Menschenrechte: Außergerichtliche Schlichtung im SCM

Ein Forschungsteam der Viadrina Universität hat ein Modell entwickelt, in dem Empfehlungen für die Gestaltung unternehmensübergreifender, außergerichtlicher Beschwerdemechanismen im Feld Wirtschaft und Menschenrechte gebündelt werden.

Wie können sich Konfliktparteien entlang der Lieferkette ohne die Zuhilfenahme der Justiz einigen? (Foto: Patpitchaya / Fotolia)
Wie können sich Konfliktparteien entlang der Lieferkette ohne die Zuhilfenahme der Justiz einigen? (Foto: Patpitchaya / Fotolia)
Therese Meitinger

Schokolade ohne Kinderarbeit, T-Shirts ohne Ausbeutung – wie können außergerichtliche Beschwerdesysteme dazu beitragen, dass Opfer von Menschenrechtsverletzungen entlang globaler Lieferketten einen Zugang zu effektiver Abhilfe erlangen? Dieser Frage geht der Abschlussbericht eines Forschungsteams der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) nach, den das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz am 20. September veröffentlicht hat.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulla Gläßer, Inhaberin der Viadrina-Professur für Mediation, Konfliktmanagement und Verfahrenslehre, hat das Forschungsteam einer Pressemitteilung zufolge das Potenzial außergerichtlicher Konfliktbearbeitungsverfahren im Feld Wirtschaft und Menschenrechte untersucht.

„Effektive Beschwerdemechanismen sollten integrale Bestandteile von (Regulierungs-)Ansätzen für verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen entlang von globalen Wertschöpfungsketten sein“, beschreibt Prof. Dr. Ulla Gläßer die Zielstellung des Berichtes.

Wie Machtungleichgewichte der Konfliktparteien ausgleichen?

Zunächst hatte das Forschungsteam nach Eigenangaben ausgewählte bestehende Beschwerdemechanismen analysiert und bewährte Ansätze aus der Praxis herausgearbeitet. In Interviews mit Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Gewerkschaften, Nicht-Regierungsorganisationen und verfahrensanbietenden Institutionen ergründeten sie demnach vor allem den Einfluss der gravierenden strukturellen Machtungleichgewichte zwischen den Konfliktparteien.

Praxiserfahrungen von deutschen Verbraucherschlichtungsstellen zeigten Möglichkeiten auf, wie Verfahrensangebote institutionalisiert, finanziert und mit Blick auf ihre Qualität gesichert werden können, heißt es in der Mitteilung. Als Ergebnis der Analysen entwickelte das Team ein Modell, in dem praxisorientierte Empfehlungen für die Gestaltung unternehmensübergreifender, außergerichtlicher Beschwerdemechanismen im Feld Wirtschaft und Menschenrechte gebündelt werden.

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