Logistikindikator: Geschäftslage verbessert sich leicht

Dennoch bleibt der skeptische Blick auf das kommende halbe Jahr, wie eine Erhebung des Ifo-Instituts zeigt.

In der Logistikwirtschaft deutet sich ein positiver Trend an: Handel, Industrie und Dienstleistung blicken zwar nach wie vor mit Sorge auf die kommenden Monate, aber sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen haben sich leicht verbessert. (Symbolbild: Buchachon/Fotolia)
In der Logistikwirtschaft deutet sich ein positiver Trend an: Handel, Industrie und Dienstleistung blicken zwar nach wie vor mit Sorge auf die kommenden Monate, aber sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen haben sich leicht verbessert. (Symbolbild: Buchachon/Fotolia)
Sandra Lehmann

In der deutschen Logistikwirtschaft verbesserte sich das Geschäftsklima im zweiten Quartal des Jahres im Vergleich zum ersten geringfügig. Der zugehörige Index stieg von 83 Punkten auf 85,6. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das Ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Auch die Geschäftslage wurde von den Teilnehmenden besser eingeschätzt als noch im Vorquartal. Nach wie vor zeigten sich die Teilnehmenden aber unzufrieden mit dieser. Der Erwartungsindikator legte merklich zu, der skeptische Blick auf das kommende halbe Jahr bleibt jedoch bestehen.

Das Geschäftsklima der Logistikdienstleister steigerte sich merklich, der Klimaindikator notierte auf einem Stand von 84,1 Indexpunkten, nach 80,7 im Vorquartal. Die Aufwärtsbewegung sei vor allem auf die weniger pessimistischen Geschäftserwartungen zurückzuführen – der Erwartungsindikator konnte deutlich zulegen. Zuletzt war der Indikator im ersten Quartal 2023 besser. Dennoch bleibe der Blick auf das kommende halbe Jahr sorgenvoll. Die Geschäftslage werde nach wie vor als ungünstig eingeschätzt, wenn auch seltener als zu Beginn des Jahres. Die Nachfrage war erneut rückläufig, dies aber deutlich weniger häufig als in den vergangenen Quartalen. Auch die Nachfrageerwartung für die kommenden Monate fiel dem Ifo-Institut zufolge wesentlich weniger schlecht aus. Die Auftragsbestände blieben hingegen weitverbreitet sinkend. Mit Stellenkürzungen wurde kaum noch geplant.

Geschäftserwartungen steigen in Handel und Industrie

Die Betriebe aus Handel und Industrie schätzten Ihre aktuelle Lage ähnlich ungünstig ein wie im Vorquartal. Die Geschäftserwartungen konnten sich hingegen merklich aufhellen. Weiterhin blickten die Teilnehmenden aber mit Bedenken auf das kommende halbe Jahr. In Summe besserte sich das Geschäftsklima, der Klimaindikator notierte bei dennoch weiterhin nicht zufrieden stellenden 87,3 Indexpunkten. Der Lagerbestand änderte sich dabei nicht, so das Ifo-Institut. Die Preise sollen erneut erhöht werden. Gleichzeitig wird mit Stellenabbau geplant.

Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich der Erhebung zufolge schrittweise aus der Krise heraus. Nachdem die Wirtschaftsleistung am Ende des vergangenen Jahres noch um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken ist, konnte sie in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 0,2 Prozent zulegen. Dazu habe vor allem das Baugewerbe beigetragen, das aufgrund der milden Witterung mehr als in dieser Jahreszeit üblich produzieren konnte. Aber auch das Verarbeitende Gewerbe, der Handel und einige Dienstleistungsbereiche konnten ihre Wertschöpfung geringfügig ausweiten. Einem stärkeren Anstieg stand allerdings die schlechte Auftragslage der Unternehmen entgegen. Bis zuletzt gaben die vom Ifo Institut befragten Unternehmen an, dass eine zu geringe Nachfrage nach ihren Gütern das größte Produktionshindernis darstellt.

Produktionskapazitäten nicht ausgelastet

Der private Konsum und die Unternehmensinvestitionen gingen zu Jahresbeginn entsprechend zurück. Nur die Auslandsnachfrage, die Wohnbauinvestitionen und die staatlichen Investitionen waren aufwärtsgerichtet. Insgesamt seien die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten immer noch spürbar unterausgelastet und lägen ausweislich der Ifo Konjunkturumfragen um knapp ein Prozent unter ihrem langjährigen Mittelwert.

Für den weiteren Verlauf des Jahres sind die Weichen dem Ifo-Institut zufolge tendenziell auf Erholung gestellt. Die Stimmung unter Verbrauchern und Unternehmen habe sich seit Jahresbeginn allmählich aufgehellt. Auch auf den deutschen Absatzmärkten habe sich das Klima verbessert. Damit dürfte die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen zurückkehren. Die Lohndynamik bleibt vorerst kräftig, und die Inflation werde im Sommer erstmals seit März 2021 unter die Zwei-Prozent- Marke sinken. Darauf deuten unter anderem die Ifo Preiserwartungen hin. Allerdings begrenzt die Unterauslastung derzeit eine Weitergabe durch die Unternehmen, so dass vor allem ihre Gewinne zurückgehen dürften. Auf die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank im Juni dürften in diesem Jahr noch zwei weitere Zinsschritte folgen. Die gesunkenen Zinsen, der stabile Arbeitsmarkt und die kräftigen Einkommenszuwächse werden auch der Bauwirtschaft allmählich wieder auf die Beine helfen, so das Ifo-Institut. Auch Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorstandsvorsitzender der BVL, kommentiert die aktuelle Quartalsauswertung positiv:

„Seit Anfang 2023 kannte der Logistik-Indikator nur eine Richtung. In jedem Quartal ging es weiter nach unten und sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen im Wirtschaftsbereich Logistik verschlechterten sich fortlaufend. Die Zahlen für das zweite Quartal 2024 zeigen nun endlich wieder ein positiveres Bild: Zwar liegen alle Indikatoren immer noch klar unter 90 und damit im negativen Bereich, doch haben sich Lage, Geschäftsklima und die Erwartungen gleichermaßen und signifikant verbessert.“