LogiMAT-Gipfeltreffen: Dornige Chancen für die Intralogistik

Auf einem Panel von LOGISTIK HEUTE tauschten sich im Rahmen der LogiMAT 2023 führende Köpfe zu Chancen und Risiken der Intralogistik aus.

Diskutierten in Stuttgart (von links): Andreas Krinninger (Kion), Gerald Hofer (Knapp), Prof. Dr. Johannes Fottner (TU München), Christian Erlach (Jungheinrich), Steffen Bersch (SSI Schäfer) und Moderator Matthias Pieringer (Chefredakteur LOGISTIK HEUTE). (Bild: Meitinger)
Diskutierten in Stuttgart (von links): Andreas Krinninger (Kion), Gerald Hofer (Knapp), Prof. Dr. Johannes Fottner (TU München), Christian Erlach (Jungheinrich), Steffen Bersch (SSI Schäfer) und Moderator Matthias Pieringer (Chefredakteur LOGISTIK HEUTE). (Bild: Meitinger)
Therese Meitinger

Was bewegt die Intralogistik? Wo liegen Herausforderungen, an welcher Stelle ergeben sich aber auch neue Möglichkeiten? Am 26. April sprachen beim „LogiMAT-Gipfeltreffen“ führende Köpfe zu Chancen und Risiken für die Intralogistik. LOGISTIK HEUTE-Chefredakteur Matthias Pieringer führte als Moderator durch das Fachforum. Zum Einstieg wies er darauf hin, dass Hersteller von Fördertechnik und Intralogistik aus Deutschland laut VDMA-Zahlen 2022 mit einem geschätzten Produktionsvolumen von 23,7 Milliarden Euro abgeschlossen haben, für 2023 wird lediglich ein Zuwachs von zwei Prozent erwartet.

Dass makroökonomische und geopolitische Herausforderungen das Geschäft beeinträchtigen, darüber herrschte in dem Panel Übereinstimmung.

„Die Lieferketten sind immer noch sehr empfindlich, Sanktionen an vielen Stellen noch Realität“, sagte etwa Gerald Hofer, CEO der Knapp AG.

Hofer sieht Herausforderungen auch in steuerrechtlichen Themen und der ESG-Gesetzgebung, die die EU mittlerweile in vielen Ausprägungen vorantreibt. Das begrüße man zwar, die Begrenzung entsprechender Maßnahmen auf in der EU ansässige Unternehmen sei jedoch problematisch – hier sei es fairer, alle auf dem europäischen Binnenmarkt aktiven Anbieter mit einzubeziehen.

„Krisen sind anstrengend, aber bieten auch immer Chancen“, unterstrich Andreas Krinninger, Mitglied des Vorstands der Kion Group.

Angesichts der Lieferschwierigkeiten der letzten Jahre investierten viele Unternehmen in die Verbesserung ihres Materialflusses – und das sei ja schließlich Kerngeschäft der Kion Group, so Krinninger weiter.

„Es passiert gerade viel, da ist auch einiges Gutes dabei“, sagte auf dem Panel auch Christian Erlach, Mitglied des Vorstandes Sales bei der Jungheinrich AG.  

Wachstum ist kein Selbstläufer

Erlach und Krinninger gehen davon aus, dass Lieferkettenprobleme und der Fachkräftemangel die Nachfrage nach der Automatisierung in der Intralogistik vorantreiben – und sich für Hersteller in dem Bereich perspektivisch bald wieder zweistellige Wachstumsraten ergeben.

Doch ist auch dies kein Selbstläufer, wie Steffen Bersch, CEO der SSI Schäfer Gruppe, bemerkte. Schließlich sind auch die Anbieter von Intralogistiktechnik vom Fachkräftemangel betroffen.

„Es kommen immer weniger Ingenieure auf den Markt. Wir müssen die Weichen dafür stellen, dass unser Gewerbe attraktiv wird“, so Bersch. „Hier sind die Gesellschaft, die Wissenschaft und die Wirtschaft gleichermaßen gefordert, dass MINT-Fächer wieder als attraktiv wahrgenommen werden.“

Prof. Dr. Johannes Fottner, Ordinarius am Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik an der TU München, sah gleich mehrere „Hausaufgaben“ auf den Wirtschaftsbereich Intralogistik zukommen. Eine zentrale Herausforderung definierte er auf dem Panel:

„Die Circular Economy kann nicht ohne die entsprechenden intralogistischen Lösungen stattfinden. Hier bleibt einiges an Entwicklungsarbeit zu tun“, so Fottner in Stuttgart.