Logistikdienstleister: Umsatz von Dachser steigt um 26 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro

Aufgrund der gegenseitigen Sanktionen sind die Luftfrachtkapazitäten aktuell um circa 20 Prozent gesunken, teilte Dachser-CEO Burkhard Eling mit. Im Geschäftsjahr 2021 hatte der Logistikdienstleister sowohl seinen Umsatz als auch seinen Gewinn steigern können.

Der Logistikdienstleister Dachser wuchs im Jahr 2021 bei Umsatz und Gewinn. (Bild: Dachser)
Der Logistikdienstleister Dachser wuchs im Jahr 2021 bei Umsatz und Gewinn. (Bild: Dachser)
Gunnar Knüpffer

Im Geschäftsjahr 2021 hat Dachser seinen konsolidierten Umsatz um 26 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro gesteigert. Nach dem Lockdown-bedingten Seitenschritt im Vorjahr kehrt der Logistikdienstleister aus Kempten damit wieder auf einen Wachstumspfad zurück.

„Die Umsatzrekorde schlagen sich ebenfalls in unserem Ergebnis nieder“, sagte der CEO von Dachser SE, Burkhard Eling, auf einer virtuellen Pressekonferenz am 5. März. „2021 war auch in dieser Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr.“

Organische Sendungs- und Tonnagesteigerungen von 6,3 beziehungsweise 7,7 Prozent auf Konzernebene haben nach Angaben von Dachser zu der Umsatzsteigerung geführt. Hohe Frachtpreise, verursacht durch die verkehrsträgerübergreifende Laderaumknappheit, trugen ebenso zu dem Umsatzsprung bei.

Das Business Field Road Logistics, in dem Dachser den Transport und das Warehousing von Industrie- und Konsumgütern (European Logistics) sowie Lebensmitteln (Food Logistics) zusammenfasst, wuchs 2021 um 12,3 Prozent auf 4,99 Milliarden Euro Umsatz. Nachdem die Lockdowns in Südeuropa 2020 für einen Umsatzrückgang von 2,2 Prozent gesorgt hatten, ist das Resultat auch eine signifikante Steigerung gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019.

Business Line Food Logistics übertrifft Milliardenmarke bei Umsatz

Die Business Line European Logistics erhöhte ihren Umsatz um 13,1 Prozent auf 3,92 Milliarden Euro. Nach mehreren Jahren der Stagnation stiegen die Sendungszahlen deutlich um 6,8 Prozent auf 72 Millionen, die Tonnagen um 8,5 Prozent auf 30 Millionen. Alle regionalen Business Units – Germany, North Central Europe, France & Maghreb sowie Iberia – erhöhten ihre Umsätze im zweistelligen Bereich. Kundengewinne sorgten dafür, dass die Business Line Food Logistics trotz der coronabedingten Einschränkungen in Gastronomie und Hotellerie in Deutschland ein Umsatzwachstum von 9,8 Prozent erzielte. Mit einem Umsatz von 1,07 Milliarden Euro wurde zum ersten Mal die Milliardenmarke übertroffen.

Lieferkettenunterbrechungen, knappe Frachtkapazitäten und entsprechend hohe Raten kennzeichneten 2021 das Geschäft in der Luft- und Seefracht. Als Folge dieser Entwicklung konnte das Geschäftsfeld Air & Sea Logistics ein Rekord-Umsatzwachstum von 78,3 Prozent erzielen. Die Sendungen erhöhten sich um 9,1 Prozent, die Tonnagen sogar um 20,9 Prozent. Dachser baute die Luftfrachtcharter zu einem Netzwerk aus regelmäßigen Verkehren zwischen Asien, Europa und Nordamerika aus. Insgesamt 230 Charterflüge führte Dachser 2021 durch.

„Zuverlässig verfügbarer Frachtraum gibt Kunden Planungssicherheit – und das war 2021 der Schlüssel zum Erfolg. Zudem hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, dass wir die Ware aus Übersee direkt in unser eigenes europäisches Landverkehrsnetz zur Distribution und Zustellung einspeisen können“, erläuterte CEO Eling.

CEO Eling: Auswirkungen des Ukraine-Kriegs lassen sich nicht beziffern

Wie beeinflusst der Ukraine-Krieg Dachser? In Russland ist Dachser seit 2008 mit einer eigenen Landesgesellschaft vertreten. Das Unternehmen erbringt dort Transport- und Logistikdienstleistungen in den Business Fields Road Logistics und Air & Sea Logistics. Rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort an sieben Standorten beschäftigt. Die russische Landesgesellschaft erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von rund 26 Millionen Euro - das sind weniger als ein halbes Prozent des Konzernumsatzes. In der Ukraine und Belarus ist Dachser nicht mit eigenen Standorten vertreten.

Dachser hat alle Netzwerktransporte nach und aus Russland und Belarus eingestellt. Ein kompletter Übernahme- und Verladestopp gilt auch für interkontinentale Zugverkehre und Lkw-Transporte zwischen Europa und Asien, die Russland und Belarus durchqueren.

„Auch wenn vor dem Hintergrund dieser Zahlen und der Größenordnung die direkten Folgen auf unser Geschäft nicht gravierend erscheinen mögen, sind die indirekten Folgen des Krieges umso einschneidender“, sagte Burkhard Eling. „Der Krieg mitten in Europa führt zu großem humanitären Leid. Er trifft die Wirtschaft mit hohen Energie- und Kraftstoffkosten, die Auswirkungen können wir im jetzigen Stadium noch nicht beziffern. Aufgrund der gegenseitigen Sanktionen sind die Luftfrachtkapazitäten um circa 20 Prozent gesunken.“

Das Thema der ökologischen Nachhaltigkeit ist laut Eling von entscheidender Bedeutung für die kommenden Jahre. So bezieht Dachser seit dem 1. Januar 2022 laut eigenen Angaben weltweit ausschließlich Ökostrom. „Wir vervierfachen unsere Fotovoltaikkapazität bis zum Jahr 2025 und bauen neue Anlagen in ganz Europa“, erläuterte der CEO. Dachser kommt beim europäischen Roll-out seines Stadtbelieferungskonzepts „DACHSER Emission-Free Delivery“ voran. Mittlerweile ist nach Stuttgart der Start in Freiburg, Prag, Oslo, Straßburg, Paris, Madrid und Porto erfolgt. Bis Ende 2022 sollen Berlin, München und Kopenhagen folgen.

„Wir investieren weiter in alternative Antriebe, um Erfahrungswerte zu sammeln“, sagte Eling. „Aktuell haben wir rund ein Dutzend batterieelektrischer Fahrzeuge im Einsatz.“

Bis Ende 2023 würden sie 50 zusätzliche Elektro-LKW anschaffen. Darüber hinaus will das Unternehmen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw im Fernverkehr testen, sobald dies möglich ist.

Dachser plane, seine Firmenwagenflotte so schnell wie möglich auf Elektro-Pkw umzustellen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Der ursprüngliche Plan, 50 Prozent der Flotte bis Ende 2023 zu ersetzen, werde sich aufgrund der aktuellen Lieferschwierigkeiten der Automobilindustrie aber leider verzögern.

Auch investiert der Logistikdienstleister in Maßnahmen zur weiteren Optimierung des Laderaums. Darauf zahlen auch zum Beispiel Digitalisierungsmaßnahmen ein. So will Dachser bis 2027 alle Standardtrailer in Deutschland durch sogenannte Megatrailer ersetzen, die acht Kubikmeter mehr Laderaum bieten. Das ist laut Eling ein sehr effizienter Hebel für mehr Klimaschutz, den das Unternehmen sukzessive auch in ganz Europa nutzen will.

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