LogiMAT 2024: Was zirkuläre Wirtschaft mit Demontage zu tun hat

Im Rahmen eines Fachforums erläuterten Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, worauf es bei der Circular Economy ankommt.

Das LogiMAT-Panel zum Thema Zirkuläres Wirtschaften zeigte unter anderem, warum Demontage ein wichtiger Faktor bei der Umsetzung ist. (Foto: Sandra Lehmann)
Das LogiMAT-Panel zum Thema Zirkuläres Wirtschaften zeigte unter anderem, warum Demontage ein wichtiger Faktor bei der Umsetzung ist. (Foto: Sandra Lehmann)
Sandra Lehmann

Zirkuläres Wirtschaften ist in Zeiten knapper werdender Ressourcen nicht nur eine notwendige Alternative für produzierende Unternehmen. Vielmehr könnte sie zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor werden. Einer Erhebung des World Economic Forum zufolge wird der globale Marktwert der Circular Economy mit 4,5 Billionen US-Dollar bis 2030 prognostiziert.

Allerdings, so Carolin Escherich von der TUM School of Engineering and Design und dem Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss und Logistik an der TU München, müsse man genau hinschauen, ob hinter jedem Label, das Circular Economy verspricht, auch zirkuläres Wirtschaften steht. Wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des Fachforums „Zirkuläre Logistik – Demontage als Grundlage für nachhaltiges Wirtschaften“ auf der LogiMAT 2024 erklärte, zählt zu den zehn R’s der Kreislaufwirtschaft auch der Punkt Recovery, mit dem die thermische Verwertung von gebrauchten Ressourcen gemeint ist.

„Der Fokus sollte aber auf der Verlängerung des Lebenszyklus von Produkten liegen – etwa durch Wiedergebrauch, Aufbereitung und Reparatur“, so die junge Wissenschaftlerin.

Damit diese Schritte gelingen, sei vor allem die Demontage von Produkten essenziell.

„Das heißt, Waren sollten so gefertigt sein, dass diese möglichst reibungslos und zerstörungsfrei auseinandergenommen werden können. Nur dann ist es möglich, Teile aufzubereiten und beispielsweise weiterzuverkaufen oder auch zu vermieten“, erläuterte Escherich.

Um die generellen wie auch die finanziellen Mehrwerte einer Kreislaufwirtschaft heben zu können, müssen Unternehmen bestimmte Herausforderungen meistern, sagte Dr. Christian Lieb, Partner Supply Chain and Environmental Performance bei Mews, in seinem Kurzvortrag. Dazu gehören aus Sicht des Experten ein erhöhtes Transportvolumen, die Schaffung ausreichender Bedingungen für eine zirkuläre Wirtschaft sowie die Auseinandersetzung mit Richtlinien und Regularien. Hier zu bestehen könne jedoch nicht nur Aufgabe der Logistik sein, so Prof. Dr. Robert Schulz, Inhaber des Lehrstuhls Fördertechnik, Intralogistik und Technische Logistik und Leiter des Instituts für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart.

„Es sind alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gefragt, vom Design bis zur Verwertung. In der Logistik sind die Margen ohnehin eng, nun auch noch Services für gebrauchte Waren anzubieten, setzt den Wirtschaftszweig zusätzlich unter Druck. Die Kunst besteht darin, ein tragfähiges Businessmodell in diesem Bereich auf die Beine zu stellen und gleichzeitig alle in die Pflicht zu nehmen.“

Xavier Kohll, Mitbegründer und CTO des Start-ups Circu Li-ion, gab den Zuschauern den Tipp mit auf den Weg, im Vorhinein festzulegen, wie viel Rezyklat aus bestimmten Produkten gewonnen werden soll und dann vorn in der Wertschöpfungskette mit der Planung für dieses Ziel zu starten. Etwa indem man Produkte so gestaltet, dass die Demontagetiefe besonders groß ist. Prof. Dr. Johannes Fottner, Inhaber des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss und Logistik an der TU München und Moderator der Session, schloss das Fachforum mit den Worten:

„Was nach diesen 50 Minuten ganz klar ist: Zirkuläres Wirtschaften bedeutet nicht, alle alten Ressourcen einzusammeln und sie zu verbrennen. Sondern im Gegenteil, so lange wie möglich in Gebrauch zu halten.“