Logistikstudie: Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit für die „Triple Transformation“

Laut einer BVL-Studie haben Experten in Logistik und SCM die Bedeutung und Wechselwirkungen der Triple Transformation erkannt, die praktische Umsetzung bleibt jedoch aus.

Triple Transformation in Logistik und SCM: Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit stehen einer BVL-Studie zufolge im Fokus. (Foto: Denchik, Eduardo, Weissblick/AdobeStock; Collage: Bartl)
Triple Transformation in Logistik und SCM: Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit stehen einer BVL-Studie zufolge im Fokus. (Foto: Denchik, Eduardo, Weissblick/AdobeStock; Collage: Bartl)
Matthias Pieringer

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) hat vor Kurzem auf dem Deutschen Logistik-Kongress 2023 in Berlin in Kooperation mit dem Institut für Logistik und Unternehmensführung der TU Hamburg sowie der KPS AG, Infront Consulting & Management GmbH und SRH Hamm die Studie „Triple Transformation: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz als Leitlinien zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten“ vorgestellt. Der Logistikbereich beschäftigt sich im Jahr 2023 demnach vor allem mit der Entwicklung von Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit. Zentrale Herausforderungen sind die drei Toptrends Cybersicherheit, die Digitalisierung der Geschäftsprozesse und der Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Laut der vorgelagerten Befragung von 251 Logistik- und Supply-Chain-Management-Verantwortlichen weisen die Trends auf einen ganzheitlichen Wandel in Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit hin – die sogenannte Triple Transformation. Die Befragten priorisieren dabei wie folgt: Digitalisierung (77,7 Prozent), Resilienz (66,5 Prozent), Nachhaltigkeit (60,2 Prozent). Keiner der Befragten kann in allen drei Säulen einen sehr hohen Umsetzungsgrad vorweisen. 

„Unternehmen sehen sich bei der Transformation hin zu einer digitalen, resilienten und nachhaltigen Lieferkette konstant mit Herausforderungen wie dem Mangel an qualifiziertem Personal und hohem Kostendruck konfrontiert. Diese Branchentrends stehen in stetiger Wechselwirkung zueinander. Die Digitalisierung kann helfen, den daraus resultierenden Zielkonflikt zwischen der Kosteneffizienz und der Resilienz aufzulösen. Sie bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Transformation“, so Tobias Götz, Managing Partner und Supply-Chain-Spezialist bei KPS. „Experten der Branche haben laut BVL-Studie die Bedeutung und Wechselwirkungen der Triple Transformation erkannt, die praktische Umsetzung bleibt jedoch aus.“

Die drei Säulen Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit im Detail:

  • 1. Digitalisierung

Ein Großteil der befragten Unternehmen (86 Prozent) sieht der Studie zufolge in der digitalen Transformation eine (sehr) hohe Chance und befindet sich entsprechend mitten im Umsetzungsprozess. Im Fokus stehen hier die Automatisierung bestehender Prozesse und Systeme sowie das Datenmanagement, mit dem Ziel die Kosten zu reduzieren, die Erlöse zu steigern und Transparenz zu schaffen.

Knapp die Hälfte setzt außerdem auf die Transformation hin zu einem digitalen Geschäftsmodell. Rund drei Viertel erweitern ihr Angebot um digitale Dienstleistungen. Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gibt es eine Fokussierung auf vorbereitende Maßnahmen, darunter die Strategieentwicklung und das Erstellen von digitalen Zwillingen für das Datenmanagement. Predictive Maintenance und Analytics sowie Machine-Learning-Algorithmen sind der Analyse zufolge auch in Logistik und Supply Chain Management auf dem Vormarsch. 

  • 2. Resilienz

Nur 16,3 Prozent der Befragten berichten von einem gemeinsamen Verständnis für Resilienz im eigenen Unternehmen. Das Resultat: Vorbehalte bei der Zusammenarbeit, Unwissen über effektive Maßnahmen sowie fehlende Ressourcen. Jedes zweite Unternehmen setzt laut Studie derzeit nur auf einzelne Maßnahmen zur Förderung der Resilienz, hat diese jedoch nicht strategisch verankert. Großunternehmen haben aufgrund größerer Ressourcen hier die Nase vorn. Jedes dritte Unternehmen setzt bereits auf eine strukturierte Vorgehensweise um Resilienz zu schaffen. Der zentrale Fokus richtet sich dabei auf die Einhaltung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes sowie die Flexibilisierung der Beschaffung.

  • 3. Nachhaltigkeit

Die Priorisierung des Themas Nachhaltigkeit ist seit 2020 den Studienergebnissen zufolge nur minimal gestiegen – sowohl bezüglich ihrer Relevanz als auch Umsetzung. Gründe dafür sind laut der Erhebung unter anderem ein Mangel an Zahlungsbereitschaft der Endkunden, fehlende personelle und finanzielle Ressourcen und die gering wahrgenommene Möglichkeit zur Einflussnahme – besonders Logistik-Verantwortliche aus Handel und Dienstleistung stimmen dem zu. Zwar sehen viele Befragte eine (sehr) hohe Verantwortung bei allen Beteiligten, die Logistik nachhaltiger zu gestalten, bei der Frage der konkreten Zuständigkeit der einzelnen Akteure herrscht jedoch Uneinigkeit. Verlader und Logistikdienstleister schreiben der Politik beziehungsweise dem jeweils anderen die größte Verantwortung zu.

Trotz dieser Herausforderung sehen zwei Drittel der Befragten Nachhaltigkeit auch als Wettbewerbschance, im produzierenden Gewerbe sind es sogar rund drei Viertel, und haben sich konkrete Ziele zur Reduktion der CO2-Emissionen gesetzt. Der Fokus liegt dabei auf ökologischen Komponenten wie alternativen Antrieben und Transportmodi (36,5 Prozent), der Optimierung der Fahrtenauslastung (61,8 Prozent) und der Umrüstung des Unternehmensgeländes (66,9 Prozent).

Zur Studie

Die Studienreihe „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management“ der BVL liefert Entscheidern seit 1988 Erkenntnisse im Hinblick auf Herausforderungen und Handlungsoptionen. Die aktuelle Studie „Triple Transformation: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz als Leitlinien zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten“ basiert auf einer Befragung von 251 Logistik- und Supply-Chain-Management-Verantwortlichen aus dem deutschen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein). Die Daten wurden durch das Institut für Logistik und Unternehmensführung der Technischen Universität Hamburg von Mitte Juni bis Mitte Juli 2023 erhoben. Weitere Studienpartner sind die KPS AG, Infront Consulting & Management GmbH und die SRH Hamm. Die vollständige Studie erscheint Anfang 2024.