Logistik-IT: ChatGPT und generative künstliche Intelligenz jenseits des Buzzwords

Eine Fachsequenz auf dem 40. Deutschen Logistik-Kongress nahm generative künstliche Intelligenz in der Logistik in den Fokus.

Dr. Ralf Belusa (vorne) berichtete im Rahmen der Fachsequenz über KI-Learnings bei Hapag-Lloyd. (Bild: Meitinger)
Dr. Ralf Belusa (vorne) berichtete im Rahmen der Fachsequenz über KI-Learnings bei Hapag-Lloyd. (Bild: Meitinger)
Therese Meitinger

„Embracing Change: Navigating the Impact of Artificial Intelligence and ChatGPT“ hieß es am 19. Oktober auf dem Deutschen Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL): Genau genommen hatte sich die Fachsequenz auf die Fahnen geschrieben, die Potenziale der Technologie vom Big Picture bis hin zu den konkreten Use Cases unter die Lupe zu nehmen. „Innerhalb des letzten Jahres hat jeder von ChatGPT gehört“, stellte Moderatorin Dr. Kerstin Höfle zum Einstieg die ausgeprägte Dynamik der Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz heraus. Jetzt gelte es zu erkunden, was heute tatsächlich möglich und was bloßes Buzzwording sei.

Florian Deter, Managing Director von Microsoft Deutschland, widmete sich in seinem Impulsvortrag den Grundlagen der Technologie. Generative Künstliche Intelligenz habe das Potenzial, angesichts von Fachkräftemangel und Supply-Chain-Disruptionen einen echten Wertbeitrag in der Logistik zu schaffen, zeigte er sich überzeugt.

„Dass die Benutzeroberfläche von generativer KI natürliche Sprache ist, macht sie besonders zugänglich. Hinzukommt, dass sich aus einem Modell zahlreiche Anwendungen generieren lassen“, erklärte Deter.

Microsoft geht ihm zufolge gerade „all in“ bei dem Thema – und rollt gerade mit „Microsoft Copilot“ unterschiedliche KI-Assistenzprogramme aus, die das Verknüpfen von Unternehmensdaten mit öffentlich zugänglichen Quellen in KI-Anwendungen erlauben sollen.

Mensch und Technologie im Wandel

Generative KI erlaube die Konvergenz verschiedener Technologien wie Blockchain, Robotic Process Automation, Quantencomputing oder Microservices, unterstrich Dr. Ralf Belusa, Managing Director der Hapag-Lloyd AG. Zugleich erstrecke sich das disruptive Potenzial der Technologie auch auf die Menschen, die sie anwendeten.

„Kunden haben heute höhere Anforderungen an Logistikdienstleistungen und sind besser über Details entlang der Lieferkette informiert“, schilderte Belusa.

Um dem Wandel gewachsen zu sein, brauche es ein Management, das für die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz sensibilisiert sei und regelmäßig geschult werde.  

„Die Technologie beschleunigt vieles, aber wir müssen auch die Menschen mitnehmen“, erläuterte Dirk Hofmann Co-Founder & CEO der Beratung Dain Studios Germany.

Deswegen gelte es, vom konkreten Logistikproblem her zu denken und an den Themen anzusetzen, die den Unternehmen den Schlag raubten. Im Lösungsprozess sind ihm zufolge stets auch die Spezialisten jenseits der IT gefragt. „Der Kunde hat die Ideen, wir pitchen dann verschiedene Lösungsansätze“, so Hofmann.

80 Prozent aller KI-Projekte werden abgebrochen, bevor sie in die Produktion gehen, mehr als 30 Prozent der Projekte werden sogar vor dem Proof-of-Concept abgebrochen, zitierte Dr. Ramin Assadollahi, CEO von ExB, eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Es sei deswegen sinnvoll, externe Beratung hinzuzuziehen. Besonders herausfordernd – aber auch besonders interessant für KI-Anwendungen ist Assadollahi zufolge das Dokumentenmanagement.

„Jeder Prozess ist anders, jeder Prozess hat andere Dokumente und jedes Dokument spielt eine andere Rolle im Prozess. Hinzukommt, dass jedes Logistikunternehmen anders funktioniert und andere Herausforderungen hat“, sagte er.