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Logistikimmobilien: Für viele Projekte fehlen Flächen und Arbeitskräfte

Neue Logix-Studie zeigt eklatanten Mangel in fast allen Logistikregionen.
GVZ-Nürnberg im Jahr 2011: Damals gab es noch einige freie Flächen, heute sind Großansiedlungen in dieser Lage schwierig. Foto: Bayernhafen
GVZ-Nürnberg im Jahr 2011: Damals gab es noch einige freie Flächen, heute sind Großansiedlungen in dieser Lage schwierig. Foto: Bayernhafen
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Thilo Jörgl

Steigendes Transportaufkommen, wachsende Paketberge, Industrie 4.0-Boom: Obwohl die Nachfrage nach Logistikzentren hierzulande ungebrochen ist, können Entwickler solcher Anlagen die Wünsche ihrer Kunden immer schwerer erfüllen. Der Grund: Es fehlt in vielen Regionen an den nötigen Logistikflächen und Arbeitskräften. Diese beiden für eine Logistikansiedlung entscheidenden Faktoren haben erstmals zwei Experten untersucht und in einer von der Initiative Logistikimmobilien (Logix) initiierten Studie veröffentlicht. Vorgestellt wurde die Analyse am 9. Oktober auf der Fachmesse EXPO REAL in München. Die Ergebnisse bestätigen für die Logistikregionen Deutschlands den eklatanten Mangel in beiden Bereichen.

Viele Engpässe

Kernaufgabe der neuen Studie war es, die Unterschiede in den regionalen Flächen- und Arbeitskräftepotentialen für Logistikimmobilien zu analysieren. Die Basis der Untersuchung bildeten dabei die 23 Logistikregionen Deutschlands, die seit 2009 von Fraunhofer SCS identifiziert und veröffentlicht werden. Anhand von statistischen Kennzahlen und eigens durch die Autoren Dr. Alexander Nehm (Logivest Concept) und Uwe Veres-Homm (Fraunhofer SCS) erhobenen Daten wurden die Logistikregionen in neun Cluster eingestuft, die jeweils für eine unterschiedliche Situation im Bereich Flächen- und Arbeitskräfteverfügbarkeit stehen. Die Resultate zeigen laut Studienautor Veres-Homm deutlich, wie akut die Knappheit in beiden Bereichen bereits ausgeprägt ist: Keine einzige Logistikregion in Deutschland verfügt demnach gleichzeitig über hohe Flächen- und Arbeitskräftepotentiale. Somit stehen alle bedeutenden Logistikstandorte schon heute vor spürbaren Herausforderungen und weisen entsprechende Engpässe auf.

Nord-Süd-Gefälle

Zudem fällt Veres-Homm zufolge ein deutliches Nord-Süd-Gefälle in Bezug auf beide Angebotsfaktoren auf: In Baden-Württemberg und Bayern beziehungsweise den Regionen Donau, München, Nürnberg, Rhein-Neckar, Stuttgart und Schwaben sind bereits heute sowohl massive Probleme bei der Flächenverfügbarkeit als auch bei der Gewinnung von Arbeitskräften zu beobachten. Größere Flächen- und Arbeitskräftepotentiale ließen sich hingegen oberhalb des Mains, vor allem im Osten und Nordwesten der Republik ermitteln. So existieren in den Regionen Bremen, Erfurt und Leipzig/Halle in Bezug auf logistikaffine Gewerbeflächen noch die größten Potentiale. Hinsichtlich der Arbeitskräfteverfügbarkeit konnte in Berlin, der Region Niederrhein und im östlichen Ruhrgebiet noch eine relativ gute Situation für die Rekrutierung neuer Lagerfachkräfte abgeleitet werden. Zusammen mit der dort im Mittelfeld eingestuften Flächensituation können diese drei Regionen die insgesamt besten Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung vorweisen. Mit Hamburg und der Rhein-Main-Region wurden zwei der drei wichtigsten Logistikregionen Deutschlands in Sachen Flächenverfügbarkeit kritisch eingestuft, wenngleich das Arbeitskräftepotential hier im Vergleich zu den anderen Logistikregionen noch ausreichend erscheint. Hingegen zeigt die Region Erfurt aufgrund ihres in den letzten Jahren sehr dynamischen Ansiedlungsgeschehens einen akuten Engpass in puncto weiterer Lagerfachkräfte, verfügt aber auf der Flächenseite noch über ein relativ hohes Potential.

Alarmierendes Ergebnis

Dr. Malte-Maria Münchow, Sprecher der Logix Initiative, kommentierte die Ergebnisse so: „Die Studie ist im Ergebnis überraschend und alarmierend zugleich. Wie weit Logistikansiedlungen bereits heute von Flächen- und/oder Arbeitskräftemangel beeinträchtigt werden unterstreicht die Notwendigkeit, dass alle Beteiligten gemeinsam Lösungen entwickeln. Vor dem Hintergrund des weiterhin sehr hohen Bedarfs an neuen Logistikflächen sind vor allem Städte und Kommunen gefordert, neue Flächen auszuweisen und hierbei über den eigenen kommunalen oder regionalen Tellerrand hieraus zusammen zu arbeiten.“

Sieben Ratschläge

Die Studie schließt mit konkreten Lösungsansätzen für Städte und Kommunen ab. Ansiedlungsexperte Dr. Alexander Nehm empfiehlt aufgrund der Studienergebnisse folgende sieben Maßnahmen:

  • 1. Kommunen sollten interkommunal besser kooperieren.
  • 2. Behörden sollten übergreifend besser zusammenarbeiten.
  • 3. Es sollten Flächen speziell für Logistikansiedlungen ausgewiesen werden.
  • 4. Unternehmen sollten bei der Ansiedlung besser unterstützt werden.
  • 5. Es sollte Imagekampagnen pro Logistik geben.
  • 6. Junge Menschen sollten schon in der Schule und in der Ausbildung für das Thema Logistik sensibilisiert werden.
  • 7. Bisher ungenutzte Arbeitskräftepotenziale sollten gehoben werden.

Vortrag auf Konferenz

Die beiden Autoren der Analyse wollen die Ergebnisse in den kommenden Wochen auf verschiedenen Veranstaltungen vorstellen. Dr. Alexander Nehm wird beispielsweise einen einführenden Vortrag auf der Fachkonferenz „Logistikimmobilien – flexibel –smart –zentral“ in Augsburg halten. Die Konferenz von Management Forum Starnberg und LOGISTIK HEUTE findet am 6. und 7. November 2018 im LEW-Club der WWK-Arena statt. Nähere Infos und Anmeldung unter https://www.logistik-heute.de/Logistik-Veranstaltung/18608/Fachkonferen… Zusätzliche Detailergebnisse sowie Erläuterungen zur methodischen Vorgehensweise sind in der Studie beschrieben. Sie kann kostenlos unter https://www.logix-award.de heruntergeladen werden.

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