere Analysen haben gezeigt, dass der Einsatz von wiederverwendbaren Verpackungen ökologisch gesehen Vorteile bringen kann und auch seitens Endkonsument*innen sehr begrüßt wird. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse eine Vielzahl an weiteren Handelsunternehmen dazu ermutigen, den Schritt Richtung wiederverwendbarer Verpackungen zu wagen. Damit können wir einen wichtigen Grundstein für das Funktionieren der Kreislaufwirtschaft legen!“, erklärte FH-Prof. DI Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Oberösterreich.

Der Pilottest wurde laut der Österreichischen Post mit einer strengen Carbon-Footprint-Analyse der FH Oberösterreich überwacht. Hierbei wurde die Klimaauswirkung einer Verpackung während des gesamten Lebenszyklus berechnet, darunter fallen auch die Herstellung der Verpackung, die Anlieferung sowie der Energieverbrauch bei der Annahme, Sortierung und Zustellung durch die Post. Die Carbon Footprint Analyse ermögliche ein umfassendes Bild der „Grünen Verpackung“ in puncto Nachhaltigkeit.

Der Pilottest der „Grünen Verpackung“ fand von März bis September 2022 statt, insgesamt wurden mehrere Tausend Bestellungen mit wiederverwendbaren Verpackungen verschickt. Folgende Ergebnisse zeigen sich nach dem Pilottest:

  • Eignung der Verpackungen: Kleine Verpackungen mit wenig bis keinem Füllmaterial sind für viele Produktkategorien geeignet. Die Rückgabe über Briefkästen, Post-Geschäftsstellen oder SB-Zonen der Post samt Rücktransport zu den Handelsunternehmen habe reibungslos funktioniert.
  • Lebensdauer: Alle Verpackungen haben den Pilottest gut überstanden. In der Praxis werden pro Verpackung zehn bis 20 Versandzyklen als realistisch angenommen. Verpackungen, die bis zu 100-mal verschickt werden können, gehen aufgrund der Rückgabequote vor Erreichen dieser Marke verloren. Dadurch kann die Langlebigkeit nicht optimal genutzt werden. Verpackungen sollten daher günstig und funktional statt teuer und besonders langlebig sein.
  • Akzeptanz der Empfänger: Die Bereitschaft zur Rückgabe von Verpackungen ist stark abhängig von den angebotenen Rückgabemöglichkeiten. Besonders beliebt sei etwa die Rückgabe per Briefkasten oder in Postfilialen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden bevorzuge die Rückgabe über den Zusteller oder SB-Zonen der Post. Um die Motivation zur Rückgabe der Verpackung zu erhöhen, seien Opt-in-Lösungen oder ein Pfandsystem notwendig. Etwa 85 Prozent der befragten Besteller wären bereit, für eine Verpackung im Schnitt vier Euro Pfand zu hinterlegen.
  • Ökologische Nachhaltigkeit: Eine positive Ökobilanz zeige sich vor allem bei den Verpackungen aus Holzfaser. Verpackungen aus recyceltem PET sind zwar auf bis zu 100 Versandzyklen ausgelegt, dadurch aber auch in der Herstellung deutlich aufwendiger. Da sie in der Praxis außerdem vor dem Ende ihrer Haltbarkeit verloren gehen, verschlechtert sich ihre Ökobilanz zusätzlich.

Der Test der wiederverwendbaren Weinverpackung für Interspar Weinwelt wird nach Angaben der Österreichischen Post verlängert. In enger Abstimmung mit dem Handelsunternehmen und der FH Oberösterreich wurden mehrere Generationen von Prototypen entwickelt, um die Qualität der Weine auch in der wiederverwendbaren Verpackung zu garantieren. Der Praxistest dieser selbst entwickelten Verpackung werde daher bis zum Ende des Jahres verlängert.

Basierend auf diesen Ergebnissen habe sich die Österreichische Post entschlossen, die getesteten Mehrwegverpackungen als eigene Dienstleistung ab dem Frühjahr 2023 anzubieten. Handelsunternehmen könnten dann Verpackungen bei der Post mieten und diese beim Check-out ihren Bestellern anbieten. Wird von dem Empfänger diese Verpackung gewählt, verpackt das Unternehmen das Produkt in einer wiederverwendbaren Verpackung und das Paket wird wie gewohnt durch die Post zugestellt.

Der Empfänger entnimmt das bestellte Produkt, faltet die Verpackung zusammen und retourniert sie über Briefkästen, Postfiliale, SB-Zonen der Post oder direkt bei einem Standort des Handelsunternehmens. Die Verpackung gelange danach zu einer Aufbereitungsstelle der Post, wo sie gereinigt und bis zum nächsten Abruf gelagert werde.

Wenn Handelsunternehmen andere Arten von wiederverwendbaren Verpackungen selbst einkaufen und im Versandhandel einsetzen möchten, könnten diese als leere Verpackung über dieselbe Infrastruktur der Post retourniert werden. Diese würden dann direkt in das Lager der Handelsunternehmen zugestellt, wo sie die Verpackungen selbst aufbereiten und lagern.

30 Umläufe möglich

Zum Einsatz kommen der Österreichischen Post zufolge Kartons und Taschen aus Holzfaserstoff, die bis zu 30-mal verwendet werden können. Diese Verpackungen hätten den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu anderen Lösungen einen deutlich geringeren Emissionsanteil bei Produktion und Entsorgung aufwiesen. Das sorge dafür, dass sie bereits ab dem ersten vollständigen Versandzyklus den Break-Even-Point erreichen können und dadurch mit jedem weiteren Versand CO2-Emissionen und Rohstoffe einsparen. Die Handelsunternehmen könnten selbst entscheiden, ob sie die wiederverwendbare Verpackung zum normalen Preis, mit einem einmaligen Aufschlag oder mit einem Verpackungspfand anbieten. Pfandsysteme könnten im eigenen Ökosystem der Handelsunternehmen im Zuge von Bestellung und Rückgabe abgehandelt werden. Die Post empfiehlt etwa ein Modell des Verpackungspfands, das als Geldbetrag, Gutschein oder Prozente beim nächsten Einkauf an die Besteller zurückgeht.

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