Logistikimmobilien: Neue Initiative möchte Energiepotenziale zeigen

Die neue Initiative Power of Logistics des BVL-Themenkreises Logistikimmobilien will Stakeholder aus der Logistik- und Logistikimmobilienbranche vereinen mit dem Ziel, die Logistik langfristig als Versorger von nachhaltiger Energie zu etablieren.

Die neue Initiative „Power of Logistics“ beschäftigt sich damit, wie die Logistik nicht nur den eigenen Strombedarf decken, sondern das Thema Energieautarkie auch für Kommunen und Gemeinden voranbringen kann. (Bild: Themenkreis Logistikimmobilien der BVL)
Die neue Initiative „Power of Logistics“ beschäftigt sich damit, wie die Logistik nicht nur den eigenen Strombedarf decken, sondern das Thema Energieautarkie auch für Kommunen und Gemeinden voranbringen kann. (Bild: Themenkreis Logistikimmobilien der BVL)
Matthias Pieringer

50 Millionen Quadratmeter Dachfläche – dies ist das Neubauvolumen, das laut einer Mitteilung des Themenkreises Logistikimmobilien der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) allein in den vergangenen zehn Jahren auf deutschen Logistikimmobilien entstanden ist. Rund 30 Millionen Quadratmeter hiervon eignen sich den Angaben zufolge dafür Photovoltaikanlagen zu installieren.

Die neue Initiative „Power of Logistics“ des Themenkreis Logistikimmobilien möchte zeigen, wie die Logistik nicht nur den eigenen Strombedarf decken kann, sondern durch ausgedehnte PV-Anlagen auf Lagerhallen, Windräder in Gewerbeparks, Blockheizkraftwerke und Wasser-Wärmepumpen das Thema Energieautarkie auch für Kommunen und Gemeinden voranbringen kann. Dies verkündete der Themenkreis Logistikimmobilien am 4. Oktober.

Kräfte bündeln für den Ausbau regenerativer Energien

Die Initiative will Logistik-Initiativen aus ganz Deutschland sowie Stakeholder aus der Logistik- und Logistikimmobilienbranche vereinen mit dem Ziel, die Logistik langfristig als Versorger von nachhaltiger Energie zu etablieren und gemeinsam das Thema Energiewende anzugehen. Im Fokus stehen dabei die Themen „Ausbau regenerativer Energien“ und „Nutzung von überschüssigen Kapazitäten aus der Logistik“.

Bis dato werde lediglich ein Bruchteil des möglichen nachhaltigen Energiepotenzials genutzt, hieß es. Allein auf den Dachflächen der Logistikneubauten von 2012 bis 2022 könnten bis zu 2,5 Terawattstunden Solarstrom erzeugt und in die öffentlichen Netze eingespeist werden. Dies entspreche dem jährlichen Strombedarf von etwa 800.000 Haushalten. Rund 960.000 Tonnen CO2 könnten laut dem Themenkreis Logistikimmobilien jährlich so eingespart werden. Dies sei in etwa die Menge, die 100.000 Hektar Mischwald jährlich binden könnten. Die rund 30 Millionen Quadratmeter (3.000 Hektar) Logistikimmobiliendachfläche seien in punkto CO2-Einsparung gleichzusetzen mit rund 100.000 Hektar Mischwald. 

„Wir haben insgesamt rund 400 Millionen Quadratmeter Dachfläche in Deutschland, deren Potenzial wir bestmöglich nutzen sollten“, so Kuno Neumeier, Sprecher des BVL-Themenkreis Logistikimmobilien und CEO der Logivest Gruppe. „Bis dato wird die Logistikbranche eher mit Verkehrschaos und Luftverschmutzung, denn mit grüner Energie gleichgesetzt. Es ist an der Zeit, ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken, denn gerade Kommunen und Gemeinden können von den Überkapazitäten profitieren.“

Statische Vorrüstung als Standard

„Die wichtigste Hürde für mehr Photovoltaik auf Logistikimmobilien ist bereits genommen. Denn noch 2012 war nur ein Bruchteil der damals neu geschaffenen Dachflächen allein aus statischen Gründen überhaupt für Photovoltaik geeignet. Heutzutage gehört die statische Vorrüstung jedoch zu den Standards der Logistikimmobilienentwickler“, sagte Tilo Nahrath, Sprecher der Initiative Power of Logistics und Geschäftsführer der RE.source Projects GmbH.

Die Herausforderungen liegen Nahrath zufolge in der ganzheitlichen Betrachtung. „Von der Netzanbindung über Engpässe bei Installateuren und Komponenten bis hin zu steuerlichen Auswirkungen auf Vermieter. Nicht zu vernachlässigen sind vor allem bürokratische Hürden, die wir glätten möchten. Die Initiative wird Handlungsanleitungen erarbeiten, mit denen die Logistikimmobilie ihren Beitrag zur Energiewende einfach umsetzen kann.“

Richard Schneider, ebenfalls Sprecher der Initiative „Power of Logistics“ und Geschäftsführer der Fabrikon GmbH, ergänzte: „Wir müssen die Immobilie in ihrer Gesamtheit betrachten. Mit einer optimierten technischen Gebäudeausstattung (TGA) in Kombination mit Photovoltaik und Wärmepumpen können wir die ESG-Vorgaben nicht nur erfüllen, sondern übertreffen. Im Lebenszyklus der Immobilie wird gerade im Betrieb ein Großteil der Energie verbraucht. Durch intelligente Messungen und Ansteuerung der Systeme schlummern hier noch große Potenziale zur Einsparung auf der Verbraucherseite. Wenn wir die Einspeisung erhöhen und den Verbrauch senken, können wir tatsächlich vom Energiekraftwerk Logistikhalle sprechen.“ Dies sei der Ansatz, den man mit „Power of Logistics“ verfolge.

Über den BVL-Themenkreis Logistikimmobilien

Der Themenkreis Logistikimmobilien der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. versteht sich als Plattform für den Austausch und für einen differenzierten Dialog der unterschiedlichen öffentlichen und privaten Stakeholder – wie Nutzer, Entwickler, Mietnutzer, Planungsbeauftragte und Makler.