LogiMAT 2024: Braucht die Intralogistik das Industrial Metaverse?

Ein Panel auf der Intralogistikmesse ordnete den Hype um die Technologie ein.

Diskutierten auf der LogiMAT die Potenziale des Industrial Metaverse: Karin Gabriel (TGW), Theo Papadopoulos (Siemens), Markus Neumayer (Amazon Logistics), Prof. Dr. Domenik Kaever (TU Graz) und Moderator Jan Kaulfuhs-Berger (Technische Logistik). (Bild: Therese Meitinger)
Diskutierten auf der LogiMAT die Potenziale des Industrial Metaverse: Karin Gabriel (TGW), Theo Papadopoulos (Siemens), Markus Neumayer (Amazon Logistics), Prof. Dr. Domenik Kaever (TU Graz) und Moderator Jan Kaulfuhs-Berger (Technische Logistik). (Bild: Therese Meitinger)
Therese Meitinger

Ist das Industrial Metaverse nur das nächste Buzzword, um Geschäft mit dem Digital Twin zu generieren oder ist es auch für die Intralogistik das nächste große Ding? Diese Frage stellte Moderator Jan Kaulfuhs-Berger, Chefredakteur Technische Logistik, am 21. März an den Beginn des Expertenforums zum „Hype um das Industrial Metaverse“ auf der Stuttgarter LogiMAT. Das Panel fand durchaus unterschiedliche Antworten darauf.

Prof. Dr. Domenik Kaever, Leiter des Instituts für Technische Logistik, grenzte zunächst den Begriff ab von den Verwandten „Consumer Metaverse“ und „Enterprise Metaverse“:

„Im Industrial Metaverse gibt es immer ein physisches Gegenüber“, so Kaever. „Es ist darauf angelegt, dass digitale Zwillinge immer interaktiver werden, sodass Kollaborationen in einer immersiven, virtuellen Welt stattfinden können.“

Der Universitätsprofessor beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Technologie, sieht allerdings nicht, dass die akademische Community schon verstärkt an dem Thema forscht. Vieles stehe hier noch ganz am Anfang, sagte er.

Siemens als Customer Zero

Ganz anders stellt sich die Situation beim Technologiekonzern Siemens dar: Zwar betont auch Theo Papadopoulos, Head of Siemens Metaverse Lab, dass es sich beim Industrial Metaverse noch um eine Vision handelte. Zugleich hat Siemens im vergangenen Jahr eine eigene Unternehmenseinheit an den Start gebracht, die sich dem Thema widmet, und baut dafür Kapazitäten am geplanten Erlanger Forschungscampus auf.

„Siemens ist für uns der Customer Zero“, erklärte Papadopoulos in Stuttgart. „Wir entwickeln verschiedene Test Cases im eigenen Unternehmen, um den Kunden zu zeigen, dass die Technologie funktioniert.“

So nutzen etwa Ingenieure das Industrial Metaverse, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Auch eine Batteriefabrik für das norwegische Unternehmen Freyr wurde komplett im Industrial Metverse angelegt.

Gibt es Cases für die Intralogistik?

Skeptischer beurteilte Karin Gabriel, Innovation & Trend Research Manager der TGW Logistics Group, die Technologie. Die Möglichkeit, darüber simulativ zu kollaborieren, sei durchaus spannend und es gelte mit offenen Augen auf das Industrial Metaverse zuzugehen.

„Allerdings muss eine Technologie auch immer ein konkretes Kundenproblem lösen können und das sehen wir als Unternehmen in der Intralogistik gerade noch nicht“, so die TGW-Expertin.

Perspektivisch werde man die Technologie in Beobachtung behalten, um zu sehen, welche Use Cases sich durchsetzten.

„Wir nutzen das Industrial Metaverse noch nicht operativ auf der letzten Meile und planen auch nicht in diese Richtung“, sagte auch Markus Neumayer, Regional Director bei Amazon Logistics.

Er sieht eine große Hürde für die Technologie darin, dass im Industrial Metaverse kollaborierende Unternehmen viele technische wie finanzielle Daten von sich preisgeben müssen. Das werfe die Frage nach dem Schutz von Intellectual Property im Rahmen der Technologie auf. „Hier braucht es dringend ein regulatorisches Framework, um das sich beispielsweise die EU kümmern müsste“, so Neumayr.