Nachhaltigkeit: Logistik-Drehscheibe für Levi Strauss

TGW und Miebach Consulting arbeiten mit am neuen Standort des Fashion-Anbieters in Dorsten.

Mithilfe des Distributionszentrums können den Angaben zufolge bis zu 55 Millionen Teile jährlich ausgeliefert werden. (Visualisierung: TGW)
Mithilfe des Distributionszentrums können den Angaben zufolge bis zu 55 Millionen Teile jährlich ausgeliefert werden. (Visualisierung: TGW)
Melanie Wack

In dem geplanten Distributionszentrum von Levi Strauss, das im nordrhein-westfälischen Dorsten auf einem Areal von knapp 155.000 Quadratmetern errichtet wird, sollen ab Ende 2023 bis zu 55 Millionen Teile pro Jahr der Levi’s-Produkte verteilt werden. Dazu gehören Fashion, Accessoires und Schuhe, die sowohl für Großhandel, Einzelhandel, Digital, E-Com und Marktplatz verfügbar sein werden. Miebach Consulting unterstützt Levi Strauss & Co. einer Pressemitteilung vom 10. Mai zufolge von der Planungsphase bis zur Realisierung mit einer ganzheitlichen Beratung.

Torsten Mueller, Project Lead, Levi Strauss & Co. Europe und Graham Truter, Senior Project Manager, Levi Strauss & Co. Europe sagen: „Wir haben Miebach als unseren Partner auf diesem Weg ausgewählt, weil sie über Erfahrung in solchen Großprojekten verfügen und sowohl Beratung als auch praktisches Engineering anbieten.“

Nach dem Cradle-to-Cradle-Ansatz

Um mit dem stetig wachsenden Geschäft innerhalb des europäischen Marktes Schritt zu halten, baut Levi Strauss & Co., mit Europa-Hauptsitz in Brüssel, der Miebach-Mitteilung zufolge ein nach strengen Nachhaltigkeitsrichtlinien, unter anderem dem „Cradle-to-Cradle“-Ansatz, ausgerichtetes Distributionszentrum im nordrhein-westfälischen Dorsten (LOGISTIK HEUTE berichtete).

„Dies ist das Ergebnis einer zielgerichteten und stark integrierten Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Unternehmen", so Marc Meuleman, Managing Director Benelux, Miebach Consulting. „Das Verständnis für die Bedürfnisse und Werte des Kunden, kombiniert mit unserem Fachwissen, hat uns gemeinsam zu diesem Ergebnis geführt, bei dem alle Anforderungen erfüllt werden, einschließlich der Integration ergonomischer und nachhaltiger Lösungen".

Intralogistik aus der Schweiz

Der Intralogistikanbieter TGW mit Sitz in Marchtrenk (Österreich) liefert einer Unternehmensmitteilung vom 10. Mai zufolge bis November 2023 das automatisierte Intralogistik-System für den Omni-Channel-Betrieb. Ziel sei es, schneller und effizienter auf Marktbedürfnisse reagieren zu können, Lieferzeiten zu verkürzen und das Wachstum in allen Vertriebskanälen zu beschleunigen. Der neue Standort unterstütze Levi Strauss & Co. dabei, Nachhaltigkeit, Flexibilität und Digitalisierung der globalen Lieferkette voranzutreiben.

„Wir freuen uns, dass wir den Intralogistik-Spezialisten TGW Logistics Group mit der Einrichtung unseres MHE-Systems beauftragen konnten“, sagt Levi Strauss-Logistikleiter Mueller.

Besonderheit der Logistikdrehscheibe sei das intelligente, hochautomatisierte Ware-zur-Person-System: „TGW FlashPick“ wurde entwickelt, um unvorhersehbare und schwankende Auftragsstrukturen flexibel zu bewältigen, so die TGW-Angaben. Sollte sich der Bestellanteil zwischen den Vertriebskanälen (Filialen, Online und Wholsesale) verschieben oder die Auftragsstruktur verändern, erfüllt das System laut TGW die neuen Anforderungen weiter effizient und unterstützt das Wachstum des Denim-Leaders.

Bis zu 350.000 Teile pro Tag

An Peaktagen können der Pressemitteilung zufolge bis zu 350.000 Teile versendet werden. Die Durchlaufzeit vom Auftragsstart bis zum versandfertigen Paket betrage dabei im Schnitt nur etwa zehn Minuten. Das Projekt gliedert sich in zwei Abschnitte: In der ersten Phase bis 2023 werde eine Durchsatzleistung von bis zu 33 Millionen Teilen pro Jahr erreicht. Dieser Wert steige in einem zweiten Schritt auf 55 Millionen – durch die Erweiterung der Lagerkapazität sowie zusätzliche Kommissionier-Arbeitsplätze.

Zentrale Schnittstelle

Mittelpunkt der Anlage bildet die Kombination aus einem fünf-gassigen Shuttle-System sowie einem Automatischen Kleinteilelager (AKL) mit 830.000 Stellplätzen, so TGW. Aufträge werden an zehn Kommissionier-Arbeitsplätzen „PickCenter“ gepickt, ein acht Kilometer langes Netzwerk energieeffizienter „KingDrive“-Fördertechnik verbindet die Bereiche miteinander.

Die TGW Warehouse Software unterstützt Levi Strauss & Co. dabei, die hohen Anforderungen des Omni-Channel-Betriebs beherrschbar zu machen und ist integraler Bestandteil der Lösung: Sie übernimmt Planung, Überwachung sowie Optimierung sämtlicher Intralogistik-Prozesse.

Nachhaltigkeit im Fokus

Um Ressourcen effizient zu nutzen, werden bis zu 70 Prozent der angelieferten Warenkartons wieder für den Versand verwendet. Eine innovative Robotik-Lösung von TGW soll das automatische Umpacken von den Kartons in Behälter übernehmen. Zudem verzichtet Levi Strauss & Co. beim Versand auf den Einsatz von Polybags aus Kunststoff – und kommissioniert stattdessen direkt in Kartons beziehungsweise Papiertaschen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Levi Strauss & Co. einen logistikerfahrenen Kunden von unserer Automatisierungs-Kompetenz überzeugen konnten“, unterstreicht Johann Steinkellner, CEO Central Europe bei TGW. „Dank FlashPick lassen sich E-Commerce, Groß- sowie Einzelhandel effizient miteinander verknüpfen. Für Unternehmen mit einem Omni-Channel-Geschäftsmodell wie Levi Strauss & Co. ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.“

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