Management: Coaching, Meditation und Freiwilligenarbeit

Homeoffice-Kultur im Logistikunternehmen.

„In naher Zukunft wird sich wohl ein Hybridmodell zwischen Präsenzarbeit im Büro und Remote Working etablieren“, so Sönke Kewitz, Geschäftsführer P3 Logistic Parks Deutschland, gegenüber LOGISTIK HEUTE. (Symbolbild: AdobeStock/ baranq)
„In naher Zukunft wird sich wohl ein Hybridmodell zwischen Präsenzarbeit im Büro und Remote Working etablieren“, so Sönke Kewitz, Geschäftsführer P3 Logistic Parks Deutschland, gegenüber LOGISTIK HEUTE. (Symbolbild: AdobeStock/ baranq)

P3 Logistic Parks zieht nach über einem Jahr Homeoffice eine Zwischenbilanz: digitales Arbeiten funktioniert. Doch Führungskräfte und Angestellte sollten die Herausforderungen der neuen Arbeitsweise nicht unterschätzen, so das Unternehmen. Das Fazit: Zahlreiche Videokonferenzen täglich, schlecht eingerichtete Arbeitsplätze oder fehlende persönliche Kontakte führen zu steigenden physischen und psychischen Belastungen. Arbeitgeber stehen dem Unternehmen zufolge in der Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen.

„Wuselige Büros, schneller Austausch, zufällige Gespräche, gemeinsames Muffin-Essen an Geburtstagen – das alles fühlt sich wie Erinnerungen aus einem früheren Leben an. Heute sehe ich meine Kollegen in postmarkengroßen Zoom-Kacheln, kenne ihre Bücherregale im Hintergrund bestens und habe viele neue Mitarbeiter nur virtuell kennengelernt“, erklärt Sönke Kewitz, Geschäftsführer P3 Logistic Parks Deutschland, gegenüber LOGISTIK HEUTE. „Trotzdem wertschätzen meine Kollegen und ich, als Geschäftsführer und Vater von drei Kindern, die mobile und flexiblere Arbeitskultur im Homeoffice. Mit den Kleinen Bauklötzchen stapeln – mit der Konstruktion von Logistikzentren kann man nicht früh genug beginnen – macht mehr Spaß, als Zeit allein im Stau auf der Autobahn zu verbringen.“

Trotz aller Vorzüge sollten die Schattenseiten der Telearbeit dem Geschäftsführer zufolge nicht aus dem Blick geraten: So vermissen über 70 Prozent der Arbeitnehmer das soziale Miteinander.  Im Januar 2021 bewerteten 40 Prozent der Erwerbspersonen ihre Situation als stark oder äußerst belastend, so eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Schnelltests für Burnouts oder Impfungen gegen das Gefühl der Anspannung und des Alleinseins gibt es schließlich nicht.

Meditation, Bewegung und Coaching gegen Zoom Fatigue

Videogespräche seien laut Hirnforschung kognitiv anstrengender als analoge Gespräche; um die vielen gebündelten Eindrücke aus einer Quelle zu verarbeiten, müsse das Gehirn mehr leisten. Die Belastung durch übermäßigen Gebrauch virtueller Kommunikationsplattformen ist laut P3 Logistic Parks mittlerweile als „Zoom Fatigue“ bekannt.

An dieser Stelle ein Tipp von Geschäftsführer Kewitz: „Die Reizflut können Sie per Knopfdruck reduzieren, wenn Sie ab und zu das Videofenster in die Taskleiste verschieben und auf einen angenehmen Desktophintergrund schauen. Die Qualität des Meetings leidet darunter nicht. Daneben nutzen immer mehr Menschen für manche Online-Besprechungen Spaziergänge im Park. Die Bewegung an der frischen Luft baut Stresshormone ab und entspannt das Gemüt.“

Besonders wichtig seien aber achtsame und kraftvolle Pausen zwischen den Meetings. Deshalb hat P3 Logistic Parks laut eignen Angaben kürzlich allen Mitarbeitern den Zugang zur „Headspace“-App gegeben. Meditation soll dem Unternehmen zufolge dabei helfen, sich seine Gefühle bewusst zu werden, ohne sie zu bewerten. So könne man Stress und Sorgen besser angehen. Die App habe aber noch mehr zu bieten: etwa kurze Stretch- und Yoga-Einheiten für zwischendurch.

Und das Angebot kommt laut Kewitz gut an: „Knapp ein Drittel unserer insgesamt 200 Mitarbeiter haben die App bereits installiert und nutzen sie regelmäßig. Darüber hinaus haben wir Anfang Mai einen Vertrag mit der europaweiten Therapie- und Coaching-Plattform ‚It’s Complicated‘ geschlossen, um jedem einzelnen Mitarbeiter bis zu fünf Sitzungen mit Therapeuten zu schenken. Wir möchten so jedem den Raum geben, mit professioneller Unterstützung und in aller Anonymität gegen mögliche psychische Belastungen zu handeln. Denn gerade im Homeoffice ist das Risiko für Einsamkeit, Stress und Überforderung hoch – Firmen müssen das ernst nehmen.“

Gemeinsam sind wir stark

Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und die Motivation hochzuhalten, hat P3 laut eigenen Angaben neben den üblichen, regelmäßigen Teambuilding-Events weitere Initiativen ins Leben gerufen. Denn das Unternehmen ist laut Geschäftsführer Kewitz im letzten Jahr stark gewachsen.

„Innerhalb eines Jahres haben wir allein in Deutschland das Team von 16 auf 33 Mitarbeiter mehr als verdoppelt. Zwar gelingt uns der Online-Onboarding-Prozess inzwischen sehr gut, doch den Neuankömmlingen von der Ferne ein Teamzugehörigkeitsgefühl zu vermitteln, ist eine echte Herausforderungen“, so Kewitz.

Wöchentliche Calls mit dem gesamten deutschen Team gewährleisten demzufolge den stetigen Informationsfluss und sollen das Gefühl unterstützen, dass alle für ein gemeinsames Ziel kämpfen. Um dies zu verstärken und eine zweckorientierte Kultur innerhalb des Unternehmens zu fördern, wurde laut Unternehmensangaben zudem die Purpose-Plattform „Alaya“ gelauncht, die das Engagement von Mitarbeitern durch sinnstiftende Aktivitäten fördern soll. Wie etwa durch Freiwilligenarbeit und Spenden an NGOs. Auch mit unterschiedlichen Challenges, die einzeln oder im Team zu meistern sind, etwa „eine Woche lang fleischlos essen“ oder „zwei Wochen lang die Treppe anstatt den Aufzug nutzen“, erhält jeder Mitarbeiter durch Alaya auf unterhaltsame Art und Weise die Möglichkeit, bei der Arbeit Gutes für die Welt und für sich selbst zu tun. Und das ist Kewitz zufolge wichtiger denn je.

„Die Beschäftigten sollten am besten auch außerhalb regelmäßiger Meetings miteinander sprechen. Manchmal reicht ein einfacher Anruf mit der Frage, wie es jemandem geht und was ihn oder sie bewegt. Dabei sollte aber niemand vergessen werden. So stehen in den Kontaktlisten unserer Chatprogramme diejenigen Personen ganz oben, mit denen wir am häufigsten kommunizieren“, erklärt Kewitz. „Es lohnt sich, einmal nach unten zu scrollen und Menschen, die Sie dort finden, auf einen Tele-Kaffee einzuladen.“

Hybrides Arbeiten ist die Zukunft

Die Coronakrise hat die Digitalisierung unserer Zusammenarbeit um mindestens 15 Jahre nach vorn gebracht, schätzt das Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Bei aller Begeisterung für die Digitalisierung stößt die neue Arbeitsweise laut P3 Logistic Parks jedoch an Grenzen. Der persönliche Austausch sei nicht ersetzbar; Körpersprache, Mimik, Gestik, den ganzen Menschen sehen – das geht nur, wenn man sich real gegenübersitzt, so das Logistikunternehmen. Auch kreative Tätigkeiten seien in Präsenzmeetings direkter, spontaner und erfolgreicher.

Doch es scheint, als wäre das Homeoffice gekommen, um zu bleiben. Je nach Umfrage wünschen sich 80 bis 90 Prozent der Arbeitnehmer auch nach der Pandemie mehr von zu Hause arbeiten zu können: „In naher Zukunft wird sich wohl ein Hybridmodell zwischen Präsenzarbeit im Büro und Remote Working etablieren. Umso wichtiger ist es, unkonventionelle Wege zu gehen, um die neuen Herausforderungen zu meistern und fehlenden Kollegenzusammenhalt sowie mögliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit und Motivation jedes Einzelnen zu vermeiden. Intelligent angewendet, könnte dies die Vorteile beider Welten verbinden und zu einem dauerhaft optimalen Work-Life-Balance beitragen“, resümiert Geschäftsführer Kewitz.

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