Markt: Logistikwirtschaft hat Coronaverluste 2021 mehr als ausgeglichen

Der Wirtschaftszweig erreichte im vergangenen Jahr ein Marktvolumen von 294 Milliarden Euro.

Wie eine Erhebung der Fraunhofer-Arbeitsgruppe SCS zeigt, ist die deutsche Logistikwirtschaft 2021 deutlich gewachsen. (Symbolbild: Bizvector/AdobeStock)
Wie eine Erhebung der Fraunhofer-Arbeitsgruppe SCS zeigt, ist die deutsche Logistikwirtschaft 2021 deutlich gewachsen. (Symbolbild: Bizvector/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Die deutsche Logistikwirtschaft verzeichnet für 2021 ein Marktvolumen von 294 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit hat der Wirtschaftszweig die pandemiebedingten Verluste aus 2020 mehr als ausgeglichen. Das geht aus der Studie „TOP 100 der Logistik – Marktgrößen und Marktsegmente. Update 2022“ hervor, die die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS im Rahmen des Deutschen Logistik-Kongresses 2022 in Berlin vorgestellt hat.

Mehr Jobs in der Logistik

Wie das Forschungsinstitut mitteilt, geht das Wachstum des Logistikmarktes auf zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse, neue Rekordwerte bei der Verkehrsleistung von Straße und Schiene sowie einem deutlichen Anstieg im KEP-Volumen und Preisen im Air- und Ocean-Cargo-Bereich zurück. So waren 2021 mit insgesamt 3,36 Millionen Erwerbstätigen über 100.000 Personen mehr mit operativen und administrativen Logistikaufgaben beschäftigt als im Vorjahr. Am deutlichsten sei dieser Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Bereich Lagerwirtschaft und Güterumschlag, allein hier sind laut der Fraunhofer-Arbeitsgruppe SCS mehr als 60.000 Beschäftigungsverhältnisse hinzugekommen.

Aber auch im Transport wurden Zuwächse realisiert. Während der Straßengüterverkehr mit 2,5 Prozent nur unterdurchschnittlich gewachsen sei, konnte die Transportleistung der Bahn mit einem Wachstum von 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eine deutlich höhere Dynamik aufweisen. Verladerseitig hatten insbesondere die Bauwirtschaft und der Lebensmittelbereich sowie produktübergreifend der E-Commerce deutliche, teilweise zweistellige Wachstumsraten zu verzeichnen, heißt es in der Erhebung.

Auswirkung von Risiken noch unklar

Den Autoren zufolge zeigt sich die deutsche Logistikwirtschaft trotz der Coronakrise insgesamt sehr robust. Auch für das laufende Jahr 2022 ist von einem weiteren Anstieg des Marktvolumens auszugehen. Inwiefern dieser neben der starken Preissteigerung auch realwirtschaftlich untermauert ist, müsse sich angesichts der aktuellen konjunkturellen Risiken aber noch zeigen.

Nach einem Jahrzehnt stabilen Wachstums ist auch die Logistikwirtschaft mit zunehmender Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität konfrontiert. Angesichts weltweit stockender Lieferketten, zunehmendem Personalmangel, knapper Lager- und Transportkapazitäten, steigenden Kosten, neuen geopolitischen Barrieren und konjunkturellen Risiken stehen lange gehegte Erfahrungswerte und vermeintliche Sicherheiten nun auf dem Prüfstand, so die Fraunhofer Arbeitsgruppe SCS in einer Pressemeldung zur Veröffentlichung der Analyse. Dies äußere sich nicht nur in steigenden Beständen, sondern auch in einer Abkehr von allzu eng getakteten, Just-in-time-orientierten Konfigurationen der Supply Chains.

Neue Chancen durch Digitalisierung

Gleichzeitig eröffne die Digitalisierung und Automatisierung von operativen Logistikprozessen über den Einsatz von KI-Methoden im Demand-Forecasting bis hin zum plattformgetriebenen Supply Chain Management neue Chancen für die dynamische Planung und Steuerung von nachhaltigen, agilen und resilienten Lieferketten, berichten die Autoren.

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