Logistikdienstleistung: Dachser hebt Umsatz um 14,9 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro an

Der Logistikdienstleister Dachser hat 2022 insbesondere aufgrund der hohen Frachtkosten für Luft- und Seefracht und der Inflation seinen Umsatz um über eine Milliarde Euro gesteigert. 2023 rechnet CEO Burkhard Eling nur noch mit einem niedrigen einstelligen Umsatzwachstum.

Der Logistikdienstleister Dachser profitierte 2022 von einer Sonderkonjunktur. (Bild: Dachser)
Der Logistikdienstleister Dachser profitierte 2022 von einer Sonderkonjunktur. (Bild: Dachser)
Gunnar Knüpffer

Der Logistikdienstleister Dachser hat seinen Umsatz 2022 um 14,9 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro angehoben. Dies ist eine Steigerung um über eine Milliarde Euro, im Zweijahresvergleich erhöhte sich der Umsatz um 45 Prozent, teilte Dachser-CEO Burkhard Eling auf einer Pressekonferenz am 23. März in München mit. Sein Ergebnis kommuniziert das Familienunternehmen traditionell nicht.

„Ein signifikanter Teil des Umsatzanstiegs stammt aus den hohen Frachtkosten und der sprunghaft gestiegenen Inflation“, sagte Eling. Zu einem großen Teil lasse sich das Wachstum auf die außergewöhnlichen Rahmenbedingungen – besonders die Luft- und Seefracht und das hohe Preisniveau im Markt – zurückführen. Dachser erlebe dadurch wie die gesamte Logistikbranche eine Sonderkonjunktur.

„Insgesamt sind wir nicht mehr so stark gewachsen wie noch 2021 und seit September stellen wir eine deutliche Normalisierung des Geschäfts fest“, erläuterte der CEO. Das Jahresende sei demnach gekennzeichnet gewesen von sinkenden Raten in der Luft- und Seefracht und zurückhalten Kunden.

Als Folge der multiplen Krisen hat das Jahr 2023 laut Eling bei vielen Kunden des Unternehmens zurückhaltend begonnen. Das Unternehmen geht davon aus, dass nach zwei Jahren außergewöhnlichen Umsatzwachstums wieder ein Stück Normalität in die Logistik und ihr Geschäft einkehrt. Der Dachser-CEO sagte: „Derzeit rechnen wir für das Jahr 2023 mit einem niedrigen einstelligen Umsatzwachstum.“

Rückläufige Tonnagen in den ersten zwei Monaten

„Wir sind in den ersten zwei Monaten mit leicht rückläufigen Tonnagen gestartet“, antwortete Eling auf eine Frage von LOGISTIK HEUTE. „Die Business-Units haben sich dabei sehr unterschiedlich entwickelt: In Osteuropa zum Beispiel oder in der Region Iberia zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Geschäftssituation, so dass wir dort auf Vorjahresniveau liegen. In Summe nähern wir uns der Vorjahresentwicklung an.“

Umsatz des Bereichs Food Logistics stieg um 17,1 Prozent

Im Jahr 2022 hatten sich die Geschäftsbereiche wie folgend beschrieben entwickelt: Das Business Field Road Logistics, in dem Dachser den Transport und die Lagerung von Industrie- und Konsumgütern (European Logistics) sowie Lebensmitteln (Food Logistics) zusammenfasst, wuchs 2022 um 14,2 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Die transportierte Tonnage stieg leicht um 0,4 Prozent, während die Zahl der Sendungen im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld um 2,8 Prozent abnahm.

Die Business Line European Logistics erhöhte ihren Umsatz um 13,4 Prozent und wuchs damit in derselben Größenordnung wie 2021. Die Sendungszahlen gingen dagegen um 3,5 Prozent zurück. Die Tonnagen blieben mit 30 Millionen auf konstantem Niveau.

Die Business Line Food Logistics steigerte sich 2022 deutlich und wuchs im Umsatz um 17,1 Prozent. Als Aufholeffekt nach dem Ende der coronabedingten Einschränkungen stiegen in dieser Business Line sowohl die Sendungen (1,8 Prozent) als auch die Tonnagen (1,1 Prozent) leicht. Dachser Food Logistics erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und ist damit eine Säule des Geschäftsmodells.

Nach dem Ausnahmejahr 2021 sorgten laut Dachser höhere Kapazitäten auf den Luft- und Seefrachtmärkten, eine schwächere Nachfrage und der ins Stottern geratene Wachstumsmotor China dafür, dass sich das Wachstum des Business Fields Air & Sea Logistics bei einem Umsatzplus von 16,7 Prozent einpendelte. Der Umsatz stieg von 2,1 Milliarden auf 2,4 Milliarden Euro. Die Sendungszahl sank dagegen um insgesamt 7,3 Prozent.

„Während der Coronapandemie hat unser Luft- und Seefrachtgeschäft deutlich an Profil gewonnen“, meinte Eling. Dazu würden das wachsende LCL-Stückgutgeschäft in der Seefracht und das Luftfracht-Charternetz mit allein 260 Flügen im vergangenen Jahr beitragen. Ihre Kunden würden den hohen Integrationsgrad ihrer Services, zu Lande, zu Wasser und zu Luft schätzen.

2022 wuchs auch das Geschäft mit der Kontraktlogistik, der intelligenten Verbindung von Lagerung, Mehrwertdienstleistung und Transport. Dachser bot seinen Kontraktlogistikkunden 2,7 Millionen Palettenstellplätze an, 152.000 mehr als im Vorjahr. Derzeit ist Dachser auf fünf Kontinenten mit 163 Warehouse-Standorten präsent, 2023 sind 14 zusätzliche Anlagen geplant.

Dachser launcht Branchenlösungen für Kosmetikbranche und Fashion

In diesem Jahr wird Dachser seine Investitionen auf einen Rekordwert von über 300 Millionen Euro erhöhen. Zudem geht der Logistikdienstleister mit zwei neuen globalen Branchenlösungen an den Start gehen: Dachser Cosmetics Logistics adressiert die Anforderungen der Kosmetikbranche und beschäftigt sich unter anderem mit Omnichannel-Anforderungen und der Belieferung von Shops in Innenstadtlage. Und Dachser Fashion Logistics geht im Sommer an den Markt und bietet eine neue Transportlösung speziell für Mode- und Lifestyle-Unternehmen. Beide Lösungen präsentiert Dachser in diesem Jahr auf der Messe transport logistic in München.

Dachser hatte im Rahmen eines Projekts mit dem Fraunhofer Institut IML zwei Umschlaglager mit der so genannten „@ILO“-Technologie (Advanced Indoor Localization) ausgestattet. Dabei werden alle Packstücke im Eingang automatisch von optischen Scaneinheiten erfasst und in einem digitalen Zwilling des Umschlaglagers abgebildet. Dadurch will das Unternehmen viele Prozesse beschleunigen und vereinfachen.

Diese Piloten haben sich laut Eling bewährt, so dass in diesem Jahr drei Standorte hinzukommen werden, um die neuen Prozesse zu verfeinern. „Wir werden auf jeden Fall zwei Standorte außerhalb Deutschlands auswählen, damit wir @ILO auch im grenzüberschreitenden Verkehr testen können“, sagte Eling auf Nachfrage von LOGISTIK HEUTE. Mitte des Jahres würden sie entscheiden, wie sie die Advanced Indoor Localization in allen Logistikanlagen von Dachser in Europe ausrollen.

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