Logistikimmobilien: Neu gebaute Fläche reduziert sich 2022 um 7,8 Prozent

Die Logistikneubaufläche hat sich laut Logivest 2022 um 400.000 Quadratmeter auf 5,1 Millionen Quadratmeter reduziert. Berücksichtigt wurden nur Objekte, deren Bau 2022 begann.

Die Logistikneubaufläche 2022 war um 400.000 Quadratmeter geringer als 2021. (Bild: AdobeStock, Sebastian)
Die Logistikneubaufläche 2022 war um 400.000 Quadratmeter geringer als 2021. (Bild: AdobeStock, Sebastian)
Gunnar Knüpffer

Die Logistikneubaufläche ist im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 400.000 Quadratmeter auf rund 5,1 Millionen Quadratmeter gesunken. Das ergab der Logistikimmobilien Seismograph des Beratungsunternehmens Logivest, dem eigene Researchdaten zugrunde liegen und über den Logivest am 18. Januar informiert hat. Bei der angegebenen Logistikneubaufläche lag der Baubeginn jeweils im Jahr 2022.

Bereits Mitte des Jahres 2022 zeichnete sich nach Einschätzung von Logivest ab, dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit einhergehende Inflation auch auf dem Logistikimmobilienmarkt ihre Spuren hinterlassen werden.

„Gerade in den gesättigten Märkten zeigen sich die wirtschaftlichen Unsicherheiten ab dem dritten Quartal 2022“, hat Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe, beobachtet. Wer es wirtschaftlich vertreten konnte, habe sein Projekt direkt auf 2023 verschoben. „In Anbetracht der Lage mit massiv gestiegenen Baukosten, einer sehr dynamischen Zinsentwicklung und niedrigen Verkaufsfaktoren können wir aber aus meiner Sicht immer noch von einem stabilen Markt sprechen“, sagt Neumeier.

Duisburg/Niederrhein ist dynamischste Logistikregion

Duisburg/Niederrhein, Leipzig/Halle und Berlin/Brandenburg – die höchsten drei Platzierungen aus 2022 halten keine größeren Überraschungen bereit. Mit beachtlichen rund 535.000 Quadratmetern liegt Duisburg/Niederrhein allerdings mit weitem Vorsprung an der Spitze der dynamischsten Logistikregionen Deutschlands, gefolgt von Leipzig/Halle. Die Top-1-Region aus dem Jahr 2020 kann nach einem leichten Abschwung 2021 nun mit rund 300.000 Quadratmetern den zweiten Platz belegen. Nur knapp dahinter mit circa 295.00 Quadratmetern liegt die Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg.

Während diese Märkte von Projektstarts im ersten und zweiten Quartal profitieren, ist die Region Rhein-Main das wohl prägnanteste Beispiel für die zuvor erwähnten Projektverschiebungen. 2021 mit rund 380.000 Quadratmetern auf Platz 1, verzeichnet die Region 2022 nur noch rund 95.000 Quadratmeter und belegt damit erstmalig Rang 17 von 24 Logistikregionen.

Region Dresden/Chemnitz landet auf 6. Platz

Für eine positive Überraschung sorgt hingegen laut dem Beratungsunternehmen die Region Koblenz. In den vergangenen Jahren stets im unteren Drittel angesiedelt katapultiert sich die Region 2022 auf Platz neun. Ausschlaggebend hierfür sind Projekte wie beispielsweise die rund 60.000 Quadratmeter große, bereits voll vermietete, Logistikimmobilie in Polch südwestlich von Koblenz, die von Lang & Cie entwickelt wird, sowie ein rund 55.000 Quadratmeter umfassendes Logistikzentrum, das die Dietz AG für Wacker Neuson nordwestlich von Koblenz in Mühlheim-Kärlich errichtet.

Aber auch die Region Dresden/Chemnitz, erst im vergangenen Jahr vom Fraunhofer-Institut als 24. Top-Logistikregion ausgezeichnet, gehört zu den Gewinnern des Jahres. Mit rund 225.000 Quadratmetern Neubaufläche belegt die Region im Osten der Republik den sechsten Platz und überzeugt nach Angaben von Logivest durch großvolumige Entwicklungen wie das rund 72.000 Quadratmeter umfassende Logistikzentrum Mittelsachsen, das der Projektentwickler Fuchs Immobilien im Auftrag der Invesco Ltd. in Hainichen errichtet, und die neue Logistikimmobilie mit rund 28.000 Quadratmetern, die VW in Meerane beziehen wird.

Eine weitere positive Entwicklung ist dem Logistikimmobilien Seismograph zufolge in puncto Nachhaltigkeit festzustellen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern in welchem Ausmaß energieeffizient gebaut wird. So zeichnen sich auch die größten Projektentwicklungen des Jahres durch ein hohes Maß an Nachhaltigkeit aus. Die mit rund 94.000 Quadratmetern größte Projektentwicklung 2022, welche sich aus zwei Hallen zusammensetzt, wird nach ESG-Standards auf einem Brownfieldgelände in Dettelbach in der Logistikregion Würzburg/Schweinfurt errichtet: Der Projektentwickler Panattoni entwickelt diesen Logistikpark für die Kunden S.Oliver sowie Dachser.

Im Rhein-Lippe-Hafen in Wesel baut Beos Logistics für den Logistikdienstleister Rhenus ein rund 85.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum, das neue Maßstäbe in puncto Energieversorgung bei Logistikimmobilien setzen soll. Ziel ist es, die Immobilie mittels Geothermie, Fotovoltaikanlagen und Wärmepumpen komplett unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen. Und auch die mit rund 82.000 Quadratmetern drittgrößte Entwicklung des vergangenen Jahres von Garbe Industrial Real Estate, ein Logistikpark in Bitterfeld-Wolfen, soll höchsten energetischen Anforderungen entsprechen. So erfolgt der Bau nach KfW40 Standard. Zur Gewinnung regenerativer Energie wird dabei auf der Dachfläche eine Fotovoltaikanlage installiert.

„Bereits seit ein paar Jahren nimmt das Thema Nachhaltigkeit einen immer stärkeren Stellenwert auf dem Logistikimmobilienmarkt ein“, berichtet Neumeier. 2022 ist laut dem Logistikimmobilienexperten jedoch ein regelrechter Wettstreit in puncto Energieeffizienz zu beobachten gewesen. „Natürlich geben die gestiegenen Energiepreise dem Thema eine neue Brisanz. Es ist jedoch auch festzustellen, dass Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Qualitätskriterium geworden ist“, ist sich Neumeier sicher. Für ihn liegt die Herausforderung 2023 vor allem darin, diese Dynamik auch unter den aktuellen Rahmenbedingungen fortzuführen. Neumeier: „Um weiterhin finanziell realisierbar zu sein, muss Nachhaltigkeit vor allem auch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit betrachtet werden.“