LogiMAT.digital 2021: Summer Summit eröffnet

Diskussionsrunde nimmt die Auswirkungen von Corona auf Wirtschaft und Wissenschaft in den Blickpunkt.

Diskutierten zum Auftakt des LogiMAT.digital Summer Summit (v.l.n.r.): Anja Seemann, Rene de Koster und Kai Furmans. (Foto: HUSS-VERLAG)
Diskutierten zum Auftakt des LogiMAT.digital Summer Summit (v.l.n.r.): Anja Seemann, Rene de Koster und Kai Furmans. (Foto: HUSS-VERLAG)
Sandra Lehmann

Das LogiMAT.digital Summer Summit hat am 22. Juni 2021 seine digitalen Pforten geöffnet. Zum Auftakt der dreitägigen Veranstaltung, die live vom Messegelände Stuttgart aus über die Plattform LogiMAT.digital ausgestrahlt wird, hatte sich Moderatorin Anja Seemann vier Wissenschaftler eingeladen, um mit ihnen über die Auswirkungen der Coronapandemie auf den Wirtschaftsbereich Logistik sowie die damit verbundene Forschung zu diskutieren. Vor Ort in Stuttgart war Prof. Dr. Kai Furmans, Leiter des Instituts für Fördertechnik und Logistiksysteme am Karlsruher Institut für Technologie zu Gast, aus Dortmund, Rotterdam und Shanghai zugeschaltet wurden Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund; Prof. Rene de Koster vom Department of Technology and Operations Management der Rotterdam School of Management (RSM) sowie Prof. Dianjun Fang von der Tongji Universität Shanghai.

Vor allem die kreative Arbeit an den Universitäten habe unter Corona gelitten, eröffnete Kai Furmans das Panel.

„Das Grundlegende, vor allem Teile der Lehre konnten wir ganz gut über digitale Mittel abfangen. Aber wenn es darum geht, gemeinsam Neues zu entwickeln und Innovationen an den Start zu bringen, dann kommt man in rein virtuellen Treffen sehr schnell an seine Grenzen“, sagte der Forscher.

Rene de Koster sieht aber auch deutliche Vorteile in der Distanz, wie er im Rahmen der Diskussion betonte:

„Wir hatten erstmals die Möglichkeit für Veranstaltungen und Vorlesungen Speaker aus aller Welt zu gewinnen, weil die sonst damit verbundenen Reisen, die für etliche ein Ausschlusskriterium sind, wegfallen.“

Und auch Michael ten Hompel sieht in der Pandemie eine Beschleunigung bestimmter Entwicklungen:

„Die Digitalisierung, die noch längst nicht überall angekommen ist, hat durch Corona nicht nur in Lehre und Forschung einen Schub erhalten. Auch die Industrie hat heute ein ganz anderes Bewusstsein dafür, was der Einsatz digitaler Mittel tatsächlich ausmacht.“

Das trage dazu bei, bisherigen Trends der digitalen Welt, die auch für die Logistik essenziell sind, eine Bühne zu bereiten. So erlebten nun Technologien wie künstliche Intelligenz, Virtual und Augmented Reality sowie Schwarmintelligenz ihren Durchbruch.

„All das wird die Logistik nicht nur verändern, sondern revolutionieren. Dafür ist aber auch die Zusammenarbeit auf globaler Ebene und die Bereitstellung von Open Source und Open Innovation-Anwendungen notwendig“, so ten Hompel.

Das gelte auch und insbesondere beim Datenaustausch, kommentierte Dianjun Fang die Diskussion. Hier müssten Länder wie etwa China und die USA mehr bereit sein, mit Deutschland und Europa zusammenzuarbeiten. Damit das gelinge, müsste über Anwendungen wie Blockchains oder Open Source Software Vertrauen geschaffen werden. Die Krise habe auch gezeigt, wie verwundbar Lieferketten und logistische Strukturen seien, ergänzte Furmans. „Risikomanagement ist ein bislang eher stiefmütterlich behandeltes Thema. Nun kann man aber sehr plastisch erklären und übrigens auch sehr genau ausrechnen, was passiert, wenn die bisherigen Strukturen durch eine Pandemie gestört werden. Das zeigt uns, wie wichtig die Investition in Absicherungsmaßnahmen und auch wie essenziell die Verschmelzung von digitaler und realer Welt ist.“ Dazu zähle für Furmans etwa auch der Einsatz von Remotesystemen wie Fernwartung.

Kein Zurück zu alten Mustern

Veränderung postulierte indes auch Michael ten Hompel. Nach der Krise dort weiterzumachen, wo man aufgehört hat, ist aus Sicht des Forschers ein großer Fehler. „Wer jetzt wieder anfängt ausschließlich Produktivität und Effizienz zu steigern, wird scheitern. Denn diese Unternehmen werden mit einer solchen Strategie zukünftig keinen Anteil mehr an der Wertschöpfung haben“, so ten Hompel.