LogiMAT 2024: Gipfeltreffen zeigt Trends und Entwicklungen in der Intralogistik auf

Mit welcher Art von Lösungen die Anbieter heute die Herausforderungen in der Intralogistik bewältigen wollen und mit welchen Rahmenbedingungen sie zu kämpfen haben, zeigte das LogiMAT-Gipfeltreffen mit führenden Köpfen im Atrium der Stuttgarter Messe.

Die Teilnehmer des LogiMAT-Gipfeltreffens (v.l.): Dr. Florian Heydenreich, EVP Sales & Service, Still EMEA, Jos de Vuyst, CEO der Stow Group, Christian Erlach, Mitglied des Vorstands, Sales, Jungheinrich AG, Professor Dr. Thorsten Schmidt, Professur für Technische Logistik der TU Dresden, Jörg Rommelfanger, Leiter Robotics Divison Deutschland, ABB AG, und Moderator Matthias Pieringer, Chefredakteur LOGISTIK HEUTE. (Bild: Gunnar Knüpffer)
Die Teilnehmer des LogiMAT-Gipfeltreffens (v.l.): Dr. Florian Heydenreich, EVP Sales & Service, Still EMEA, Jos de Vuyst, CEO der Stow Group, Christian Erlach, Mitglied des Vorstands, Sales, Jungheinrich AG, Professor Dr. Thorsten Schmidt, Professur für Technische Logistik der TU Dresden, Jörg Rommelfanger, Leiter Robotics Divison Deutschland, ABB AG, und Moderator Matthias Pieringer, Chefredakteur LOGISTIK HEUTE. (Bild: Gunnar Knüpffer)
Gunnar Knüpffer

Bei den Führungskräften auf dem LogiMAT-Gipfeltreffen zu den „Trends in der Intralogistik“ herrschte Einigkeit darüber, dass derzeit Fachkräftemangel, Automatisierung, Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz (KI) die bestimmenden Themen sind. „Für uns als Robotics- und Automatisierungsanbieter ist KI ein großes Thema“, sagte Jörg Rommelfanger, Leiter Robotics Division Deutschland von ABB, auf die Frage von Moderator Matthias Pieringer, Chefredakteur von LOGISTIK HEUTE, nach den großen Trends bei dem Forum auf der Intralogistik-Fachmesse LogiMAT 2024 in Stuttgart am 20. März. „Es geht darum, die Automatisierung zu vereinfachen, Prozesse effizienter und schneller zu gestalten, Automatisierungslösungen zügiger auf den Markt zu bringen, flexible Lösungen anzubieten sowie den Fachkräftemangel etwas abzumildern“, erläuterte Rommelfanger.

Das Thema Nachhaltigkeit ist für Dr. Florian Heydenreich, Excutive Vice President Sales & Service von Still EMEA, gleichzeitig eine Herausforderung und auch Chance.

„Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, dass wir alle versuchen, uns ernsthaft mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen“, betonte Heydenreich. „Wir machen das zum Beispiel mit Lithium-Ionen-Batterien. Wenn diese ins Unternehmen zurückkommen, überlegen wir, wie wir diese recyceln oder verwerten können.“

Dazu hat Still ein Pilotprojekt gestartet.

Professor Dr. Thorsten Schmidt, Inhaber der Professur für Technische Logistik an der TU Dresden, ergänzte in der Diskussionsrunde bei den aktuellen Themen noch die Problematik der hohen Energiekosten: „Die Firmen sind unter Druck, keine Frage. Das wird uns noch auf breiter Front beschäftigen.“ Dabei habe die Automation gewisse Potenziale, möglicherweise habe sie auch Nachteile, wenn man mit großen automatisierten Systemen arbeitet.

„Die Probleme, die wir heute in der Welt haben, sind eigentlich eine Steilvorlage für die Intralogistik“, meinte Schmidt. „Die Automatisierung ist dafür eine Lösung: Denn aufgrund des Fachkräftemangels haben viele Unternehmen keine Wahl.“

Dabei sei eine Automation nicht notwendigerweise eine flexiblere Antwort, sagte der Professor. Die spannende Herausforderung sei nun, wie man automatische Lösungen realisiert, die gleichzeitig skalierbar sind.

Welche Antworten können die Firmen derzeit mit ihren Produkten geben, um die großen Herausforderungen anzugehen, fragte Moderator Pieringer. Darauf erwiderte Christian Erlach, Mitglied des Vorstands, Sales, der Jungheinrich AG, „dass heute nicht mehr das Produkt im Mittelpunkt steht, sondern die Lösung: eine Kombination von vorhandener Technologie. Dabei gibt es intensive Beratungsgespräche im Vorhinein.“ Man müsse dem Kunden nun eine Vision mitgeben, die im Kopf wachse.

Heydenreich ergänzte, dass Still bei dem Thema Automatisierung versucht, innerhalb eines Baukastenprinzips dem Kunden durch modulare Lösungen zu helfen, die für ihn richtigen Lösungen zu finden. Das gehe von einer einfachen Anwendung, die schnell zu implementieren sei, bis zu einem komplexen Prozess, den sie auch noch abbilden könnten.

Und Jörg Rommelfanger ist sich sicher, dass man zukünftig mehr Robotik in der Logistik sehen wird.

„Das fängt an beim Cobot, der sich durch einfache Integrierbarkeit, Flexibilität und weniger Ansprüche an Sicherheitstechnik auszeichnet. Es geht weiter mit mobilen Robotern sowie mit der Visual SLAM-Navigation, mit der sich AMR in unstrukturierten Umgebungen selbstständig ausrichten können.“

ABB zeige aber auch Lösungen, zum Beispiel für die Depalletierung mit einer Transportlogistik dahinter. Damit werde der Kunde vom Produkt über die Applikationstechnik bis hin zur flexiblen modularisierten Lösung unterstützt.

Mit welchen Rahmenbedingungen müssen die Führungskräfte aus der Intralogistik derzeit umgehen? „Wir wissen zwar, dass der Material Handling-Markt jährlich um ungefähr zehn bis 15 Prozent wächst“, berichtete der CEO der Stow Group, Jos de Vuyst, bei dem LogiMAT-Gipfeltreffen. „Deshalb sollten wir eigentlich optimistisch sein.“ Aber natürlich handele es sich um einen zyklischen Markt: Aktuell stelle die Branche eine leichte Abwärtsbewegung fest, möglicherweise sei man nahe an einem Aufwärtstrend.

„Die Lieferkettenproblematik betrachte ich aktuell als gelöstes Problem“, sagte Jos de Vuyst. „Wo wir noch immer Probleme haben, ist das Thema Fach- und Führungskräftemangel, der sogenannte War for Talents.“ Die größten Herausforderungen würden seiner Meinung nach jedoch in zwei anderen Bereichen liegen: Das seien zum einem geopolitische Probleme, das neue Wort für Krieg. Dabei wüsste man nicht, wann diese Auseinandersetzungen ein Ende finden, was zu Instabilität führe.

Als zweites großes Problem machte de Vuyst die spezifischen Rahmenbedingungen in Europa aus: In Europa gebe es so viele Regularien und Bestimmungen, dass die Wirtschaft des ganzen Kontinents langsamer wächst. „Es ist erfrischend zu sehen, wie schnell und frei in den USA gehandelt wird.“ Ein Beispiel sei KI: In den USA gebe es bei KI keine Begrenzungen. In Europa sei ein Gesetz zur Einschränkung von KI auf den Weg gebracht worden. Der Stow Group-CEO sagte: „Wenn wir so weiter machen, bremsen wir wirklich die europäische Industrie.“