Logistikindikator: Geschäftslage zeigt sich stabil

Dennoch erwarten Dienstleister, Händler und Industrieunternehmen gleichermaßen für 2023 eine Verschlechterung des Geschäftsklimas.

Das Geschäftsklima in der Logistik zeigt sich im vierten Quartal 2022 stabil wie eine Erhebung des Ifo Instituts zeigt. Dennoch blicken Dienstleister und Unternehmen mit Sorge auf die kommenden Monate. (Symbolbild: Alphaspirit/Fotolia)
Das Geschäftsklima in der Logistik zeigt sich im vierten Quartal 2022 stabil wie eine Erhebung des Ifo Instituts zeigt. Dennoch blicken Dienstleister und Unternehmen mit Sorge auf die kommenden Monate. (Symbolbild: Alphaspirit/Fotolia)
Sandra Lehmann

In der deutschen Logistikwirtschaft verbesserte sich das Geschäftsklima im Vergleich zum Vorquartal geringfügig und verzeichnete im vierten Quartal 87,3 Indexpunkte. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das Ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt.

Nach wie vor sorgenvoller Blick in die Zukunft

Auch wenn etwas weniger Befragte mit Geschäftsrückgängen in den kommenden sechs Monaten rechnen, sind laut dem Ifo Institut noch vielerorts sorgenvolle Stimmen zu vernehmen. Gleichwohl nahm die Zufriedenheit mit der derzeitigen Geschäftslage erneut geringfügig ab. Die Logistikdienstleister beurteilten ihre laufenden Geschäfte zum zweiten Mal in Folge ein Stück seltener positiv. Zudem waren etwas mehr pessimistische Stimmen über die Geschäftsaussichten vernehmbar. Als Resultat kühlte das Geschäftsklima weiter ab und notierte bei 86,9 Indexpunkten. Die Nachfragedynamik sei deutlich zurückgegangen, weshalb auch die Auftragsbestände häufig als zu niedrig eingestuft wurden. Des Weiteren erwarteten viele Befragte für die kommenden Monate eine rückläufige Nachfrage. Eine Anhebung der Preise in den kommenden Monaten wurde nicht mehr so häufig angepeilt wie zuletzt. Dennoch blieben die Preiserwartungen auf hohem Niveau.

Auch die Betriebe aus Handel und Industrie zeigten sich mit der aktuellen Geschäftssituation seltener zufrieden. Für die nahe Zukunft rechneten die Befragten sehr weitverbreitet mit Geschäftsrückgängen – dies jedoch weniger häufig als zuletzt. Der übergeordnete Klimaindikator konnte seinen Punktestand geringfügig gegenüber dem Vorquartal auf 87,0 Indexpunkte steigern. Damit präsentierte sich das Geschäftsklima weiterhin vielerorts ungünstig. Die Lagerbestände nahmen weiter zu und wurde nun sogar mancherorts als zu groß empfunden. Weiterhin plante eine Mehrheit der Unternehmen, weitere Preisanpassungen nach oben durchzuführen.

Erholung beim privaten Konsum

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte seit Jahresbeginn – preis-, saison- und kalenderbereinigt – kontinuierlich zu. Dies war vor allem auf eine kräftige Erholung beim privaten Konsum zurückzuführen, der vom Abflauen der Corona-Pandemie profitierten konnte. Zudem kamen positive Effekte aus der Automobilindustrie, die die Produktion und den Umsatz mit Kraftfahrzeugen seit dem Frühjahr spürbar ausweiten konnte. Einer kräftigeren gesamtwirtschaftlichen Erholung standen die belastenden Rahmenbedingungen wie der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Energieknappheit, die anhaltenden Lieferengpässe bei Vorprodukten und die hohen Preisanstiege auf der Erzeuger- und Verbraucherstufe entgegen. Die Inflationsrate erhöhte sich in den letzten Monaten weiter und ist seit Oktober mit über zehn Prozent so hoch wie zuletzt im Jahr 1951. Besonders stark stiegen die Preise für Nahrungsmittel und Energie. Aber auch nahezu alle übrigen Waren und Dienstleistungen inflationieren mittlerweile weit überdurchschnittlich.

Trotz der sich verschlechternden Geschäftsaussichten, schätzt die Mehrheit der Unternehmen die Lage auch für das vierte Quartal 2022 noch gut ein. Denn, obgleich die Inflationsrate stark gestiegen ist und bei vielen Haushalten die Anstiege bei den Strom- und Gaspreisen bereits spürbar werden, kam es bislang zu keinem Einbruch bei den Umsätzen in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen. Zu alledem dürften dem Ifo Institut zufolge auch die zahlreichen Entlastungspakete beitragen, mit denen die Bundesregierung die Einkommen der privaten Haushalte stützt und die Strom- und Gaspreisanstiege für Unternehmen und Haushalte begrenzen will. Wohl auch deshalb nahm in der aktuellen Ifo Konjunkturumfrage der Pessimismus im Hinblick auf die zukünftige Geschäftsentwicklung spürbar ab. Auch die allmählich nachlassenden Lieferengpässe dürften dazu ihren Beitrag geleistet haben. Im Verarbeitenden Gewerbe helfen zudem die nach wie vor sehr üppigen Auftragspolster. Insgesamt dürfte die hohe Inflationsrate im Winter dennoch zu spürbaren Kaufkraftverlusten führen. Daher werde die Wirtschaftsleistung in den kommenden Monaten als Folge des sich abschwächenden privaten Konsums wohl schrumpfen.

„Festtagsstimmung ist also im Wirtschaftsbereich Logistik nicht zu beobachten und Erwartungen sind bekanntlich noch keine realen Entwicklungen. Wie dem auch sei: ‚Hinterm Horizont geht’s weiter‘ gab der Panikrocker Udo Lindenberg schon vor vielen Jahren als Devise aus. Und so gesehen ist es gut, dass die pessimistischen Einschätzungen der vergangenen Quartale durch die aktuelle Geschäftslage bisher nicht bestätigt werden. Für die geschäftliche Jahresendrallye gilt also wieder einmal ‚durchhalten und weitermachen‘. Das wird wohl auch im neuen Jahr so sein“, kommentiert Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorstandsvorsitzender der BVL.