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Nachhaltigkeit: Deutschland exportiert weniger Plastikmüll

Kunststoffabfälle aus Deutschland landen immer öfter in Süd- und Südostasien.

Weniger Müll nach auswärts: Aus einer Sonderausgabe des Exportseismographen Deutschland geht hervor, dass die Bundesrepublik weniger Plastikmüll in andere Länder exportiert. (Foto: Sablin/Fotolia)
Weniger Müll nach auswärts: Aus einer Sonderausgabe des Exportseismographen Deutschland geht hervor, dass die Bundesrepublik weniger Plastikmüll in andere Länder exportiert. (Foto: Sablin/Fotolia)
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Sandra Lehmann

Der Export von Plastikmüll aus der Bundesrepublik ist 2018 gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 1,05 Millionen Tonnen gesunken. Das geht aus der Sonderausgabe des Exportseismographen Deutschland (ESD) hervor, den das Institut für angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt gemeinsam mit dem Stuttgarter Softwareanbieter AEB herausgibt. Im Vergleich zu 2013 ergibt sich dem Bericht zufolge sogar ein Rückgang von 20,5 Prozent. Die Exportquote von Plastikabfällen aus Deutschland schwanke zwischen 15 und 20 Prozent der insgesamt gesammelten Menge.

Asiatische Schwellenländer im Fokus

Gleichzeitig, so die Autoren des Seismographen, haben sich die Ziele der deutschen Plastikmüllexporte verlagert. War 2013 mit rund 614.000 Tonnen China das Hauptziel von Kunststoffresten, lagern die Deutschen ihre Plastikabfälle laut ESD aktuell vor allem in asiatische Schwellenländer aus. Grund dafür sei ein Verbot Chinas zur Einfuhr von Kunststoffmüll, das seit 2018 gilt.

„Bemerkenswert ist die Entwicklung in mehreren Schwellenstaaten. Hier sind große Sprünge zu beobachten. Statt China enden deutsche Plastikabfälle immer öfter in Süd- und Südostasien“, sagt Prof. Christian Kille vom IAL. „Malaysia stieg mit einer Importmenge von 131.426 Tonnen im Jahr 2018 (+75 Prozent zum Vorjahr) zum wichtigsten Empfängerland auf“, so Kille weiter.

Exporte von Kunststoffabfällen nach Indien nahmen dem ESD zufolge zwischen 2013 und 2018 um 180 Prozent auf 67.327 Tonnen zu, in die Türkei um 603 Prozent auf 50,228 Tonnen, nach Vietnam um 1.256 Prozent auf 56.781 Tonnen und nach Indonesien um 11.733 Prozent auf 64.459 Tonnen. Nennenswerte Ausfuhren von deutschen Kunststoffabfällen gäbe es auch in die Niederlande (123.010 Tonnen) und nach Polen (79.388 Tonnen).

„Es ist zunächst einmal völlig legal, Kunststoffabfälle zu exportieren. Sie sind weltweit als ungefährlicher Müll eingestuft, der nach EU-Recht und internationalen Beschlüssen frei gehandelt werden darf“, sagt Dr. Ulrich Lison, Außenwirtschaftsexperte von AEB.

Sortenreiner Kunststoffabfall bringe je nach Marktpreis 650 bis 900 EUR pro Tonne. Aus eingeschmolzenen Abfällen könnten beispielsweise Pelletts produziert werden, die in die Produktion von neuen Plastikprodukten einfließen können. Das Problem aus Sicht von AEB: Viele Kunststoffexporte sind nicht vorsortiert oder auch nur gereinigt. Abnehmer aus der Dritten Welt suchen sich oftmals lediglich bestimmte Teile heraus, deren Verwertung lukrativ ist. Der Rest wird unter fragwürdigen Bedingungen verbrannt, landet auf einer Deponie oder gar im Meer.

Wenig Risiko

Für die Exporteure seien darüber hinaus Falschdeklarationen von Abfall – beispielsweise Ausfuhren von unsortierten Kunststoffabfällen als sortierter Müll – eine ziemlich risikolose Angelegenheit. 108 Mal musste laut einer Statistik des Umweltbundesamtes für das Jahr 2017 illegaler Abfall rückgeführt werden – wohlgemerkt betrifft diese Zahl alle Abfallsorten. In 247 Fällen wurden Bußgelder von durchschnittlich 118 EUR verhängt. Dazu gab es 23 Geldstrafen und eine einzige Haftstrafe von drei Monaten.

Insgesamt exportierte Deutschland dem ESD zufolge im Jahr 2018 insgesamt 14,99 Millionen Tonnen an Abfällen. Das waren 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch langfristig sei der Trend rückläufig. 2012 wurden noch 16,3 Millionen Tonnen Abfälle aus Deutschland exportiert. Den größten Anteil hätten Abfälle und Schrott aus Eisen und Stahl mit 58 Prozent, gefolgt von Holzabfällen mit 21 Prozent und Aluminiumabfällen mit sieben Prozent. Kunststoffabfälle machten ebenfalls sieben Prozent der Exporte aus. Darüber hinaus importiert Deutschland auch 10,5 Millionen Tonnen Abfälle im Jahr. Importe und Exporte unterscheiden sich nach AEB-Angaben allerdings sehr deutlich im Wert. Der Wert der Exporte liegt mit 598 Euro pro Tonne mehr als 40 Prozent unter dem Wert der Importe (1.002 Euro pro Tonne), heißt es vonseiten AEB.

„Man kann mit etwas Polemik sagen: Deutschland importiert Wertstoffe und exportiert Abfälle“, sagt Lison.

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