Med.Logistica 2022: Engpassmanagement zwischen Digitalisierung und Reshoring

Eine Podiumsdiskussion auf der Leipziger Messe für Krankenhauslogistik geht Lieferkettenabrissen auf den Grund.

Die med.Logistica 2022 steht ganz im Zeichen der Krankenhauslogistik. (Foto: Therese Meitinger)
Die med.Logistica 2022 steht ganz im Zeichen der Krankenhauslogistik. (Foto: Therese Meitinger)
Therese Meitinger

„Engpassmanagement und Lieferabrisse: Wie kommen wir zu nachhaltigen Lieferketten?“: Diese Frage stand am 11. Mai im Zentrum einer Podiumsdiskussion auf der med.Logistica. Der internationale Kongress und die Fachmesse für Logistik und Prozessmanagement im Krankenhaus findet am 11. und 12. Mai auf der Leipziger Messe statt. In dem Panel zu nachhaltigen Lieferketten tauschten Lutz Heimann vom Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis, Lennart Eltzholtz von der Sana Einkauf & Logistik GmbH, Karl-Heinz Berschet von der Phoenix Pharmahandel GmbH & Co KG sowie Toni Mateus da Silva von der Prospitalia GmbH, ihre Erfahrungen und Perspektiven aus.

„Die Komplexität in der internationalen Vernetzung ist und hoch und nicht mehr zurückzudrehen“, sagte Lennart Eltzholtz von der Einkäufergemeinschaft Sana zum Beginn seines Impulsvortrags.

Hinzukämen viele weitere Einflüsse wie weitere Regularien vonseiten des Gesetzgebers, beispielsweise die Medical Device Regulation, das kommende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, zunehmende Handelsbarrieren oder die wachsende Weltbevölkerung. Dabei gilt es Lieferketten Eltzholtz‘ Ansicht nach in drei Dimensionen nachhaltig aufzusetzen – sozial, ökologisch und ökonomisch. Trotzdem werden uns Lieferkettenstörungen langfristig erhalten bleiben – so die Meinung aller Diskutanten.

Dass in der Krankenhausbeschaffung der letzten beiden Jahre oft Cent-Produkte Kapazitäten banden, ist für Lutz Heimann leidvolle Erfahrung:

„Oft musste gekauft werden, was verfügbar war. Im Krankenhaus zeigen sich Fehlentwicklungen oft wie im Brennglas. In der Pandemie haben wir uns eng mit anderen Akteuren ausgetascht, aber uns auch oft selbst beholfen, zum Beispiel Desinfektionsmittel selbst hergestellt“, so Heimann.

Versorgungssicherheit als Gemeinschaftsaufgabe

Aus der Pandemie zu lernen, sei eine Gemeinschaftsaufgabe, sagte Heimann weiter. Hier sehe er aber noch relativ wenig Initiativen, vermisse etwa weiterentwickelte Konzepte für Frühwarnsysteme oder Katastrophenlager.  

Einhelligkeit herrschte ebenfalls bei der Analyse, dass ein ausgeprägter Digitalisierungsrückstand das deutsche Gesundheitswesen ausbremst.   

„Das Problem wird häufig auf der Makro-Ebene diskutiert, aber es fehlt hier auch etwas die Eigenverantwortung der Kliniken. Was woanders aufwendig beschafft wird, wird in Krankenhäusern nach Ablauf des Verfallsdatums weggeschmissen, weil der Überblick über die Bestände im Lager fehlt“, schilderte Toni Mateus da Silva von der Einkaufsgemeinschaft Prospitalia.

Es sei nicht mehr zeitgemäß, wenn Stations-Assistenten jeden Tag Läger abliefen, um Fehlbestände zu analysieren. Dies ließe sich unkompliziert digital abbilden.

Auch Karl-Heinz Berschet vom Phoenix Pharmahandel kann von fehlender Digitalisierung ein Lied singen: Als vor einigen Wochen Apotheken vom Bundesgesundheitsministerium ihren Anteil vom Notbestand des aktuell nicht mehr verfügbaren Brustkrebsmedikament Tamoxifen ordern konnten, mussten sie dies per Fax tun.

Berschet wünscht sich darüber hinaus, dass Politik und Wirtschaft Pharmalieferketten grundlegend überdenken – und zwar in Richtung Reshoring.

„Ich fände es gut, wenn wir einige Produktionsteile wieder nach Europa zurückholen“, so Berschet.

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