Logistik-IT: Hafen Rotterdam digitalisiert manuelle Zollprozesse

Die Kooperationspartner des Pilotprojekts zu Kühlcontainern nennen die Minimierung von Warte- und Durchlaufzeiten als oberstes Ziel.

Möglichst viele manuelle Prozesse im Zollumfeld möchte der Hafenbetrieb Rotterdam digitalisieren. (Foto: Port of Rotterdam)
Möglichst viele manuelle Prozesse im Zollumfeld möchte der Hafenbetrieb Rotterdam digitalisieren. (Foto: Port of Rotterdam)
Therese Meitinger

Mit Blick auf das stark wachsende Kühlcontainergeschäft haben sich am Rotterdamer Hafen mehrere Projektpartner zusammengeschlossen, um die zugehörigen Zollkontrollen künftig effizienter und sicherer gestalten zu können. Laut einer Pressemitteilung vom 12. Juni nehmen der Hafenbetrieb Rotterdam, die niederländischen Zollbehörden sowie der Lebensmittel-Handelsverband Groenten Fruit Huis und die auf Häfen spezialisierte IT-Plattform Portbase dabei an einem Pilotprojekt zur Digitalisierung bisher manueller Zollprozesse teil.

Die wachsende Zahl der Kühlcontainer war der Mitteilung zufolge der Anlass, die Prozesse gemeinsam unter die Lupe zu nehmen. Je mehr Container demnach über den Hafen verschifft werden, desto mehr Inspektionen müssen durchgeführt werden. Diese Inspektionen werden nach Angaben der Kooperationspartner auf der Grundlage von Risikoanalysen und -profilen durchgeführt. Unter anderem bestimmten das Herkunftsland und die Vorgeschichte (oder gerade deren Fehlen), ob ein Container inspiziert werde oder nicht, oder nicht. Da Kühlcontainer häufig aus Hochrisikogebieten kämen, würden sie auch häufiger für eine solche Inspektion ausgewählt.

Physische Inspektion und Spürhunde verlangsamen der Prozess

Die Container können in Rotterdam der Mitteilung zufolge auf dreierlei Weise vom Zoll inspiziert werden: Die häufigste Variante ist demnach das Scannen. Alle großen Containerterminals auf der Maasvlakte in Rotterdam verfügen nach Unternehmensangaben über einen Hightech-Zollscan auf ihrem eigenen Gelände. Die Bilder des Containerinhalts würden vom Zoll rund um die Uhr per Fernanalyse ausgewertet, so der Hafenbetrieb. Das bedeute, dass die Container das Gelände nicht verlassen oder unnötig geöffnet werden müssten und in 95 Prozent der Fälle innerhalb von 36 Stunden nach dem Entladen wieder freigegeben würden.

Eine zweite Variante ist die physische Inspektion, kurz „Fyco" genannt, die im Rijks Inspectie Terminal (RIT) auf der Maasvlakte durchgeführt wird. Die dritte Variante ist der Einsatz von Spürhunden zur Kontrolle der jeweiligen Container an den Terminals.

Zur Minimierung von Wartezeiten und Verzögerungen bei Zollüberprüfungen wurde laut der Mitteilung kürzlich ein Projektteam zusammengestellt, an dem neben dem Hafenbetrieb und dem Zoll auch Mitglieder von Groenten Fruit Huis und Portbase teilnehmen. Das Projektteam analysierte demnach die Zollprozesse und kam zu dem Schluss, dass es insbesondere bei den physischen Kontrollen und den Überprüfungen mit Spürhunden ein relativ großes Verbesserungspotenzial gibt.

„Der sich daraus ergebende Nutzen liegt nicht so sehr in den Überprüfungen selbst, sondern vor allem in den Prozessen, die sie umgeben, wie zum Beispiel die Disponierung von Transporten vom Terminal zum RIT und wieder zurück sowie die Kommunikation zwischen den Beteiligten", erklärt Hanna Stelzel, Business Manager Logistics and Supply Chain beim Hafenbetrieb Rotterdam.

Die weitere Analyse ergab dem Hafenbetrieb zufolge auch, dass ein großer Teil der Engpässe die Folge von Prozessen ist, die noch eine oder mehrere manuelle Handlungen erfordern.

„Wenn ein Container vom Zoll für eine physische Kontrolle ausgewählt wird, wird dies dem Frachtmakler und dem Terminal mitgeteilt. Daraufhin beauftragt der Frachtmakler einen Logistikdienstleister mit dem Transport des Containers zum Rijks Inspectie Terminal. Dieser Transport wird dann für den nächsten Tag eingeplant“, erläutert Hanna Stelzel.

Bei manuellen Prozessen, wie handgeschriebenen E-Mails oder telefonischem Kontakt zwischen den beteiligten Kettenpartnern, könne es passieren, dass ein am Donnerstag gescannter Container erst am Anfang der darauffolgenden Woche dem RIT übergeben werde, auch weil nicht alle Glieder der Kette rund um die Uhr arbeiteten, so Stelzel weiter.

In diesem Frühjahr wurde vor diesem Hintergrund ein Pilotprojekt gestartet, in dem manuelle Prozesse weitgehend digitalisiert werden. Alle Zollkontrollen werden nach Eigenangaben bereits digital über das Inspectieportaal im Port Community System von Portbase angemeldet.

„Indem wir diese Anmeldungen - mit Zustimmung der Frachtmakler - auch digital an den Frachtführer übermitteln, kann die Disponierung der Transporte beschleunigt werden“, sagt Dalibor Stojakovic, Product Owner bei Portbase.

Das bedeute, dass der Frachtführer nicht mehr auf den Auftrag des Frachtmaklers warten müsse, bevor er disponieren könne.

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