Nachhaltige Kraftstoffe: Erste Pilotanlage für grünes Methanol geht an den Start

Die kosteneffiziente Erzeugung des alternativen Kraftstoffs soll unter anderem Perspektiven für eine nachhaltige Containerschifffahrt eröffnen.

Im Chemiepark Leuna ist die erste Pilotanlage zur Herstellung von grünem Methanol in Betrieb gegangen. (Foto: Paul-Philipp Braun)
Im Chemiepark Leuna ist die erste Pilotanlage zur Herstellung von grünem Methanol in Betrieb gegangen. (Foto: Paul-Philipp Braun)
Sandra Lehmann

Ein Forschungskonsortium, bestehend aus dem Tech-Startup C1 Green Chemicals AG, dem Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES, dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, der DBI-Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg sowie der Technischen Universität Berlin, hat am 20. November die erste Pilotanlage zur Herstellung von grünem Methanol im Chemiepark in Leuna eingeweiht. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung des Konsortiums hervor.

Ziel sei es, mit einem neuen Herstellungsverfahren den kosteneffizienten Markthochlauf von grünem Methanol zu ermöglichen und damit der Containerschifffahrt eine klimaneutrale Kraftstoffalternative zu eröffnen. Grundlage für die Herstellung von grünem Methanol ist ein Synthesegas aus Kohlenmonoxid und grünem, also durch erneuerbaren Strom erzeugtem Wasserstoff. Die grüne Methanolherstellung im Projekt „Leuna100” besteht aus drei Schritten: der sogenannten Synthesegaserzeugung, der Methanolproduktion und der Aufreinigung des produzierten Rohmethanols. Die innovative Technologie von C1 ermöglicht eine effiziente niedertemperatur- und niederdruckbasierte Methanolproduktion. Möglich wird dieses Verfahren durch den Einsatz eines homogenen, Mangan-basierten Katalysatorsystems, welches C1 zusammen mit dem Leibniz-Institut für Katalyse e.V. entwickelt hat.

Wie C1 gegenüber LOGISTIK HEUTE erläuterte, ist eine zentrale Innovation des Herstellungsverfahrens die strombasierte und lastflexible Nutzung der Synthesegaserzeugung sowie die homogene Katalyse für die Methanolerzeugung. So komme nicht wie bisher eine zweidimensionale Oberflächenreaktion mit Festkörperkatalysatoren zum Einsatz, sondern die von C1 entwickelte, dreidimensional skalierbare Reaktion in der flüssigen Phase. Die neue Herstellungsweise sei nicht nur besser skalierbar, sondern biete auch Kostenvorteile unabhängig von der Anlagengröße: Mit dem Verfahren könne C1 Temperatur und Druck im Reaktor im Vergleich zur konventionellen Produktion um mehr als die Hälfte auf 110 Grad und 30 Bar reduzieren. Dadurch ließen sich auch die Kosten für die Methanolproduktion deutlich senken. Zudem kann C1 nach eigenen Angaben in einem Katalysevorgang 98 Prozent grünes Methanol erzeugen, in einem konventionellen Verfahren sind dies nur 15 Prozent.

End-to-End-Prozesskette

Darüber hinaus stamme das eingesetzte CO2 aus vorhandenen industriellen Prozessemissionen. Mit der integrierten End-to-End-Prozesskette schaffe Leuna100 so die Voraussetzung für die Produktion von grünem Methanol, die konform ist mit der EU-Richtlinie für Erneuerbare Energie, der RED-II.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) über die nächsten drei Jahre mit insgesamt 10,4 Millionen Euro gefördert. Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing sagte bei der Eröffnung vor Ort:

„In Leuna wird heute Industriegeschichte geschrieben. Das Projekt bedeutet einen Meilenstein für das post-fossile Zeitalter in der Schiff- und Luftfahrt. Wir sind stolz darauf, dieses Forschungsprojekt ‘made in Germany‘ mit Mitteln im Rahmen des Gesamtkonzepts Erneuerbare Kraftstoffe zu fördern. Mit dem Gesamtkonzept unterstützt das BMDV die Weiterentwicklung und den Markthochlauf von erneuerbaren Kraftstoffen und damit auch das Erreichen der Klimaziele im Verkehrssektor.”

„Der Chemiestandort Leuna blickt auf eine über hundertjährige Tradition zurück. Er hat sich in dieser Zeit selbstbewusst Herausforderungen gestellt und immer wieder seine Innovationskraft bewiesen. Nun bietet sich die Chance, abermals zum Schauplatz für den Beginn einer neuen Ära zu werden. Das Projekt ‘Leuna100’ eistet einen wichtigen Beitrag für den Einstieg in die zirkuläre Chemieproduktion nicht nur in Sachsen-Anhalt“, so Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt.

Christian Vollmann, Vorstand der C1 Green Chemicals AG:

„Unser innovatives Verfahren bietet das Potenzial, grünes Methanol kostengünstiger herzustellen. Wir freuen uns über die Chance, unsere Technologie im Rahmen der Pilotanlage auf das nächste Level zu heben und damit der Markteinführung einen entscheidenden Schritt näherzukommen.“