LogiMAT 2022: Fraunhofer IML zeigt autonomen „evoBOT“

Der Pendelroboter evoBOT kann in der Intralogistik Dinge schieben, ziehen und anreichen - und hält dabei das Gleichgewicht.

Der evoBOT und seine stolzen Entwickler von Fraunhofer IML. (Foto: Therese Meitinger)
Der evoBOT und seine stolzen Entwickler von Fraunhofer IML. (Foto: Therese Meitinger)
Therese Meitinger

„Das Medium Messe wird gebraucht. Schön, dass Sie wieder da sind“, begrüßte LogiMAT-Chef Michael Ruchty die Journalisten anlässlich der Auftakt-Pressekonferenz der Intralogistik-Messe am 31. Mai. 125.000 Quadratmeter Brutto-Fläche sind auf dem Stuttgarter Messegelände in diesem Jahr belegt, 1.571 Aussteller aus 39 Ländern präsentieren Novitäten und Bewährtes.

Einen der ersten Höhepunkte erlebte die Messe dann direkt auf der Pressekonferenz: Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, stellte den autonomen mobilen Roboter „evoBOT“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor. Mit dem „evoBOT“ habe man den Prototyp eines dynamisch stabilen Roboters auf zwei Rädern entwickelt, so das Institut im Kontext der Messe. Er behält nach Institutsangaben in jeder Situation das Gleichgewicht, ist bis zu 10 Meter pro Sekunde schnell und kann Dinge vom Boden oder vom Förderer greifen und dem Menschen reichen. Auf der LogiMAT 2022 ist der evoBOT am Stand des Fraunhofer IML in Halle 1 am Stand K61 zu sehen.

Pendeln erlaubt das Anheben vom Boden

Das Fraunhofer IML sieht in der Eigenentwicklung evoBOT den Grundstein für eine neue Generation autonomer mobiler Robotersysteme. Er kann schieben, ziehen, Dinge wenden und anreichen – und hält dabei immer das Gleichgewicht. Das verdankt er nach Institutsangaben dem Prinzip des inversen Pendels, das ohne Gegengewicht auskommt: Dank der Pendelbewegung kann der Roboter Institutsangaben zufolge Objekte direkt vom Boden anheben und in unterschiedlichen Höhen wieder abgeben.

„Unser evoBOT ist der Beginn einer neuen Population autonomer Fahrzeuge. Mit seinen Armen und dem etwas grimmigen Blick seiner Kameraaugen weist er in die humanoide Zukunft der Robotik – nicht nur in der Logistik“, so ten Hompel.

Mit seinem bioinspirierten Design und seinen Fähigkeiten habe er das Potenzial, zu einem echten Kollegen zu werden, so der Institutsleiter weiter. Zugleich adressiere er mit seinem extremen Beschleunigungsvermögen und seiner maximalen Geschwindigkeit den Hochleistungsbereich.

evoBOT ist ten Hompel zufolge in der Lage, Objekte wie Kisten und Pakete zu transportieren und sie aus jeder Höhe aufzunehmen und abzusetzen, die die Länge seiner Arme zulässt. Er kann Rampen und Kanten bewältigen – und auch holpriges Pflaster im Außenbereich stellt kein Hindernis laut dem Fraunhofer IML für ihn dar. Mit evoBOT ließen sich viele intralogistische Aufgaben bewältigen, für die bislang unterschiedliche Robotertypen im Einsatz sind, heißt es.

Entwickelt haben die Forschenden des Fraunhofer IML den Roboter auch mithilfe eines neuen Forschungszweigs: der Simulationsbasierten Künstlichen Intelligenz. Dank moderner Grafikkarten lassen sich damit hochkomplexe Vorgänge in Echtzeit simulieren. Mittels Motion Capturing gleichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Verhalten in der Simulation mit dem der realen Fahrzeuge ab und optimieren so das Simulationsmodell. Je mehr sich die Differenz von Modell und Realität reduziert, umso mehr wird der Roboter zum cyberphysischen Zwilling der Simulation. Dieses Vorgehen kann dem Institut zufolge Entwicklungszeiten massiv reduzieren.

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