Logistikdienstleistungen: Diese Trends fordern das Wirtschaftsfeld 2022 heraus

Manuel Pfenning, Geschäftsführer von Pfenning Logistics, gibt eine Einschätzung zu den Entwicklungen, mit denen sich die Logistik 2022 auseinandersetzen muss.

Der Erfolg des E-Commerce lässt das Anforderungsportfolio für Logistikdienstleister zunehmend komplex werden. (Foto: Pfenning Logistics)
Der Erfolg des E-Commerce lässt das Anforderungsportfolio für Logistikdienstleister zunehmend komplex werden. (Foto: Pfenning Logistics)
Therese Meitinger

Die Logistik sieht sich auch im Jahr 2022 Herausforderungen gegenüber, die beherzte und innovative Lösungen erfordern. Das ungebremste Wachstum des E-Commerce trifft auf einen drohenden Mangel an qualifizierten Nachwuchs-Lkw-Fahrern. Gleichzeitig gehen Klimaschutz und Nachhaltigkeit in eine neue Phase der Ernsthaftigkeit über.

Diese vier Trends sieht Manuel Pfenning, Geschäftsführer des Logistikdienstleisters Pfenning Logistics, als besonders prägend an:

1.          E-Commerce

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel gab im Juli 2021 bekannt, dass das erste Halbjahr einen neuen Umsatzrekord für den Onlinehandel erzielt hat, mit einem Umsatzanstieg von knapp 20 Prozent auf über 24 Milliarden Euro Umsatz. Insbesondere in den Phasen des Lockdowns, als der Einzelhandel unter Einschränkungen und Umsatzeinbrüchen zu kämpfen hatte, setzte der Internethandel seinen Wachstumskurs der letzten Jahre ungebremst fort.

Für Logistikdienstleister bedeutet das: kleinteiligere Aufträge, unvorhersehbare Nachfragepeaks, volatile Schwankungen und Kunden, die immer flexiblere Lieferoptionen erwarten. Kurzum: Die Anforderungen werden immer komplexer. Den Überblick behält hier nur, wer die physischen Prozesse im Lager möglichst transparent und digital abbilden und steuern kann, ist Pfenning überzeugt.

2.          Fahrer- und Fachkräftemangel

„Tesla zeigt uns heute schon, wie viel im Bereich des Autonomen Fahrens möglich ist. Auf deutschen Autobahnen sind wir allerdings ohne die nötige Breitband-Infrastruktur noch nicht so weit. Lkw-Fahrer halten nach wie vor unsere Lieferketten am Laufen oder vielmehr am Rollen“, so Manuel Pfenning. In Großbritannien sei zuletzt schmerzlich zu beobachten gewesen, welche fatalen Auswirkungen ein Mangel an qualifizierten Fahrern nach sich ziehen kann. Laut Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen in Deutschland heute schon zwischen 60.000 und 80.000 Lkw-Fahrer, weil der Nachwuchs fehlt. Deshalb ist es essenziell, dass die Unternehmen attraktive Anreize setzen, diesen Beruf zu erlernen, argumentiert Manuel Pfenning. Eine faire Vergütung und flexible Arbeitszeitmodelle gehörten ebenso dazu wie die Möglichkeit zur Weiterbildung und der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur an Rastplätzen.

„Wir müssen hier Hand in Hand mit den Behörden und der Öffentlichkeit arbeiten, um langfristig das Image der Transportbranche aufzuwerten und junge Leute davon zu überzeugen, diesen verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Job zu ergreifen“, sagt Manuel Pfenning.

3.          Nachhaltigkeit

Klimaschutz ist zu einer der bedeutendsten und akutesten Herausforderungen der globalen Wirtschaftswelt geworden. Das spiegelt sich auch im aktuellen Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wider, der etwa das Ziel vorgibt, dass bis 2030 der Strombedarf zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen bereitgestellt werden soll. Die Logistik als verkehrsintensiver Wirtschaftsbereich ist sich ihrer Verantwortung beim Thema Emissionsreduktion und Klimaschutz bewusst. Viele Logistikunternehmen haben sich bereits in Anlehnung an den Pariser Klimavertrag ambitionierte Ziele gesteckt, wie sie ihre Prozesse optimieren, neue Technologien nutzen und Emissionen einsparen beziehungsweise kompensieren können.

Um hier einen nachhaltigen Effekt zu erzeugen, muss das Thema nach Ansicht von Pfenning aber entlang der ganzen Lieferkette betrachtet werden, also auch schon bevor der Lkw von der Rampe startet. Ein Großteil der Logistik finde hinter den Wänden von Logistikzentren statt, deshalb müsse Klimaschutz schon bei der Entwicklung von Logistikimmobilien eine zentrale Rolle spielen. Eine hervorragende Dämmung, Fotovoltaikanlagen, Thermo-Vorsatzschleusen und die Verwendung schadstofffreier Materialien beim Bau seien nur einige Aspekte, die bei der Planung des „multicube“-Konzepts von Pfenning Logistics Berücksichtigung finden.

„Wir stellen fest, dass unsere Bemühungen, der grünen Logistik Aufwind zu verleihen, auch am Markt und bei den Kunden positiv aufgenommen werden. Beim Klimaschutz kommt es darauf an, gemeinsam Lösungsansätze zu finden, dabei spielt die Logistik eine wichtige Rolle für emissionsarme Lieferketten und Warenströme“, erläutert Manuel Pfenning.

4. Services vertiefen

Logistik und Supply Chain Management werden für Industrie und Handel zunehmend komplex. Robustheit und Schnelligkeit sind Trumpf. Für Pfenning als Logistikdienstleister und Outsourcing-Partner heiße das: Mithilfe von zusätzlichem Know-how, Standorten, Ressourcen und zunehmender Digitalisierung der Prozesse wolle man die Dienstleistungstiefe erhöhen, so Manuel Pfenning.

„In diesem Kontext haben wir bereits in 2021 durch verschiedene Akquisitionen wichtige Erfolge erzielt: Durch den Zukauf des Automotive Supply Chain-Experten Sonima können wir als Kontraktlogistiker zusätzlichen Mehrwert in die Prozesse unserer Kunden einbringen“, sagt Pfenning.

„Im Bereich der Onlinehandelslogistik kamen sowohl das Nettetaler Unternehmen HTH Logistic Solutions als auch die Gilog aus Frechen zur Pfenning-Familie hinzu und stärken fortan unser physisches Netzwerk an Lagerkapazitäten als auch das Serviceportfolio.“

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