Luftfracht: evoBOT besteht Praxistest am Flughafen München

Der von Fraunhofer IML entwickelte dynamisch stabile Transportroboter eignet sich unter anderem für das Handling von Gefahrgütern oder Pakettransporte für längere wiederkehrende Strecken.

Der evoBOT kann eine Maximalgeschwindigkeit von bis zu 60 km/h erreichen und eine Traglast von bis zu 100 Kilogramm transportieren. (Bild: Fraunhofer IML)
Der evoBOT kann eine Maximalgeschwindigkeit von bis zu 60 km/h erreichen und eine Traglast von bis zu 100 Kilogramm transportieren. (Bild: Fraunhofer IML)
Therese Meitinger

Erster Einsatz für den am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML entwickelten „evoBOT“: Der stets im Gleichgewicht bleibende Roboter auf zwei Rädern mit Greifarmen meisterte einen Praxistest im Frachtterminal und auf dem Vorfeld des Flughafens München, wie eine Pressemitteilung vom 13. Juni berichtet.

Die Luftfracht vollzieht momentan einen tiefgreifenden Wandel: Trotz Fachkräftemangel müssen hohe Durchsatzraten bewältigt werden, während die Digitalisierung immer schneller voranschreitet. Der „evoBOT“ adressiert laut dem Fraunhofer IML diese Herausforderung. Der autonome Roboter habe während der ersten Testfahrten bei Cargogate am Münchner Flughafen seine vielseitige Einsetzbarkeit bewiesen, heißt es.

„Die Entwicklung und der Ausbau des Bereichs Cargo und Logistik sind wesentliche Bestandteile unserer Unternehmensstrategie. Wir begrüßen jede Initiative, Abfertigungsprozesse zu optimieren und zu digitalisieren. Der evoBOT wird die tägliche Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen im Frachtbereich erleichtern und den Arbeitsplatz attraktiver machen“, erklärt Jost Lammers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH.

„Unser evoBOT ist der Beginn einer neuen Population autonomer Fahrzeuge und Roboter. Mit seinen Armen und seiner Fortbewegung auf zwei Rädern weist er in die humanoide Zukunft der Robotik. Der nun erfolgte Praxistest am Flughafen München untermauert eindrucksvoll das Potenzial dieser Entwicklung“, betont Prof. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML.

Der evoBOT könne in vielfältigen Einsatzbereichen zu einem echten Kollegen für die Belegschaft werden, so ten Hompel weiter.

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Wendiger und belastbarer Transportroboter

Der vom Fraunhofer IML entwickelte dynamisch stabile Transportroboter zeichnet sich nach Angaben des Instituts besonders durch seine Arme und die damit ermöglichte adaptive Lastenaufnahme aus. Er kann demnach vielfältige Aufgaben übernehmen wie das Handling von Gefahrgütern, Pakettransporte für längere wiederkehrende Strecken, Entlastung der Mitarbeiter bei Hebe- und Überkopfarbeiten, Materialbeschaffung oder auch Unterstützung bei Be- und Entladung von Flugzeugen. Trotz dieser Belastbarkeit sei der evoBOT auf seinen zwei Rädern enorm wendig, so das Fraunhofer IML. Er kann demnach eine Maximalgeschwindigkeit von bis zu 60 km/h erreichen und eine Traglast von bis zu 100 Kilogramm transportieren. Dabei kann er entweder allein oder im Schwarm agieren. Durch sein stabiles Fahrverhalten ist der Betrieb des evoBOT in verschiedenen Bereichen sowohl indoor als auch outdoor möglich. Auch sein geringer CO2-Fußabdruck trage zum vielfältigen Einsatz bei, heißt es.

„Vor dem Hintergrund steigender Luftfrachtzahlen und den Herausforderungen bei der Mitarbeiterakquise freuen wir uns sehr, mit dem Fraunhofer IML einen Blick in die Zukunft werfen zu können. In die nahe Zukunft“, ergänzt Claudia Weidenbusch, Geschäftsführerin der Cargogate Munich Airport GmbH.

Das Digitale Testfeld Air Cargo (DTAC), in dessen Rahmen der aktuelle Test durchgeführt wurde, sowie die initiale Entwicklung des evoBOT sind Förderprogramme des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV). Zum DTAC-Projektkonsortium gehören neben der Cargogate Munich Airport GmbH und dem Fraunhofer IML neun weitere Partner aus Forschung und Industrie: CHI Deutschland Cargo Handling GmbH, Flughafen Köln/Bonn GmbH, Frankfurt University of Applied Sciences, Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide, Lufthansa Cargo AG, LUG Aircargo Handling GmbH, Mitteldeutsche Flughafen AG, Schenker Deutschland AG und Sovereign Speed GmbH.