Logistikimmobilien: Flächenumsatz steigt um 13 Prozent im ersten Halbjahr 2022

Der Trend zum Re- und Nearshoring sowie verstärkte Vorratslagerung führen dazu, dass der Flächenumsatz auf dem deutschen Industrie- und Logistikimmobilienmarkt im ersten Halbjahr auf ein Rekordniveau angewachsen ist.

Die Giga-Factory von Tesla in Grünheide trug im ersten Quartal stark dazu bei, dass sich der Flächenumsatz bei Industrie- und Logistikimmobilien erhöhte. Abgebildet ist eine Animation. (Bild: Tesla)
Die Giga-Factory von Tesla in Grünheide trug im ersten Quartal stark dazu bei, dass sich der Flächenumsatz bei Industrie- und Logistikimmobilien erhöhte. Abgebildet ist eine Animation. (Bild: Tesla)
Gunnar Knüpffer

Der Flächenumsatz auf dem deutschen Industrie- und Logistikimmobilienmarkt ist im ersten Halbjahr 2022 um 13 Prozent auf 4,6 Millionen Quadratmeter gestiegen. Dies ist ein Ergebnis einer Analyse des globalen Immobiliendienstleisters CBRE vom 18. Juli. Damit habe das erste Halbjahr ein Rekordniveau erreicht, das vor allem auf große Eigennutzungen im ersten Quartal zurückzuführen ist. So waren in den ersten drei Monaten des Jahres 327.000 Quadratmeter von Tesla in Grünheide bei Berlin, 189.000 Quadratmeter von Amazon in Kaiserslautern sowie 116.000 Quadratmeter von Nokera in Möckern zu verzeichnen.

Größter Abschluss des zweiten Quartals war eine Anmietung von Amazon über 225.000 Quadratmeter in Erfurt. Insgesamt blieb laut der Analyse der Anteil der Eigennutzer am Marktgeschehen im Vorjahresvergleich stabil bei 30 Prozent. Der Anteil von Neubauten stieg derweil leicht um vier Prozentpunkte auf 66 Prozent.

„Re- und Nearshoring-Strategien sowie verstärkte Vorratslagerung, womit weiteren Schwierigkeiten in den Lieferketten vorgebeugt werden soll, treiben den Flächenbedarf“, sagt Rainer Koepke, Head of Industrial & Logistics bei CBRE in Deutschland.

Angebot kann Nachfrage weiterhin nicht abdecken

Einzeldeals mit mehreren Hunderttausend Quadratmetern im Bereich Produktion sind mit dem Beginn des Hochbaus absehbar bei der Chipfabrik von Intel in Magdeburg und der Batterieproduktion von VW in Salzgitter.

„Weiterhin gilt, dass die große Nachfrage durch das Angebot nicht abgedeckt werden kann, sodass immer mehr Nutzer auf Flächensuche aus den nachgefragten Logistikclustern in andere Regionen ausweichen“, ergänzt Armin Herrenschneider, Co-Head of Industrial & Logistics bei CBRE.

Zwar legten die Top-5-Märkte im Vorjahresvergleich hinsichtlich ihres Flächenumsatzes um sechs Prozent auf 1,28 Millionen Quadratmeter zu, diese Steigerung ist jedoch vor allem auf ein Wachstum um 122 Prozent auf 677.000 Quadratmeter in Berlin, und damit vor allem den Tesla-Abschluss, zurückzuführen. Auch in München gab es zwar einen Anstieg um 22 Prozent, mit einem Gesamtvolumen von 92.000 Quadratmetern sei die Bedeutung dieses Marktes jedoch beschränkt.

In und um Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main gingen die Flächenumsätze spürbar zurück. In Frankfurt am Main um 53 Prozent auf 158.000 Quadratmeter, in Hamburg um 30 Prozent auf 245.000 Quadratmeter und in Düsseldorf um 25 Prozent auf 108.000 Quadratmeter.

„Von der Knappheit in den südwestdeutschen Logistikclustern profitieren die ostdeutschen Standorte wie Berlin – das ein Rekordergebnis verzeichnete –, Leipzig/Halle und um die A4 mit Erfurt“, sagt Koepke.

Die durchschnittlichen Spitzenmieten von Logistikflächen in den Top-5-Standorten lagen Ende des zweiten Quartals 2022 bei 7,20 Euro pro Quadratmeter und Monat. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um 5,3 Prozent.

„Angesichts der stark gestiegenen Baukosten handelt es sich dabei um moderate Anstiege“, sagt Koepke. „Da die Renditen wegen der Zinswende steigen, müssen die Mieten auch steigen – sonst kann nicht mehr gebaut werden. Zudem sind sehr viele Mietverträge zu hundert Prozent indexiert, was auch die Bestandsmieten stark steigen lässt.“

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 steigerten Unternehmen aus der Produktion ihre Flächennachfrage um fast 60 Prozent und kamen damit auf einen Anteil am Flächenumsatz von 24 Prozent. Handelsunternehmen (inklusive Onlinehändler) wiesen einen um vier Prozent verringerten Flächenumsatz auf, blieben mit 40 Prozent aber weiterhin die aktivste Branche.

Auf Transport- und Logistikunternehmen entfiel ein Anteil von 25 Prozent – und damit ein um drei Prozent geringerer Flächenumsatz. „Wir beobachten einen Bedeutungsgewinn von Unternehmen aus der Produktion – nicht nur mit Lagerbedarf, sondern auch mit Flächenbedarf für die Produktion. Der Anteil von Flächen zur Produktionsnutzung am Flächenumsatz wird sich absehbar mittelfristig von in der Vergangenheit 10 bis 15 Prozent bei 15 bis 20 Prozent einpendeln“, sagt Koepke.

„Angesichts der weiterhin starken Nachfrage könnte der deutsche Industrie- und Logistikimmobilienmarkt wie im Vorjahr erneut die Acht-Millionen-Quadratmeter-Marke knacken“, erwartet Koepke. „Angesichts der unsicheren geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung fallen belastbare Prognosen schwer.“

„Unstrittig ist hingegen, dass die Mieten weiter steigen werden. So dürfte bis zum Jahresende die Spitzenmiete in einigen der Top-5-Märkte die Acht-Euro-Schwelle erreichen – bisher kannte der Markt das nur von einigen Top-Flächen in München“, sagt Dr. Jan Linsin, Head of Research bei CBRE in Deutschland.

Printer Friendly, PDF & Email