Luftfracht: Frankfurt UAS erforscht Halal-Logistik

Eine Studie der Hochschule mit Lufthansa Cargo und Halal Control untersucht, wie eine Halal-Luftfracht-Lieferkette aussehen könnte.

Laut einer Studie sind Muslime bereit, mehr für Produkte zu zahlen, hinter denen Halal-Lieferketten stehen. (Foto: Chalabala / Fotolia)
Laut einer Studie sind Muslime bereit, mehr für Produkte zu zahlen, hinter denen Halal-Lieferketten stehen. (Foto: Chalabala / Fotolia)
Therese Meitinger

Prof. Dr. Yvonne Ziegler, Professorin für Luftverkehrsmanagement der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), hat in einer Studie „Halal-Logistik in der Luftfracht“ untersucht, so eine Pressemitteilung vom 27. April. Die Studie widmet sich demnach der Frage, wie hoch der Bedarf an Halal-Produkten, die per Luftfracht importiert und exportiert werden, unter den rund fünf Millionen Muslima und Muslimen in Deutschland ist und wie die Hauptanforderungen an eine Halal-Luftfracht-Lieferkette aussehen. „Halal“ bedeutet nach den Prinzipien der islamischen Normen zulässig. Um dem Standard zu genügen, müssen auch Herstellung und Lieferkette der Produkte – neben Lebensmitteln etwa auch Kosmetika und Pharmazeutika – halal sein. Die Studie ist der Mitteilung zufolge gemeinsam mit der Zertifizierungsorganisation Halal Control sowie Lufthansa Cargo entstanden.

„Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung für die Akzeptanz von Halal-Produkten beim Konsumenten. Der Verbraucherschutz und die Integrität in der Lieferkette sind daher ein Muss“, fasst Ziegler zusammen.

Muslime akzeptieren höhere Preise für Halal-Lieferketten

Die Studie untersuchte zudem, inwieweit die Kunden bereit sind, für den Halal-Transportweg höhere Kosten zu bezahlen, und führte dafür eine Umfrage unter 772 Muslima und Muslimen in Deutschland durch. Fast alle der Befragten halten es für „sehr wichtig“ (88 Prozent) oder „einigermaßen wichtig“ (9 Prozent), Produkte zu konsumieren, die den Halal-Richtlinien entsprechen. Diese Entscheidung wird von dem Großteil der Befragten aus religiösen Motiven getroffen. Ohne Berücksichtigung des Preises würden sich 94 Prozent der Befragten für Produkte mit dieser Zertifizierung entscheiden. Mehr als die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer/-innen (59 Prozent) wäre auch bereit, für diesen Standard einen finanziellen Aufschlag zu bezahlen. Knapp ein Drittel der Befragten würde einen Aufpreis ausschließlich für frische Halal-Produkte in Betracht ziehen.

Die Bereitschaft, einen höheren Preis zu zahlen, ist dabei unabhängig von dem Einkommen der Befragten. Ungefähr 80 Prozent der teilnehmenden Muslima und Muslime wären bereit, für Halal-Produkte zwischen fünf Prozent und 20 Prozent mehr als für nicht Halal-Produkte auszugeben; für die übrigen 20 Prozent der Befragten wäre sogar ein Plus von mindestens 50 Prozent akzeptabel. Zu den besonders nachgefragten Produkten gehören laut den Ergebnissen der Umfrage Süßigkeiten, Aromen und Fleisch. Kaufentscheidend ist für die große Mehrheit der befragten Muslima und Muslime die Zertifizierung der Produkte als halal von einer offiziellen Stelle.

„Interessanterweise vertraut der durchschnittliche Kunde einem Halal-Zertifikat, das von einem deutschen Institut ausgestellt wurde, mehr als einem Halal-Zertifikat aus dem Ursprungsland des Produkts“, fasst Ziegler eine Erkenntnis aus der Studie zusammen.

Für 78 Prozent der Befragten ist nicht nur die Zertifizierung des Produkts selbst wichtig, sondern auch die Gewissheit, dass die gesamte Lieferkette mit den Halal-Standards vereinbar ist.

Luftfracht mit großem Potenzial

Das Forschungsprojekt hat sich zudem auf die Fahnen geschrieben, das Marktpotenzial für den weltweit noch unerforschten Bereich der Halal-Logistik in der Luftfracht zu analysieren, insbesondere am Flughafen Frankfurt. Sie ermittelte der Frankfurt UAS zufolge, welches Potenzial der Flughafen Frankfurt zum Hub für Halal-Produkte in Europa hat und welche Voraussetzungen hierfür geschaffen werden müssen. Deutschland gehört weltweit zu den fünf größten Fleischexporteuren in islamische Länder, im Jahr 2015 wurden knapp 40.000 Tonnen Fleisch und Innereien via Luftfracht mit einem Wert von mehr als drei Milliarden Euro in die zehn größten muslimischen Länder exportiert. Um die Bedürfnisse der importierenden und exportierenden Unternehmen in Deutschland zu untersuchen, wurden 20 von ihnen für das Forschungsprojekt befragt. Eine der Erkenntnisse aus der Studie ist, dass für eine Lieferkette nach Halal-Standard sämtliches Equipment und sämtliche Geräte auf dem Transportweg exklusiv für Halal-Produkte verwendet werden sollten.

Um die Halal-Produktintegrität nach den geltenden Halal-Normen über die gesamte Transportkette hinweg zu sichern, wurde bereits im Jahr 2010 ein internationaler Halal-Logistikstandard eingeführt, der bisher aber nur vereinzelt umgesetzt wird, etwa in Malaysia oder bei dem weltweit ersten Halal-Luftfracht-Spediteur in Japan.

Auch einzelne Häfen in Europa sind bereits zertifiziert, doch in der Luftfracht sieht Mahmoud Tatari, Geschäftsführer des Projektpartners Halal Control, großes Potenzial:

„Verderbliche und wertvolle Lebensmittel müssen weiterhin per Luftfracht transportiert werden und dadurch könnten interessante Geschäftschancen für Flughäfen und Airlines entstehen, die Interesse haben, ihre Fertigkeiten auf Halal-Logistik auszuweiten.“

Wenn Halal-Vorschriften in der gesamten Lieferkette gelten sollen, bedeutet das, dass auch die Luftfracht-Logistik in Deutschland entsprechend neue Prozesse definieren und einführen müsste. Nur dann kann sie den internationalen Halal-Standards genügen, die eine Gewährleistung des halal-konformen Handlings bezüglich der Produkt-Verpackung, -Lagerung und des -Transports einfordern.

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