Logistikimmobilien: Mit „Mach2“ auf vielfältige Weise Neuland betreten

Eine zweistöckige Logistikimmobilie als Konzept gegen den Flächenmangel – Oliver Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter bei Four Parx, erklärt im Interview, wie der Entwickler die Herausforderungen im Projekt „Mach2“ in Hamburg meistert.

Projekt Mach2 in Hamburg-Wilhelmsburg: Blick aus der Vogelperspektive auf die Bauarbeiten im Jahr 2021. (Foto: Four Parx)
Projekt Mach2 in Hamburg-Wilhelmsburg: Blick aus der Vogelperspektive auf die Bauarbeiten im Jahr 2021. (Foto: Four Parx)
Matthias Pieringer

Four Parx entwickelt in Hamburg-Wilhelmsburg mit „Mach 2“ derzeit eine doppelgeschossige Logistikimmobilie, die auch auf der zweiten Ebene gleichwertig genutzt und von Lkw mit bis zu 45 Tonnen Gesamtgewicht angefahren werden kann. Oliver Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter bei Four Parx, hat mit LOGISTIK HEUTE über die Herausforderungen im Projekt gesprochen.

LOGISTIK HEUTE: Herr Schmitt, wie wird zu Mitte September der Status quo des Projekts „Mach2“ sein?
Oliver Schmitt:
Trotz der zahlreichen Herausforderungen werden wir „Mach2“ als erste zweistöckige Gewerbe- und Logistikimmobilie im Raum Hamburg im März 2022 fertigstellen. Im September sowie im gesamten Herbst befinden wir uns deshalb in der letzten, heißen Phase des Projekts. Dies betrifft die Fertigstellung der Rampe sowie den Innenausbau, aber auch die Abnahmen durch die Sachverständigen und das Herrichten der Außenanlagen.

Welche Meilensteine wurden erreicht? Lässt sich schon Näheres sagen zu den größten Herausforderungen im Projekt und wie diese gemeistert wurden?
Mit der Entwicklung von „Mach2“ haben wir auf vielfältige Weise Neuland betreten, da es keinerlei Referenzprojekte im deutschsprachigen Raum gab. Neben dem aufwendigen Genehmigungsverfahren, umfangreichen Planungsprozessen und den Herausforderungen im Bereich der Statik und Brandschutz waren es vor allem die Bodenarbeiten, die ein besonderes Maß an Pioniergeist verlangten. Dies betraf zum einen den Umgang mit Kampfmittelfunden sowie die für die Hafennähe eigentümliche Bodenbeschaffenheit. Insgesamt wurden über 22 Verdachtspunkte auf Sprengsätze entdeckt, bei sechs davon handelte es sich um tatsächliche Bombenfunde im Umfang von 250 bis 500 Kilogramm. Dabei hatte jeder Kampfmittelfund eine Vollsperrung der Baustelle zur Folge, wodurch es zu Verzögerungen kam. Eine weitere Schwierigkeit bestand in der Wasserhaltung aufgrund von Schichtenwasser, die eine Sondergründung der Immobilie nötig machte. Diese besteht aus insgesamt rund 26.000 Säulen. Würde man diese alle nebeneinanderlegen, entspräche das einer Strecke von rund 260 Kilometern. 

Inwieweit könnte „Mach2“ künftig eine Vorbildfunktion am Markt erfüllen?
Hierfür gibt es eine Vielzahl an Faktoren. Zum einen ist da die Mehrstöckigkeit, die dringend benötigte Gewerbe- und Logistikflächen in herausragender Lage schafft. Zweitens zeigt Four Parx mit dem Konzept auf, wie eine immer komplexer werdende Logistik- und Gewerbeimmobilien-Entwicklung allem voran in den Metropolen und Ballungszentren gelingen kann. Denn trotz des weiter wachsenden Logistikimmobilienmarkts sind die Anforderungen an Entwickler gestiegen, die Notwendigkeit zur Realisierung innovativer und unkonventioneller Immobilienkonzepte steigt. Dies betrifft auch den Umgang mit den Kommunen und BürgerInnen. In Hamburg haben wir uns mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Immobilie bestmöglich in das Stadtbild integriert werden kann und dazu einen Architekten-Wettbewerb zur Gestaltung der Außenflächen ausgerufen.

Wird „Mach2“ eine Rolle in der Citylogistik spielen?
Das Konzept von „Mach2“ ist nicht vorrangig als Citylogistik-Lösung gedacht. Dafür steht bei Four Parx ein eigener Immobilien-Ansatz in Form von „City“ zur Verfügung, der sich platzsparend in das städtische Bild einfügt. Die Immobilie verfügt über 12.000 Quadratmeter Nutzfläche, die sich über sechs Stockwerke aufteilt. Im vergangenen Jahr haben wir eine Machbarkeitsstudie zur unterirdischen logistischen Ver- und Entsorgung der Innenstadt von Hamburg durchführen lassen. Im Rahmen dieses innovativen Konzepts wird ein Verteilzentrum in Stadtrandlage mit „City“ in der Innerstadt verbunden. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Lösung technisch durchführbar sowie wirtschaftlich betreibbar ist. Die Behörde für Wirtschaft und Innovation in Hamburg hat in einem Letter of Intent die Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Grundstücken für das Projekt bereits zugesagt.

Welche Bedeutung hat das Projekt im „Kampf“ gegen den Flächenmangel, insbesondere an einem Logistik-Hotspot wie Hamburg?
Zweistöckige Gewerbe- und Logistikimmobilien sind ein vielversprechendes Konzept, um Flächen zu schaffen und gleichzeitig die Flächenversieglung gering zu halten. Denn die Nachfrage nach Grundstücken in einer derartigen Lage wie am Hamburger Hafen ist nach wie vor hoch, die Flächen aber rar. Hier müssen Entwickler dringend Lösungen finden, innovative Ansätze gewinnen an Bedeutung. Ein weiterer Pluspunkt von „Mach2“ ist die Entwicklung auf einer Konversionsfläche. Hierdurch profitieren nicht nur zukünftige Mieter, sondern auch die Kommunen durch die Revitalisierung eines ungenutzten Brachgrundstücks.

Die Fragen stellte Matthias Pieringer.

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