Luftverkehr: Verkehrsaufkommen „drastisch eingebrochen“

DFS Deutsche Flugsicherung GmbH reagiert auf massiven Verkehrsrückgang wegen Coronakrise.

(Foto: Gudellaphoto/Fotolia)
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Matthias Pieringer

Das Verkehrsaufkommen im deutschen Luftraum ist aufgrund der Coronakrise im ersten Quartal 2020 „drastisch eingebrochen“, wie die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH am 2. April in Langen mitteilte. So wurden am 31. März im deutschen Luftraum nur noch 1.341 Flüge kontrolliert – 84,7 Prozent weniger als am vergleichbaren Tag des Vorjahres.

„Einen solchen Einbruch hat es noch nie in der Geschichte der DFS gegeben“, sagte Prof. Klaus-Dieter Scheurle, CEO der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH. „Während sich der Rückgang an Frachtflughäfen wie Leipzig oder Köln/Bonn noch in Grenzen hält, ist der Verkehr an anderen Flughäfen so gut wie zum Erliegen gekommen. Aufgrund der dramatisch gesunkenen Gebühreneinnahmen rechnet die DFS in diesem Jahr mit Mindereinnahmen von rund 500 Millionen Euro.“

Nach Möglichkeit ins Homeoffice

Die DFS hat nach eigenen Angaben umgehend Maßnahmen eingeleitet, um ihre Leistungsfähigkeit in der Krise sicherzustellen. Zum Schutz der Mitarbeiter wurde demnach die Zahl des operativen Personals in den Kontrollzentralen und Towern auf ein Minimum reduziert und die übrigen Aufgaben nach Möglichkeit ins Homeoffice verlagert. „Um dies zu ermöglichen, haben wir in kürzester Zeit die nötige IT-Infrastruktur geschaffen, um vielen hundert Mitarbeitern die Arbeit von zuhause aus zu ermöglichen. Damit haben wir einen technischen Entwicklungssprung gemacht, auf den ich stolz bin“, so Scheurle.

Corona-Tarifvertrag vereinbart

Mit ihrem Tarifpartner hat die DFS einen Corona-Tarifvertrag vereinbart, der den Aufbau von bis zu 300 Stunden Minderarbeit erlaubt. „Kurzarbeit oder gar betriebsbedingte Kündigungen sind bei uns kein Thema“, sagte Prof. Scheurle. „Mit dem Tarifvertrag schafft sich die DFS die notwendige Flexibilität, um bei einem Wiederanstieg des Verkehrs die notwendige Kapazität bereitstellen zu können.“ Zwar könne derzeit niemand prognostizieren, wie lange die Corona-Krise andauere. Zurückliegende Verkehrseinbrüche – von den Terroranschlägen des 11. September 2001 bis zur Finanzkrise 2008 – hätten jedoch gezeigt, dass sich der Luftverkehr sehr schnell wieder erholt habe, so Prof. Scheurle: „Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir möglicherweise schon in der zweiten Jahreshälfte 2020 einen deutlichen Aufwärtstrend sehen werden.“

DFS mit Umsatzwachstum 2019

Die DFS-Gruppe steigerte im Geschäftsjahr 2019 ihren Umsatz nach IFRS-Rechnungslegungsstandard um 0,3 Prozent auf 1,181 Milliarden Euro. (2018: 1,177 Milliarden Euro).

Verkehrsaufkommen 2019 im deutschen Luftraum gesunken

2019 ist das Verkehrsaufkommen im deutschen Luftraum laut DFS nach Jahren des Wachstums leicht zurückgegangen. Erstmals seit fünf Jahren sei aufgrund schwächerer Entwicklung der Weltwirtschaft kein Anstieg der Flugbewegungen im deutschen Luftraum verzeichnet worden. Nachdem sich die Verkehrszahlen von Januar bis Mai über den Werten der jeweiligen Vorjahresmonate bewegt hatten, zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte eine rückläufige Entwicklung: Unter dem Strich wurden DFS zufolge 3,334 Millionen Flüge im deutschen Luftraum nach Instrumentenflugregeln gezählt (2018: 3,346 Millionen), 0,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist ein bundeseigenes, privatrechtlich organisiertes Unternehmen mit rund 5.600 Mitarbeitern (Stand Jahresende 2019). Das Unternehmen betreibt Kontrollzentralen in Langen, Bremen, Karlsruhe und München sowie Tower an den 16 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland.

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