Logistikdienstleistung: Von der Spedition Amberger zur Loxxess Gruppe

Peter Amberger jun. baute die Spedition zur Loxxess Gruppe aus – was er rückblickend vielleicht anders machen würde, verrät er im Gespräch mit LOGISTIK HEUTE.

Peter Amberger jun. (rechts) baute das ehemalige Fuhrunternehmen zur Loxxess Gruppe aus, die seine Kinder Dr. Claus-Peter Amberger (links) und Christina Thurner nun leiten. (Foto: Loxxess)
Peter Amberger jun. (rechts) baute das ehemalige Fuhrunternehmen zur Loxxess Gruppe aus, die seine Kinder Dr. Claus-Peter Amberger (links) und Christina Thurner nun leiten. (Foto: Loxxess)
Melanie Endres

LOGISTIK HEUTE: Wie waren die Anfänge der Familie Amberger in Spedition und Logistik?

Peter Amberger jun.: Im Oktober 1945, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, gründete mein Vater Peter Amberger sen. ein Fuhrunternehmen in Ingolstadt. Die optimistische Aufbruchstimmung der 50er-Jahre kurbelte die Wirtschaft an, und das wirkte sich auch auf den Betrieb meines Vaters aus. Er baute einen guten Draht zu Auto-Union auf, der einstmals große Kraftfahrzeughersteller war nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründet worden und produzierte unter der Marke DKW. 1952 erhielt die Firma Amberger den Auftrag für die Ersatzteiltransporte zu den Großhändlern der Marke DKW in Hessen, Niedersachsen und Hamburg.

Welche Schritte Ihres Vaters bewundern Sie besonders?

Sein unternehmerisches Gespür – das ich zum Teil wohl geerbt habe. Es forderte ihm einiges an Mut ab, den elterlichen Brauerei- und Landwirtschaftsbetrieb abzugeben und ganz auf den Fuhrbetrieb zu setzen. Seine ersten Aufträge in Ingolstadt bewerkstelligte er mit einem einzigen 3,5-Tonnen-Lkw! Und sein Mut zahlte sich aus: Er knüpfte geschäftliche Kontakte in der Region, später auch nach Kassel, Hannover, Hamburg und Bremen.

Wann haben Sie die Firmengeschäfte übernommen und was war dabei für Sie besonders herausfordernd?

Meine Frau Martha und ich bekamen 1971 die Zügel fürs Unternehmen in die Hand und machten uns mit vollem Elan an die Expansion des Geschäfts. Als gelernte Speditionskauffrau stand sie mir mit Rat und Tat zur Seite und war maßgeblich am Erfolg des Wachstums beteiligt.

Da ich den elterlichen Betrieb von Kindsbeinen an kannte – und sogar als Tankwagenfahrer ausgeholfen hatte – fühlte ich mich der neuen Verantwortung gewachsen. Als jedoch Audi – für die wir bereits Ersatzteiltransporte fuhren – 1972 ein neues Konzept für die Ersatzteillogistik aufsetzte, waren wir gefordert. Statt großen Ersatzteilbeständen sollten die Audi-Vertriebszentren dank regelmäßiger Transporte mit den benötigten Ersatzteilen versorgt werden. Aufgrund einer Mischkalkulation für die Gesamtheit der Transporte konnten wir günstiger anbieten, erhielten den Auftrag und wurden mit einer vergrößerten Transportflotte auf einen Schlag das größte Speditionsunternehmen in Ingolstadt. Die Rechnung ging auf und der Standort Dieburg ist bis heute fester Bestandteil der Loxxess-Landschaft.

Was würden Sie rückblickend anders machen?

Strategische Partnerschaften zu knüpfen ist ein wichtiger Bestandteil des Unternehmertums, um beispielsweise Marktanteile zu sichern oder Kapital zu generieren. Allerdings bedeutet geteilte Verantwortung oft auch geteilte Freiheit. Das wurde mir auch beim Log Sped-Verbund bewusst, ich konnte nicht immer so entscheiden und unternehmerisch handeln, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Bereut habe ich diesen Schritt nicht, und die gemeinsame – durchaus erfolgreiche – Zeit hat mir viele Erfahrungswerte verschafft.

Worauf sind Sie besonders stolz in der Unternehmensgeschichte?

Ich bin mir bewusst, dass ich an den zahlreichen „turning points“ meiner Unternehmerlaufbahn auch eine Menge Glück hatte. Aber im Rückblick kann ich zufrieden sagen, dass ich wohl oft den richtigen Riecher hatte und die richtigen Entscheidungen getroffen habe. So ist es schon kurios, dass die Familie Amberger zusammen mit der Schoeller Gruppe zweimal Trans-o-flex übernommen und saniert hat. Was mich heute aber mit Stolz erfüllt, ist zu sehen, wie meine beiden Kinder Christina und Claus-Peter die Geschicke von Loxxess erfolgreich lenken.

Was ist das Wichtigste in einer echten Partnerschaft zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern in der Logistik?

Viele meiner langjährigen Freundschaften sind aus der geschäftlichen Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden entstanden, dafür bin ich sehr dankbar. Partnerschaftlichkeit und Offenheit zahlen sich auch im Business-Kontext aus. Aus dem gemeinsamen Austausch entstehen neue Ideen und Potenziale, wie beispielsweise zwischen Manfred Schertler (Schertler Verpackungen) und mir. Gemeinsam kauften wir Industriefläche in Neuburg und kümmerten uns gemeinsam um Vermarktung und Kundenakquise.

Netzwerken – im zwischenmenschlichen als auch im physischen Sinne: 1998 tat ich mich mit sechs weiteren Logistik- und Speditionsunternehmen zum LogSped-Verbund zusammen. Neben dem „5 Sterne-Warenhotel“ konnten wir für die gesamte BRD eine Verteilung von Sammelgut innerhalb von 24 beziehungsweise 48 Stunden garantieren. Kurz nach der Wende konnten wir Rewe als Kunden gewinnen und deckten die gesamte Versorgung in den neuen Bundesländern ab! Hier hatte mein Partner und Freund Karl-Martin Pfenning den richtigen Instinkt bewiesen.

Welchen Trend in der Logistik sehen Sie als besonders wegweisend für die Zukunft an?

Das ist heute sicher die fortschreitende Digitalisierung. Die Wettbewerbsvorteile, die wir bei der Spedition Amberger im Laufe der Zeit realisieren konnten, stammten aus Optimierungen unserer Fahrzeuge, der Prozesse und der Routenplanung im Netzwerk – auch damals schon mit fortschrittlicher IT.

Optimierung zum Zweck der Effizienz- und Gewinnsteigerung, das sind feste Grundprinzipien unserer Logistikdienstleistungen. Das bedeutet auch, Prozesse zu hinterfragen und die Grenzen des Möglichen zu erweitern, Innovation im Unternehmen zu fördern – so konnte Loxxess beispielsweise einen bedeutsamen Erfolg wie den Gewinn des European Logistics Association-Awards mit der IT-Lösung „SMILE“ (Smart und Innovative: Logistik für den E-Commerce) einfahren.

Für die Zukunft bedeutet das: die Warenströme und Lieferketten dank digitaler Lösungen mit Künstlicher Intelligenz, Big Data und Algorithmen noch flexibler zu gestalten, um kurzfristige Schwankungen abzufangen sowie Engpässe vorauszusehen und gar nicht erst entstehen zu lassen.

Das Gespräch führte Melanie Endres.

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