Nachhaltigkeit: Konkrete SCM-Strategien fehlen oft

Laut der BME-Logistik-Studie 2021 verfügt weniger als die Hälfte der befragten Firmen über eine eigene Organisationseinheit für Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit hat in deutschen Unternehmen laut einer Studie von BME und der HS Fulda bereits einen hohen Stellenwert. (Foto: Malp / Fotolia)
Nachhaltigkeit hat in deutschen Unternehmen laut einer Studie von BME und der HS Fulda bereits einen hohen Stellenwert. (Foto: Malp / Fotolia)
Therese Meitinger

Das Management nachhaltiger Lieferketten wird bereits von einer großen Zahl deutscher Unternehmen bewusst umgesetzt. Gleichzeitig gibt es aber auch noch bei vielen Firmen „Luft nach oben“. Nicht immer wird dort Nachhaltigkeit in Supply Chains auf Basis einer konkreten Strategie und mit definierten Verantwortlichkeiten bereits umgesetzt. Zu diesen Ergebnissen kommt die BME-Logistik-Studie 2021 „Nachhaltigkeit in Supply Chains“.

Die Online-Erhebung wurde laut einer Pressemitteilung vom 10. November gemeinsam vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und der Hochschule Fulda durchgeführt. An der Umfrage beteiligten sich nach Verbandsangaben 226 Führungskräfte aus Einkauf, Logistik und Supply Chain Management. Sie sind in den Branchen Industrie, Handel und Dienstleistung geschäftlich aktiv. Ziel der diesjährigen BME-Logistik-Studie sei es gewesen, den Status quo von Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement in Supply Chains bei Unternehmen im deutschsprachigen Raum zu erfassen, so der BME.

„Noch zu selten setzen die Unternehmen Nachhaltigkeit auf Basis gezielter Strategien und fest definierter Verantwortlichkeiten um. Dieser Tatbestand zieht sich durch nahezu alle Bereiche – von der Organisation über den Umfang der operativen Umsetzung bis hin zu konkreten Aktivitäten“, betont BME-Hauptgeschäftsführerin Dr. Helena Melnikov.

Nachhaltigkeit hat häufig nur Projekt-Status

Laut der Studie verfügen derzeit weniger als die Hälfte der befragten Firmen über eine eigene Organisationseinheit für Nachhaltigkeit. Häufig wird Nachhaltigkeit demnach noch als „Projekt“ in den Logistik- oder Einkaufsabteilungen verortet, das neben anderen Aufgaben abgearbeitet wird.

Unternehmen, die bereits eine Organisationseinheit für Nachhaltigkeit eingerichtet haben, äußerten sich positiv über die Einbindung in Aufbau- und Ablauforganisation, so Melnikov weiter. Dies sei ein Zeichen dafür, dass es betriebsintern anscheinend wenig Reibungspunkte gibt.

„Die aktuellen Studienergebnisse belegen, dass die Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit künftig noch weitaus stärker in den Blick nehmen müssen. Wichtig ist dabei, alle Glieder der Wertschöpfungskette zu betrachten“, sagt Carsten Knauer, BME-Leiter Sektion Logistik/SCM, Referent Fachgruppen.

Nachhaltigkeit in den Lieferketten sollte sich seiner Meinung nach nicht nur auf den Einkauf des Unternehmens reduzieren. Es gehe vielmehr darum, auch bei den Kunden ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen – beispielsweise für höhere Preise. Denn Nachhaltigkeit verursacht meistens auch höhere Kosten, so Knauer weiter.

„Es ist erfreulich, dass es Vorreiter gibt, die die Bedeutung von Nachhaltigkeit in Lieferketten für das eigene Unternehmen erkannt haben. Damit lassen sich Chancen und Wettbewerbsvorteile erzielen“, erklärt Michael Huth, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Logistik, an der Hochschule Fulda.

Gleichzeitig zeige sich seiner Einschätzung nach aber auch, dass zu viele Firmen nur auf externe Anforderung zur Nachhaltigkeit reagierten – und das häufig auch nur halbherzig.

Die BME-Logistik-Studie „Nachhaltigkeit in Supply Chains“ wurde im Zeitraum vom 17. Mai bis 15. Juli 2021 durchgeführt. Die meisten Teilnehmer kamen aus der Lager- und Transportbranche sowie aus den Bereichen Automotive, Pharma, Chemie und Maschinenbau. Autoren der Umfrage sind Prof. Dr. Michael Huth (Hochschule Fulda) und Carsten Knauer (BME).

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