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Luftfracht: Flughafen München schöpft sein Potenzial nicht aus

Offensivere Cargo-Entwicklung könne ein Zusatzwachstum von 40 Prozent generieren.
Laut einer aktuellen Studie der IHK München und Oberbayern schöpft der Flughafen München sein Potenzial im Frachtbereich nicht aus. (Foto: Maria/Fotolia)
Laut einer aktuellen Studie der IHK München und Oberbayern schöpft der Flughafen München sein Potenzial im Frachtbereich nicht aus. (Foto: Maria/Fotolia)
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Sandra Lehmann

Die Luftfrachtkapazität am Münchner Flughafen soll bis 2030 auf ein geflogenes Cargo-Aufkommen von mehr als 500.000 Tonnen ansteigen. Zusammen mit dem Frachtaufkommen im Zubringerverkehr des Flughafens sei so ein Volumen von rund einer Million Tonnen Fracht möglich, was einem Wachstum von rund 50 Prozent entspreche. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Luftfracht am Flughafen München. Bedeutung und Potenzial für die Wirtschaft Bayerns“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern, die am 29. November erschienen ist. Darin analysieren die Autoren das Frachtaufkommen und die Wirtschaftskraft des Münchner Flughafens sowie dessen Steigerungspotenziale im Bereich Luftfracht für die kommenden Jahre.

Aufträge gehen an andere

Trotz einer regional günstigen Lage im wirtschaftsstarken Einzugsgebiet München und Oberbayern, kann der Flughafen München der Studie zufolge sein Potenzial im Bereich Cargo nicht voll ausschöpfen. Selbst aus dem Nahbereich flößen erhebliche Luftfrachtmengen an andere Standorte ab. Auch außerhalb Oberbayerns und unmittelbar angrenzender Gebiete werde nur ein kleiner Marktanteil erreicht.

Keine Frachtfluggesellschaft

Wie die IHK berichtet, liegen die Gründe dafür sowohl in der Infrastruktur und Aufstellung des Flughafens selbst als auch in der verkehrspolitischen Gesamtlage. So seien zum einen die Rahmenbedingungen am Flughafen München weniger günstig als an anderen Standorten wie etwa Frankfurt am Main. Den Autoren zufolge fehlt es insbesondere an einer flughafenansässigen spezialisierten Luftfrachtgesellschaft sowie regelmäßigen Verbindungen mit Cargo-Flugzeugen anderer Fluggesellschaften. Darüber hinaus gäbe eine zu geringe Koordination zwischen der verladenden Wirtschaft untereinander sowie mit dem Spediteurs- und Güterkraftgewerbe.

Kapazitätsengpässe hemmen

Zudem bleibe der Standort München unter dem erwarteten Marktwachstum im Bereich Cargo, da sich unter anderem Kapazitätsengpässe, die die Entwicklung des interkontinentalen Passagierverkehrs in München hemmen, negativ auf die Beifrachtkapazitäten auswirken.

Progressivere Entwicklung gefordert

Mit einer offensiveren Frachtentwicklung unter Berücksichtigung von Kapazitätssteigerungen im Start- und Landebahnsystem ließe sich das Cargo-Aufkommen erheblich steigern, so die IHK München und Oberbayern. Der Industrie- und Handelskammer zufolge sei ein zusätzliches Wachstum von rund 250.000 Tonnen Fracht möglich. Das entspräche einer Steigerung, die 40 Prozent über dem genannten Status-Quo-Szenario liege.

Um dieses Ziel zu erreichen gibt die IHK München und Oberbayern in der Studie verschiedene Handlungsempfehlungen an die Hand, die sich an Wirtschaft, Politik sowie die Betreiber des Flughafens München richten:

  • Für die Verflechtungen der deutschen Volkswirtschaft mit der Weltwirtschaft ist der Luftfrachtverkehr von zentraler Bedeutung. Daraus folgt, dass bestehende regulatorische und administrative Hemmnisse für die Luftfahrt soweit möglich abgebaut werden müssen.
  • Die von Teilen der Öffentlichkeit geforderte Ausdehnung des Nachtflugverbots auf den Zeitraum 22 bis 6 Uhr wäre fatal für die deutsche Luftverkehrswirtschaft und für die Export- und Importwirtschaft, weil gerade die spätabendliche Versendung von Gütern von großer Bedeutung ist. Nachtflugregelungen sollten wie im europäischen Ausland flexibler gehandhabt werden, durch Lärmkontingente anstatt durch absolute Verbote.
  • Staat und Politik dürfen sich bezüglich des Luftverkehrs im Allgemeinen und des Luftfrachtverkehrs im Besonderen nicht nur als Genehmigungs- und Regulierungsinstanzen verstehen, sondern müssen die Infrastrukturplanung der Flughäfen aktiv fördern.
  • Das Platzieren regelmäßiger Frachter-Verbindungen von und nach München muss nicht finanziell gefördert werden, kann aber durch koordinierten Einsatz erleichtert werden, wenn etwa Zusagen von Frachtmengen gegeben und solche Zusagen gesammelt werden. Verlader wie Spediteure, am besten gemeinsam, können durchaus die „Flughafenwahl” zugunsten von München beeinflussen.
  • Der Luftfrachtverkehr am Flughafen München ist, wie dargestellt, durchaus ausbaufähig. Grundsätzlich sind das Flughafen-Layout und Design der Frachtanlagen moderner als an anderen Standorten. Doch die Anlagen sollten weiterentwickelt werden, etwa die Beseitigung von Engpässen bei der Hallenkapazität, Ergänzungen beim Equipment, Zulaufsteuerungen auf der Landseite
  • Generell sollte der Stellenwert der Luftfracht bei der strategischen Planung des Unternehmens erhöht werden.
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