Logistik-IT: Digitale Freistellung an deutschen Seehäfen pilotiert

Mit Hapag-Lloyd, MSC, CMA CGM und Kühne+Nagel entwickelten Dakosy und DBH neue Funktionen, die nun in „German Ports“ integriert werden.

Die an der Pilotphase teilnehmenden Partner wollen einen standardisierten, digitalisierten Freistellungsprozess für Importcontainer in den deutschen Seehäfen Hamburg, Bremerhaven, Bremen und Wilhelmshaven realisieren. (Symbolbild: Thomaslerchphoto / Fotolia)
Die an der Pilotphase teilnehmenden Partner wollen einen standardisierten, digitalisierten Freistellungsprozess für Importcontainer in den deutschen Seehäfen Hamburg, Bremerhaven, Bremen und Wilhelmshaven realisieren. (Symbolbild: Thomaslerchphoto / Fotolia)
Therese Meitinger

Der digitale Freistellungsprozess für die deutschen Seehäfen hat den an der Entwicklung beteiligten Projektpartnern zufolge die nächste Phase erreicht: Im Rahmen der Pilotphase mit den Reedereien Hapag-Lloyd, MSC und CMA CGM sowie dem Logistikdienstleister Kühne+Nagel sei das Projekt sowohl zur Marktreife gebracht als auch weitere Module hinzugefügt worden, heißt es in einer Mitteilung vom 12. Juni. Entwickelt wird die gesamtdeutsche Lösung demnach unter dem Namen „German Ports“ von den IT-Dienstleistern Dakosy AG, Hamburg, und DBH Logistics IT AG, Bremen.

Die an der Pilotphase teilnehmenden Partner wollen einen standardisierten, digitalisierten Freistellungsprozess für Importcontainer in den deutschen Seehäfen Hamburg, Bremerhaven, Bremen und Wilhelmshaven realisieren. Die Resonanz aus dem Testbetrieb fassen die Prokuristen Dirk Gladiator von Dakosy und Holger Hübner von DBH zusammen: „Die Pilotteilnehmer versprechen sich von der digitalen Freistellung einen hohen Automatisierungsgrad, erhöhte Sicherheit und einen Prozess, der in Echtzeit abläuft.“

Über die Bedeutung des Projekts für die Praxis berichtet Pilotteilnehmer Michael Schröder von Hapag-Lloyd:

„Der Import-Freistellungsprozess verursacht bei Reedern und Spediteuren hohen manuellen Aufwand durch den bisherigen E-Mail- und PDF-Dokumentenaustausch. Die German Ports-Plattform ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung und Verschlankung des Verfahrens, an dessen Entwicklung wir von Anfang an beteiligt sind.“

Integration von abweichendem Rückgabedepot  

Um den E-Mail-Austausch in dem Ablauf zu vermeiden, integrieren Dakosy und DBH nach Eigenangaben aktuell neue Funktionen in German Ports. Eine davon ist der Depotwechsel für Leercontainer im Zuge der Freistellung. Dieses für Speditionen wichtige Merkmal beschreibt Fabian Gäbel von Kühne+Nagel: „Schon während der Pilotphase stellte sich die Möglichkeit, Freistellungen unter Angabe eines Wunsch Rückgabedepots zu stellen, als unverzichtbarer Baustein für unsere Systemintegration dar.“ Man begrüße es, dass der Depotwechsel nun in die German-Ports-Plattform Einzug finde. Das neue Merkmal „abweichendes Rückgabedepot“ wird laut Dakosy über German Ports sowohl über eine EDI-Schnittstelle als auch per Webapplikation zur Verfügung stehen. 

Eine weitere neue Funktion ist der Pressemitteilung zufolge die digitale Abtretungserklärung. Zum Hintergrund: Die Abtretungserklärung ermöglicht die Freistellung des im B/L genannten Bevollmächtigten (Consignee) an einen Dritten. Aktuell werde diese per E-Mail oder Fax verschickt, berichtet Dirk Gladiator von Dakosy. Mit German Ports könne man diesen Prozess digitalisieren und standardisieren. Bei einem Anteil von Abtretungserklärungen zwischen 25 und 30 Prozent sehe man für diese Funktion ein großes Potenzial.

Ergänzend zum Freistellungsprozess wollen Dakosy und DBH eine standortübergreifende Container- und Schiffsauskunft für die wichtigsten deutschen Nordseehäfen zur Verfügung stellen. Beide Funktionen sollen voraussichtlich im zweiten Halbjahr nutzbar sein. Die Containerauskunft zeigt Firmenangaben zufolge die aktuellen Verlade- oder Anlieferdaten sowie die wichtigsten Status-Informationen über den Fortschritt des jeweiligen Zollprozesses zentral an. Damit sei es nicht mehr erforderlich, je nach Umschlagshafen, in unterschiedliche Portale zu wechseln. Im Modul „Schiffsauskunft“ können aktuelle Anlauf- und Abfahrtsdaten über die Plattform zentral für Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven abgerufen werden.