Logistik-IT: Bosch und ZF gewinnen elogistics award 2020

Arbeitskreis AKJ Automotive prämiert Lösungen „Digitalisierung@LOP“ von Bosch und „Varist 4.0“ von ZF Friedrichshafen.

Bosch und ZF Friedrichshafen punkteten mit ihren Lösungen bei der Jury des elogistics awards 2020. (Symbolbild; Foto: Jakub Jirsák/Fotolia)
Bosch und ZF Friedrichshafen punkteten mit ihren Lösungen bei der Jury des elogistics awards 2020. (Symbolbild; Foto: Jakub Jirsák/Fotolia)
Matthias Pieringer

Der Arbeitskreis AKJ Automotive hat anlässlich seines 35. Jahreskongresses am 16. September in Saarbrücken den elogistics award 2020 vergeben. Die Jury prämierte laut Mitteilung des AKJ Automotive in diesem Jahr zwei eingereichte Lösungen mit dem elogistics award:

  • „Digitalisierung@LOP“ der Robert Bosch GmbH

„Die Herausforderung: Der bisherige Prozess der Auftragsplanung wurde durch IT-Systeme nicht durchgängig unterstützt, die Supply-Chains waren nicht komplett in den ERP-Systemen abgebildet. Eine Validierung der Planungsparameter war nur mit hohem Aufwand möglich und die Mitarbeiter wurden in den Planungssystemen nicht geleitet, so dass kritische Themen nicht in allen Dimensionen jederzeit transparent waren.

Die Lösung: Im Werk Homburg (Saarland) der Robert Bosch GmbH wurde eine Pilotlösung entwickelt, die einen integrierten Zugriff auf alle relevanten Supply-Chain-Daten erlaubt und als zentrales Element eine alert-basierte Führung der Mitarbeiter aufweist. Die Datenaufbereitung erfolgt im Hintergrund mit modernen KI-Methoden in Verbindung mit Big-Data-Technologien. Das führt zu einer radikal veränderten Basis der täglichen Arbeit der Auftragsplaner: personalisierte Dashboards visualisieren die notwendigen Informationen direkt und damit sind alle Abweichungen klar erkennbar. Der Mitarbeiter hat die Möglichkeit eines direkten Drill-Downs auf jede Datenebene (Aggregationsebene) und kann jederzeit mit einem Knopfdruck in die entsprechende Transaktion des ERP-Systems abspringen, um Änderungen durchzuführen.

Die Integration von KI-Methoden erlaubt eine intuitive Suche mit Ad-Hoc-Fragen ohne Kenntnis der tatsächlichen Datenquelle. Es werden mobile Endgeräte unterstützt und eine Sprachausgabe angeboten. So erhalten die Auftragsplaner ein Werkzeug, das sie in der Tagesarbeit systematisch zu den aktuellen Problemstellen führt und sie bei der Lösungssuche unterstützt. Die Pilotphase im Werk Homburg umfasste 500 Regelkreise in sieben Erzeugnis-Wertströmen. Der große Erfolg hat dazu geführt, dass der weltweite Roll-Out in über 40 Werken ab 2021 erfolgt.“

 

  • „Varist 4.0“ der ZF Friedrichshafen AG:

„Die Herausforderung: Im Getriebe-Werk Saarbrücken der ZF Friedrichshafen AG hat das Volumen- und Variantenwachstum der letzten Jahre dazu geführt, dass die Materialflusssteuerung nicht mehr angemessen auf alle Änderungen und Störungen in den Montagebereichen reagieren konnte.

Die Lösung: Es wurde mit dem Partner DFKI GmbH (Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz) eine KI-basierte Lösung implementiert, die eine agile Fabrik möglich macht. Agilität bedeutet, dass die Produktions- und Materialsteuerung sehr schnell auf kurzfristige Probleme und Störungen reagieren kann und eine unter den neuen Rahmenbedingungen optimale Umplanung vorschlägt. So werden Fertigungsfolgen und Montagefolgen so angepasst, dass hohe Produktivität und höchste Sicherheit der Kundenbelieferung gewährleistet werden können. Die KI sorgt dabei dafür, dass alle bekannten Parameter in den veränderten Plan einfließen und entlastet die Mitarbeiter stark.“

Die Jury aus Führungskräften der Automobilindustrie und Mitgliedern der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes hat die eingereichten Projekte unter folgenden Kriterien beurteilt:

  • Innovation in Bezug auf die gewählte Anwendung
  • Originalität in Bezug auf die Anwendungsfelder in der Logistik
  • Nutzen und Mehrwert aus Sicht der Hauptanwender
  • Beschleunigungseffekte in der Wertschöpfungskette beziehungsweise Auftragsabwicklung
  • Entwicklungsmöglichkeit und Nachhaltigkeit

Mit dem elogistics award würdigt der Arbeitskreis AKJ Automotive nach eigenen Angaben in erster Linie innovative Projekte, die in geeigneter Weise Logistik und Informations­verarbeitung verbinden.
 

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