med.Logistica 2023: Leipziger Innovationspreis für AMR und Green Logistics

Der Nachwuchspreis Thesis Award ging an eine Masterarbeit zum Thema Lagerverwaltung.

Verleihung des Leipziger Innovationspreises für Krankenhauslogistik und des Thesis Awards im Rahmen der med.Logistica 2023. (Bild: Leipziger Messe)
Verleihung des Leipziger Innovationspreises für Krankenhauslogistik und des Thesis Awards im Rahmen der med.Logistica 2023. (Bild: Leipziger Messe)
Therese Meitinger

Mit dem 4. Leipziger Innovationspreis für Krankenhauslogistik wurden am 16. Mai auf der med.Logistica 2023 zwei Projekte zur Digitalisierung und Automatisierung logistischer Prozesse aus dem Universitätsklinikum Tübingen (Deutschland) sowie dem Stadtspital Zürich (Schweiz) ausgezeichnet, die ihre Feuertaufe im Klinikalltag erfolgreich bestanden haben. Zudem wurde der Nachwuchspreis Thesis Award für eine Masterarbeit zum Thema Lagerverwaltung verliehen.

Der mit 6.000 Euro dotierte, zum vierten Mal vergebene Leipziger Innovationspreis würdigt in diesem Jahr die Projekte „Innovative Medizinlogistik: digital, nachhaltig und mit den Menschen im Mittelpunkt“ des Universitätsklinikums Tübingen (UKT), das einen Green-Logistics-Ansatz verfolgt, sowie „Automatisiertes Transportsystem – Automated Mobile Robot (AMR)“ des Stadtspitals Zürich, welches autonome Robotik einsetzt. Die Gewinner teilen sich nach Veranstalterangaben das Preisgeld.

Multiplikationseffekte erwartet

„Beide Preisträger überzeugen gleichermaßen auf sehr unterschiedlichen Gebieten, weshalb wir uns in diesem Jahr für eine zweifache Erstplatzierung entschieden haben“, erklärt Jurysprecher Prof. Dr.-Ing. Hubert Otten, Leiter des Competence Centers eHealth und Professor für Technische Systeme, Betriebsorganisation und Logistik in Einrichtungen des Gesundheitswesens an der Hochschule Niederrhein.

Beide Projekte setzten innovative Technologien im Sinne einer qualitativ höherwertigen und wirtschaftlicheren Gesundheitsversorgung ein, bewiesen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Industriepartnern eine hohe Leistungs- und Innovationsfähigkeit sowie großes Nutzenpotenzial, so Otten weiter. Von beiden Konzepten könnten auch andere Krankenhäuser profitieren, da sie gut übertragbar seien.

UKT: Multiprofessionell, harmonisch und nachhaltig

Mit dem zwischen 2018 und Oktober 2022 realisierten Projekt „Innovative Medizinlogistik: digital, nachhaltig und mit den Menschen im Mittelpunkt“ habe das UKT ein hohes Maß an Harmonisierung und Standardisierung von Prozessen und Systemen sowie ein Höchstmaß an Vernetzung erreicht, unterstreicht Otten. „Damit wird eine tolle Transparenz in allen Bereichen erzielt, bei der sich Prozesseffizienz, -geschwindigkeit sowie -qualität nutzbringend auswerten und verbessern lassen.“

Die Digitalisierungs- und Logistikstrategie des Universitätsklinikums Tübingen nehme klinikums- und berufsgruppenübergreifende Aspekte ganz besonders in den Fokus, ergänzt Prof. Dr. Dr. Martin Holderried, Geschäftsführer Zentralbereich Medizin: Struktur-, Prozess- und Qualitätsmanagement des Klinikums. „Sämtliche Ressourcen zur richtigen Zeit, in der richtigen Zusammensetzung, in bester Qualität, zum optimalen Preis, mit dem geringstmöglichen Ressourcenkonsum, im richtigen Kontext und am richtigen Ort für die Gesundheitsversorgung unserer Patientinnen und Patienten bereitzustellen – dieses übergeordnete Ziel haben wir umgesetzt“, so Holderried.

Die Kommunikation – also die Übermittlung der Informationen von A nach B – sei auf eine einheitliche IT-Basis gestellt und damit für deutlich mehr Transparenz und Qualität gesorgt worden, wie Holderried betont: So seien sämtliche Prozessschritte rund um die OP-Versorgung digital abgebildet worden und jederzeit visualisierbar. „Wir können nicht nur genau analysieren, welche Siebe für welchen Eingriff benötigt werden. Wir konnten auch die Modellvielfalt der Instrumente optimieren, die Instrumentenzahl insgesamt um rund 25 Prozent und das Aufbereitungsaufkommen um etwa 15 Prozent reduzieren.“ Die OP-Planung, die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte und das OP-Management haben laut Holderried immer einen vollumfänglichen Überblick über den Status sämtlicher für die Operationen benötigten Ressourcen. Dies vermeide Arbeitsspitzen und Staus, minimiere Warte- und Leerzeiten. Gleichzeitig wurde ihm zufolge das Personal von interner Bürokratie entlastet.

Stadtspital Zürich: AMR im Aufzug

Inspirierend sei auch das gleichermaßen preisgekrönte Projekt „Automatisiertes Transportsystem – Automated Mobile Robot (AMR)“ des Stadtspitals Zürich, sagt Jurysprecher Prof. Otten. „Die autonomen Transportroboter fahren sogar in die Bereiche, in denen Patienten unterwegs sind. Stoßen sie auf ein Hindernis, suchen sie eine alternative Route. Aufgrund ihrer fortschrittlichen Sensorik sind die programmierbaren Maschinen nicht ausschließlich auf Umgebungen mit eingewiesenen Personen angewiesen. Sie sind in den normalen Aufzügen anzutreffen, die neben dem Krankenhauspersonal auch von Patientinnen und Patienten sowie Besuchenden genutzt werden. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten, Roboter in Bestandsgebäuden einzusetzen, ohne zum Beispiel neue Aufzüge und Extrawege im Untergeschoss schaffen zu müssen.“

Die Versorgung der Stationen finde bei diesem AMR-System vor allem nachts statt, wenn nicht so viele Leute unterwegs und die Aufzüge wenig frequentiert seien, wie Otten beschreibt. „Das gab es bisher nicht, dass fahrerlose, nicht schienengebundene Transportsysteme dort aktiv sind, wo sich Patientinnen und Patienten sowie Besuchende aufhalten. Nicht zuletzt entlastet es das Personal, wenn die Roboter nun auf der Station direkt bis zum Übergabeort fahren und nicht in einem vorgelagerten Bereich, der für nicht eingewiesene Personengruppen gesperrt ist, verbleiben.“ Er gehe davon aus, dass diese Innovation von der Schweiz aus in die gesamte deutschsprachige Krankenhauslandschaft und darüber hinaus ausstrahle und Nachahmer finden werde.

„Wir brauchten eine kreative Lösung für die hohe und weiterwachsende Komplexität der Warenströme, verbunden mit einer Verdichtung der Räume, mit denen wir es im Stadtspital zu tun haben“, berichten Michael Zuber, Bereichsleiter Logistik & Services, und Ray Müller, Projektleiter Logistik & Services, vom Stadtspital Zürich, einem Zentrumsspital mit vier Standorten und 4.238 Mitarbeitenden. Ansatzpunkt sei die Inbetriebnahme des sanierten Turmgebäudes des Stadtspitals Zürich Triemli im Juni 2022 gewesen. „Damit musste ein weiteres Bauwerk mit 24 Stockwerken in die bestehende Logistikstruktur des Kernspitals integriert werden. Weil die Korridore und Liftanlagen tagsüber bereits stark frequentiert werden, waren für die Ver- und Entsorgung der medizinischen Verbrauchsmaterialien von 19 Ambulatorien und fünf Büroetagen im Hochhaus neue Ideen gefragt.“ Daraus sei das Konzept der autonomen Nachtshuttles entstanden. Fand die Logistik bis dahin von 7.00 bis 17.00 Uhr statt, wanderte sie nun in den Nachtmodus.

Thesis Award: Frische Ideen für die Prozessoptimierung

Anlässlich der Eröffnung der med.Logistica wurde ebenfalls zum vierten Mal der mit 1.000 Euro dotierte Thesis Award für eine herausragende studentische Abschlussarbeit zur Prozessoptimierung im Gesundheitswesen verliehen. Preisträger ist Raphael Schmillenkamp, dessen Masterarbeit „Auswahl eines anforderungsgerechten Lagerverwaltungssystems für ein Krankenhaus der Maximalversorgung“ ausgezeichnet wurde. „Das Thema Lagerbewirtschaftung und -verwaltung hat im Zuge der Lieferengpässe und Lieferkettenprobleme seit der Corona-Pandemie enorm an Bedeutung gewonnen. Viele Krankenhäuser rüsten in dieser Beziehung auf, suchen geeignete Lösungen und Raphael Schmillenkamp hat für diese Entscheidungsfindung eine Systematik auf der Grundlage von Kennzahlen für ein Haus der Maximalversorgung entwickelt“, so Prof. Otten.

Die Gewinnerarbeit ist als Poster-Präsentation auf der med.Logistica zu sehen. Sowohl der Thesis Award als auch der Leipziger Innovationspreis für Krankenhauslogistik werden im Zweijahresrhythmus vergeben.

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