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Luftfracht: Platzprobleme am Airport Hongkong

Bau der dritten Startbahn verzögert sich weiter.
Flughafen Hongkong: Die Erweiterungspläne sehen links neben der bestehenden Start- und Landebahn einen dritten Runway vor. Foto: Jörgl
Flughafen Hongkong: Die Erweiterungspläne sehen links neben der bestehenden Start- und Landebahn einen dritten Runway vor. Foto: Jörgl
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Thilo Jörgl

Der Bau einer neuen Startbahn am weltgrößten Luftfrachtdrehkreuz Hongkong wird sich weiter hinausziehen. „Frühestens Ende 2016 kann damit begonnen werden, vielleicht auch später“, sagte Wilson Fung, Executive Director der Hongkonger Airport Authority, in einem Vor-Ort-Gespräch mit LOGISTIK HEUTE. Er rechnet damit, dass bereits 2016, spätestens aber 2017, die Kapazitäten am Chek-Lap-Kok-Airport ausgereizt sein werden. Grund für die Verzögerungen sind laut Fung sechs Anträge auf gerichtliche Entscheide. Zwei davon beträfen die Umwelt. Umweltschützer befürchten, dass durch die künstliche Landgewinnung von rund 650 Hektar für die Landebahn unter anderem der Lebensraum für chinesische weiße Delphine eingeschränkt wird.

Späte Planung

Luftfahrtexperten kritisieren, dass mit den ersten Plänen für den Ausbau des 1998 eröffneten Flughafens viel zu spät begonnen wurde. Das war 2004. Das rasante Wachstum ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass pro Stunde bis zu 86 Starts und Landungen gezählt werden. Rund 100 Airlines bedienen von Hongkong aus rund 180 Ziele in aller Welt. Die Statistik zeigt: 2014 wurden am Flughafen 4,4 Millionen Tonnen Fracht abgefertigt. Das Passagieraufkommen betrug rund 60 Millionen. Eine Studie geht davon aus, dass sowohl das Fracht- als auch das Passagieraufkommen massiv steigen werden. Die Studienmacher prognostizieren für das Jahr 2030 etwa neun Millionen Tonnen Fracht und mehr als 100 Millionen Passagiere.

Umfangreiches Projekt

Selbst wenn Ende 2016 mit dem Bau der dritten, 3,8 Kilometer langen Startbahn begonnen werden könnte, würden sich die Platzprobleme nicht schlagartig in Luft auflösen. Denn das umfangreiche Bauprojekt mit einem Gesamtinvestment von etwa 141 Millionen Hongkong-Dollar (knapp 17 Millionen Euro) würde mindestens acht Jahre dauern. Teil der Planungen sind auch die Erweiterung von Terminal 2, der Bau eines sogenannten Automated People Mover und einer Gepäckförderanlage. Auch ein kleiner Golfplatz sowie ein Shopping-Center stehen auf der Agenda. Auf dem fertigen Airport würden den Prognosen zufolge 2030 insgesamt 123.000 Menschen eine Beschäftigung finden.

Kein Platz für Erweiterung

Wie eng es derzeit auf dem Flughafen hergeht, schilderte Lars Winkelbauer, Luftfrachtexperte für den Raum Asien-Pazifik bei DHL Express, im November auf der Asian Logistics and Maritime Conference in Hongkong. In Spitzenzeiten ächzen Piloten unter der schwierigen Parksituation und ungünstigen Slots. Gerne würde der Logistikdienstleister sein 35.000 Quadratmeter großes Hub, das im Jahr 2000 von Manila nach Hongkong verlagert wurde, erweitern. „Aber dazu fehlt momentan der Platz“, so Winkelbauer. Außerdem sei die Suche nach Arbeitskräften „sehr schwierig“. Der gelbe Riese bietet von Honkong täglich vier Verbindungen nach Europa, vier in die USA und 14 für den Bereich Asien-Pazifik an. Eine Alternative ist für Winkelbauer derzeit der Flughafen im benachbarten Shenzhen. Fünfmal pro Woche brechen von dort bereits jetzt Flieger in Richtung USA auf, auch Verbindungen nach Europa sind geplant.

Liberale Gesetze

Die Airports in Taiwan, Shenzhen und anderen chinesischen Metropolen bekommen durch die Situation in Hongkong derzeit etwas Aufwind in Sachen Luftfracht. Wilson Fung rechnet aber weiterhin damit, dass das Wachstum in Hongkong darunter nicht stark leiden wird. Die sieben Millionen Einwohner zählende Metropole könne mit seiner Leistungsfähigkeit, der liberalen Gesetzgebung und der zentralen Lage in der Region weiter punkten – zum einen gegen die chinesischen Airports, aber auch gegen die Drehscheiben Singapur, Bangkok (Thailand), Incheon (Südkorea) sowie den aufstrebenden Airport in Dubai.

Fünf-Etagen-Terminal

Noch sieht auch Kelvin Ko, CEO von Cathay Pacific Services, die Lage nicht ganz so kritisch wie DHL-Express-Manager Winkelbauer. Das Terminal der in Hongkong beheimateten Airline wurde 2013 am Flughafen eröffnet und ist auf 2,6 Millionen Tonnen Fracht ausgelegt. 1,5 Millionen Tonnen fertigten die Asiaten 2014 in der 109.000 Quadratmeter großen Anlage auf fünf Etagen ab. An 170 Lkw-Rampen kann Luftfracht be- und entladen werden. Im sogenannten Transshipment werden Waren laut Ko binnen fünf Stunden durchgeschleust, bei exakter Planung sogar innerhalb von drei Stunden. Weil der Schnitt in Hongkong acht Stunden beträgt, glaubt Ko, dass die zum Teil mit Siemens-Technologie ausgestattete Anlage weiterhin „sehr wettbewerbsfähig“ sei. Gleichwohl sehnt sich auch Ko nach einer dritten Startbahn. Wie lange es dauert, bis diese genutzt werden kann, vermag er nicht zu prognostizieren.

Sperrung einer Bahn

Er weiß aber genauso wie DHL-Express-Manager Winkelbauer, dass mit der Fertigstellung der dritten Startbahn nicht sofort alle drei Runways zur Verfügung stehen. Denn für die komplette Umstrukturierung des Airports wird dann erstmals Bahn zwei für knapp zwei Jahre dichtgemacht.

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