M&A-Studie: Logistik-Übernahmen 2020 trotz Coronakrise stabil

Laut einer Erhebung von PwC Deutschland erweisen sich manche Bereiche im Sektor Transport und Logistik als erstaunlich robust, andere sind hart getroffen.

2020 gab es laut PwC mehr Mergers & Aquisitions als 2018, jedoch etwas weniger als 2019. (Foto: Worawut / Fotolia)
2020 gab es laut PwC mehr Mergers & Aquisitions als 2018, jedoch etwas weniger als 2019. (Foto: Worawut / Fotolia)
Therese Meitinger

In der Analyse „Transport and logistics barometer“ hat das Beratungsunternehmen PwC Deutschland die aktuellen Entwicklungen, M&A-Deals, Joint Ventures und strategischen Allianzen in der Transport- und Logistikindustrie im Jahr 2020 untersucht. Laut der am 19. Januar veröffentlichten Erhebung hat die Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 tiefe Spuren in der globalen Transport- und Logistikbranche hinterlassen. Angesichts der enormen Herausforderungen zeigten sich dem Beratungsunternehmen zufolge einige Subsektoren wie das Frachtsegment dennoch robust. So legte die Dynamik bei den Fusionen und Übernahmen nach einem schwachen ersten Halbjahr in den letzten beiden Quartalen des abgelaufenen Jahres deutlich zu. Insgesamt wurden laut PwC zwischen Januar und Dezember 244 Deals angekündigt. Das seien zwar 17 weniger als im starken Vorjahr, doch trotz der Krise übertreffe die Anzahl der Mergers & Acquisitions (M&A) das Niveau von 2018.

Ingo Bauer, Leiter des Bereichs Transport & Logistik bei PwC Deutschland, erklärt:

„Die Pandemie hat die Subsektoren der Branche unterschiedlich hart getroffen. Das dynamische Dealgeschehen im vergangenen Jahr darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass zum Beispiel der Personenverkehr weiterhin unter Druck steht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Lichtblicke, so profitieren etwa Logistiker vom boomenden Onlinegeschäft.“

Optimistische Prognose für Güterverkehr und Logistik

Nachdem einige Lieferketten bedingt durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 zwischenzeitlich unterbrochen waren, zeigt sich für das Segment Güterverkehr und Logistik in der Studie ein gemischtes Bild. Ein Großteil der Logistiker habe es aus eigener Kraft geschafft, die Herausforderungen im operativen Geschäft zu bewältigen, so PwC.

 „Besonders Kurier-, Express- und Paketdienste profitieren in der Pandemie vom Onlinehandel und erleben einen echten Boom im Privatkunden-Geschäft. Konsumenten werden auch nach der Krise vermehrt den E-Commerce nutzen, das Wachstum wird anhalten, wenn auch nicht so stark wie in 2020“, sagt Ingo Bauer.

Das Volumen der Transport- und Logistik-Transaktionen brach der Erhebung zufolge 2020 deutlich ein, mit 84,3 Milliarden US-Dollar lag es 42 Prozent unter dem Vorjahr. Der durchschnittliche Sales Multiple, der das Verhältnis des Kaufpreises zum Unternehmensumsatz ausdrückt, ist 2020 mit 1,0 auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise gefallen. Dies sei allerdings auch durch die Berechnungsmethode bedingt, gibt PwC an: Die niedrigen Multiples von 2020 seien auf Basis der vergleichsweise starken Umsätze im Jahr 2019 berechnet worden.

Keine Insolvenzwelle erwartet

Nach einem herausfordernden Jahr 2020 sieht die Beratungsgesellschaft den Sektor Transport und Logistik vor einem harten Jahr 2021.

„Die Unternehmen müssen ihr Geschäft stabilisieren, ihre Digitalisierung weiter vorantreiben und sich weiterhin verändernden Rahmenbedingungen anpassen. Während sich Fracht und Logistik im Aufwärtstrend befinden, steht insbesondere der Personenverkehr unter Druck. Trotz Coronakrise gibt es derzeit jedoch – in der Gesamtbetrachtung der Branche – keine Anzeichen für großflächige Insolvenzen“, erklärt Dr. André Wortmann, Industry Coordinator Transport & Logistics Deals, PwC Europe.

Gelinge Europa eine effektive Impfkampagne gegen das Coronavirus, könne sich die Transport- und Logistikbranche schon 2021 deutlich erholen, so die Studienautoren. Die Bruttowertschöpfung im europäischen Güterverkehr könnte dann um 5,4 Prozent zulegen. Frühestens Ende 2022 wäre der Markt damit wieder so stark wie vor der Krise.

Die PwC-Studie kombiniert aktuelle Daten von Refinitiv und S&P Global Capital IQ zu den globalen Mergers & Acquisitions, Joint Ventures und strategischen Allianzen mit eigenen (Szenario-)Analysen.

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