Logistikimmobilien: Nachhaltig designen und bauen

Dany Brodhag, Geschäftsführer bei GSE Deutschland, spricht über Trends bei Logistikimmobilien für 2024 und erläutert, wieso es für zukunftsfähige Gewerbeneubauprojekte auf die Nachhaltigkeit ankommt.

Dany Brodhag, Geschäftsführer bei GSE Deutschland: „Wer es ernst meint mit der Zukunft unseres Planeten, dem sind bei der bauseitigen Planung und Ausführung des Projekts keine Grenzen gesetzt.“ (Foto: GSE/ Wolfgang Helm)
Dany Brodhag, Geschäftsführer bei GSE Deutschland: „Wer es ernst meint mit der Zukunft unseres Planeten, dem sind bei der bauseitigen Planung und Ausführung des Projekts keine Grenzen gesetzt.“ (Foto: GSE/ Wolfgang Helm)
Matthias Pieringer

„Wer Logistikimmobilien baut, wird zum Weltverbesserer. Er nutzt Sonne und Wind zur Energiegewinnung. Entsorgt Altlasten, die im Boden schlummern. Errichtet Biotope. Produziert grünen Strom. Verwendet recyclingfähige Baustoffe. Schafft moderne Arbeitsplätze. Und wird so am Ende vom Bauingenieur zum ESG-Beauftragten“, sagt Dany Brodhag, Geschäftsführer beim Bauunternehmen GSE Deutschland.

War Nachhaltigkeit lange Zeit ein „Add-on“, das in der Bauphase – nicht selten aus Kostengründen – nachträglich herausverhandelt wurde, werden Logistikimmobilien heute dem Experten zufolge um Anforderungen herumgebaut, die mit verbindlichen Klimaschutzvorgaben und der gewachsenen Umwelt- und Sozialverantwortung von Unternehmen gesetzt sind. „Zeig´ mir deine CO2-Bilanz und ich sage dir, welche Renditeerwartung mit deinem Immobilienprojekt verbunden ist. Und welche Reputation dein Vorhaben im Kreis der Stakeholder und in der Medienöffentlichkeit genießt“, weiß Brodhag.

2024 wird es laut dem Experten kein zukunftsfähiges Gewerbeneubauprojekt in Europa geben, das nicht nachhaltig gedacht, geplant und realisiert werden wird. Das Prozessmodell der Bauwirtschaft in Zeiten der Klimawende lautet aus seiner Sicht: „design & build sustainable“. Unter diesen Vorzeichen arbeiten Brodhag zufolge Generalübernehmer nicht nur mit Architekten und Handwerkern zusammen, sondern darüber hinaus mit Bauphysikern, Botanikern, Landschaftsgärtnern und - Ökologen. Denn auch Biodiversität sei mittlerweile zu einem wichtigen Nachhaltigkeitsbaustein bei Logistikimmobilien geworden.

Jeden Stein umdrehen, der für ein Bauvorhaben benötigt wird

„Wer es ernst meint mit der Zukunft unseres Planeten, dem sind bei der bauseitigen Planung und Ausführung des Projekts keine Grenzen gesetzt. Sogar DGNB-Platin und BREEAM Excellent (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) lassen sich noch toppen, wenn die Immobilie zugleich die Zero-Carbon-Zertifizierung durch das International Living Future Institute (ILFI) besitzt“, sagt Brodhag.

„Tatsache ist: Wer in der Königsklasse nachhaltiger Logistikimmobilien aufsteigen will, muss jeden Stein umdrehen, der für die Realisierung eines Bauvorhabens benötigt wird. Bei der Vielzahl an Lieferanten, Baustoffen und unterschiedlichen Herstellungsverfahren eine Herkulesaufgabe. Wie energieeffizient soll das Gebäude werden? Welche Materialien werden verwendet? Wie hoch ist der Anteil des ‚Embodied Carbon‘, also der CO2-Emissionen, die in Baustoffen gebunden sind oder während des Baus entstehen?“

Die Bandbreite der Möglichkeiten bei der Realisierung nachhaltiger Logistikimmobilien ist Brodhag zufolge hoch. „So lässt sich beispielsweise CEM III A- und CEM III B-Zement mit recycelten Gesteinskörnungen als CO2-reduzierte Betonmischung für die Fundamente und Industrieböden verwenden. Bodenplatten, wie sie GSE bei der Errichtung von Logistikbauten verbaut, werden zukünftig ausschließlich aus Low Carbon Concrete (LCC) bestehen, in denen mindestens 30 Prozent weniger CO2 gebunden ist. Bewehrungen und Fassadenprofile können aus Stahl mit einem Recyclinganteil von über 80 Prozent gefertigt sein. Fenster lassen sich aus einem Holz-Aluminium-Verbundwerkstoff herstellen, Brandschutztüren aus Holz, die Feuer 120 Minuten Widerstand leisten (EI 120).“

Weiße Bitumenbahnen, grüner Asphalt

Die Möglichkeiten der bauseitigen und gebäudetechnischen Ausstattung sind aus Brodhags Sicht grenzenlos. „Weiße Bitumenbahnen, die Sonnenstrahlen reflektieren, Hybridwärmestrahler, die sich von Gas auf Wasserstoff umstellen lassen, intelligente Lichtsteuerung, PV-Anlage, grüner Asphalt: Um ESG-Kriterien am Bau zu erfüllen, stehen dem Kunden heute viele unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten offen.“

Darüber hinaus entscheide bereits das Gebäudekonzept darüber, wie nachhaltig gut eine Logistikimmobilie in die Landschaft passt, so Brodhag. „Mehrgeschossige Bauten versiegeln weniger Fläche und schaffen mehr Effizienz je Quadratmeter. Brownfieldprojekte nutzen vorhandene Infrastruktur. Standortentwicklungen, bei denen Industrie und Logistik zusammenrücken, verringern Lkw-Transporte.“

Doch wie werden CO2-Emissionen erfasst, überwacht und kommuniziert, die bei der Beschaffung und Konstruktion anfallen? Hier hilft dem Experten zufolge die Umweltproduktdeklaration (EPD) weiter. Mit dem nach ISO 14025 geprüften und von der EU anerkannten Verfahren lasse sich der Einfluss eines Bauprodukts auf die Umwelt ermitteln.

Building Information Modelling unverzichtbar

Unverzichtbar für die Planung und Realisierung komplexer, klimafreundlicher Bauprojekte ist laut dem GSE Deutschland-Geschäftsführer das Building Information Modelling (BIM). „Es ermöglicht nicht nur die integrierte, digital unterstützte Planung und Konstruktion. Mithilfe unterschiedlicher BIM-Dimensionen lässt sich beispielsweise der CO2-Fußabdruck analysieren und optimieren oder die lebenszyklusorientierte Klimabilanz der verwendeten Baustoffe ermitteln.

Weil Klimaschutz und die Einhaltung von ESG-Kriterien mit zum Teil hohen Investitionen verbunden seien, komme der Angebotsphase eine besondere Bedeutung zu. „Bei GSE haben wir zur Preisfindung ein Drei-Stufen-Modell entwickelt, das bauseitig unterschiedliche Technologien und Ausstattungskategorien berücksichtigt“, sagt Brodhag. „So lässt sich bereits im Vorfeld der Konzeption klären, worauf der Investor oder Projektentwickler Wert legt und welches Level an Nachhaltigkeit mit der Immobilie erreicht werden soll.“