Logistik-Trends 2021: Resilienz steht im Fokus

Welche maßgeblichen Trends ergeben sich 2021 für die Logistik? Körber-Experten haben sich dazu Gedanken gemacht.

(Foto: Jane/Fotolia)
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Matthias Pieringer

Das Jahr 2020 hat der Logistikbranche einiges abverlangt. Und auch das Jahr 2021 hält einige Hürden bereit: Umso wichtiger werden laut dem IT-Anbieter Körber Supply Chain Software resiliente Lösungsansätze, um den neuen Herausforderungen begegnen zu können. Im Fokus stehen dabei Flexibilität, Nachhaltigkeit und Sicherheit.

Diese Einschätzungen hat man bei Körber zusammengefasst:

Die Retrospektive

Die Corona-Pandemie wird als größte Herausforderung des Jahres 2020, wenn nicht sogar eines ganzen Jahrzehnts, eingehen. Ein Virus schafft es, den ganzen Globus in Panik zu versetzen und erinnert uns daran, dass wir trotz aller modernen Technologie ein Teil der organischen Welt um uns herum sind. Wenn wir urplötzlich nicht mehr „hinter den Kulissen“ stehen, sondern die Auswirkungen durch die Decke schießender Nachfragen am eigenen Leib erfahren und vor leeren Supermarktregalen stehen, wird klar: Logistik hält so einiges zusammen.

Konkret bedeutete das: Während viele Einzelhandelsbranchen großflächige Einbußen in Kauf nehmen mussten, hat der Onlinehandel in vielen Segmenten einen nie dagewesenen Boom erlebt. Das hat der Logistikbranche vor Augen geführt, worauf es wirklich ankommt, um auf veränderte oder plötzlich auftretende Spitzenlasten reagieren zu können. Nicht jedes Lager ist darauf ausgelegt, sich flexibel anzupassen. Das fordert resiliente, also widerstandsfähige Lösungen und Strukturen, um die Geschäftskontinuität angesichts regionaler wie auch globaler Widrigkeiten zu gewährleisten.

Maßnahmen zugunsten unternehmerischer Resilienz werden das Jahr 2021 auf besondere Weise prägen. Gleichermaßen begegnet die Logistik innerhalb dieses Spannungsfelds den veränderten Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit und den besonderen Herausforderungen des digitalen Zeitalters, die gesonderter Maßnahmen im Softwareumfeld bedürfen.

Logistik-Trend 1: Flexibilität

Im Jahr 2021 werden die Grenzen der Vertriebskanäle weiter verschwimmen. Das stationäre Geschäft wird sich nur allmählich erholen, wohingegen der Onlinehandel weiter wächst. Ein Großteil der Unternehmen muss einer soliden Omnichannel-Strategie den Weg ebnen, um auf das veränderte Konsumentenverhalten reagieren zu können.

Umso wichtiger werden leistungsfähige Softwarelösungen in Verbindung mit Automatisierungskomponenten, die Flexibilität in Echtzeit schaffen und mit bestehenden Systemlandschaften harmonisch interagieren. Dazu zählen allen voran Logistiksysteme in Form von Warehouse Management Systemen (WMS), die bei der Bewältigung saisonaler Spitzenzeiten, kürzerer Lieferzeiten, kleinerer Losgrößen und wachsenden Komplexitäten des regulatorischen Umfelds unterstützen. Des Weiteren bieten sich im Lagerumfeld spezielle, etwa sprachgeführte Lösungen an, die die Produktivität der Mitarbeiter in Bereichen wie der Kommissionierung optimieren können. Gleichermaßen wächst auch der Markt an Automatisierungslösungen weiter, da auch diese Lösungen nicht nur Großunternehmen, sondern auch mittelständischen E-Commerce-Betrieben das nötige Maß an Flexibilität bieten, um ohne wesentliche Anpassungen der logistischen Infrastruktur veränderten Kundennachfrage gerecht zu werden. Der Einsatz autonomer mobiler Roboter (AMR) bietet ein Beispiel unter vielen.

Logistik-Trend 2: Nachhaltigkeit

Der Anstieg des Onlinehandels hat vielen Unternehmen auch die Herausforderungen eines effizienten Retourenmanagements vor Augen geführt. Zu hoch ist der Aufwand der Erfassung, weshalb ein Teil der jährlich knapp 500 Millionen retournierten Artikel in Deutschland nach wie vor weggeworfen wird. Während der Anteil der Retouren im Mode-/Textilumfeld nach wie vor bei deutlich über 50 Prozent liegt, steigt der Druck für Unternehmen verbesserte Serviceleistungen in sämtlichen Bereichen zu erbringen. Der Stellenwert von Handlungsmaßnahmen und Optimierungsbereichen einer nachhaltigen Logistik (Green Logistics) wächst.

Ansätze gibt es viele. Prozessoptimierungen bieten sich etwa durch die vereinfachte Identifizierung beziehungsweise Nachvollziehbarkeit der Retourenware oder der direkten Wiederverwertung an. Eine Reduzierung der Retourenquote per se kann allerdings nicht bloß im logistischen Umfeld ansetzen. Auch gesellschaftliche Aspekte spielen eine Rolle, insofern das Retournierverhalten indirekt von öffentlichen Nachhaltigkeitsdiskussionen der Endverbraucher bestimmt wird.

Logistik-Trend 3: Cyber Security

Ein besonderes Augenmerk gilt außerdem den Megatrends, die das digitale Zeitalter mit sich bringt. Dazu zählen insbesondere präventive Maßnahmen im Umfeld Cyber Security.

Neben Security Awareness-Schulungen, die dafür sorgen, dass die Mitarbeiter wachsamer werden, können Sicherheitsfragen aber auch schon bei der Softwarewahl ansetzen. Cloudbasierte Anwendungen bieten in vielen Fällen die Bereitstellung im zertifizierten Rechenzentrum und verschlüsselte Kommunikationswege, die es Cyberkriminellen erschweren, sich Zugriff zu verschaffen.

Der Blick nach vorn

Die Welt, und wie sie konsumiert, verändert sich rasend schnell. Nur die flexibelsten und anpassungsfähigsten Supply Chain Prozesse werden in der Lage sein, mit Anforderungen Schritt zu halten, die durch den unvermeidlichen Vormarsch des Omnichannels entstehen – sei es in Bezug auf saisonale Spitzen, Retouren oder andere Herausforderungen.

Die Grundvoraussetzung bildet eine integrationsfähige IT-Basis, die sowohl das horizontale als auch vertikale Zusammenspiel der technischen Komponenten und Systeme ermöglicht. Den ersten Sprung, die horizontale Vernetzung entlang der Supply Chain, schaffen Soft- und Automatisierungskomponenten durch das integrierte Zusammenspiel sämtlicher Prozesse von der Produktionshalle bis zur letzten Meile. Der zweite Sprung, in Form der vertikalen Vernetzung, gelingt durch den Aufbau nötiger Infrastrukturen, über die die Daten intelligent gesammelt und ausgewertet werden können. Am Ende entscheidet aber trotz allem der Mehrwert zu Gunsten eines flexiblen Logistikmanagements – gerade in Zeiten zunehmender Volatilität.

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