Lkw: Freudenberg und Quantron kooperieren zu Brennstoffzelle

Die Kooperationspartner wollen bis Mitte 2021 ein Testfahrzeug auf bayerische Straßen bringen.

Die Brennstoffzelle sieht man bei Freudenberg als einzige plausible Diesel-Alternative für den Fern- und Schwerlastverkehr. (Foto: Freudenberg)
Die Brennstoffzelle sieht man bei Freudenberg als einzige plausible Diesel-Alternative für den Fern- und Schwerlastverkehr. (Foto: Freudenberg)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Der Weinheimer Automobilzulieferer Freudenberg Sealing Technologies und der Augsburger Lkw-Umrüster Quantron AG haben laut einer Mitteilung vom 8. September eine Kooperation für die Entwicklung eines Brennstoffzellensystems für emissionsfreien Schwerlastverkehr unterzeichnet. Die Hersteller wollen demnach innerhalb kürzester Zeit ihre Entwicklungsergebnisse auf der Straße im realen Betrieb testen. Das Projekt wird nach Unternehmensangaben gefördert durch das Energieforschungsprogramm vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, dem Vernehmen nach als eines der ersten im Lkw-Bereich.

Ziel sei es, mit der Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie nicht nur den Schwerlastverkehr emissionsfrei zu machen, sondern auch wirtschaftlich sinnvolle Antriebslösungen zu bieten, so Freudenberg. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen Entwicklungsprojekte für Busse und Kreuzfahrtschiffe mit Partnern wie FlixBus und der Meyer Werft gestartet. Nun sollen in Kooperation mit Umrüster Quantron Lkw-Lösungen in der Gewichtsklasse der 40-Tonner entwickelt und produziert werden. Bereits Mitte 2021 soll Freudenberg zufolge ein erstes Testfahrzeug mit der neuen Antriebstechnologie auf den Straßen im Freistaat unterwegs sein. Das Fahrzeug mit dem Namen Energon wurde bereits Anfang August der Öffentlichkeit vorgestellt, noch ohne weitere Details zur Technologie und der Partnerschaft zu nennen.

Brennstoffzellen-Lkw sind die einzige wirtschaftliche, emissionsfreie Alternative, die große Zuladungen als auch signifikante Reichweiten und schnelle Tankzyklen zulässt“, glaubt Manfred Stefener, Vice President Fuel Cell Systems bei Freudenberg Sealing Technologies.

Brennstoffzellen für Heavy-Duty-Anwendungen

Brennstoffzellen für Lkw müssten komplett andere Last- und Betriebsprofile abdecken als die für Pkw, begründet der Zulieferer die Initiative. Heute bereits im Markt verfügbare Brennstoffzellensysteme seien ursprünglich für Pkw entwickelt worden. Für Heavy-Duty-Anwendungen hingegen müssten alle wesentlichen Designaspekte des Systems auf hohe Lebensdauern getrimmt werden. Ein Pkw fahre durchschnittlich maximal eine Stunde pro Tag und steht die restlichen 23 Stunden. Deshalb seien Pkw-Systeme auch nur für 5.000 bis 8.000 Betriebsstunden ausgelegt. Lkw-Systeme hingegen erforderten mindestsens eine Lebensdauer von 35.000 Stunden.

Zu den weiteren Lkw-spezifischen Innovationen des Projekts soll nach Firmenangaben auch die Nutzung lebensdaueroptimierender Materialkombinationen und die Entwicklung der Schnittstellen für eine bauraumoptimierte Anwendung in einem Nutzfahrzeug gehören. Damit ließen sich Wartungs-, Reparatur- und Austauscharbeiten mit geringem Aufwand durchführen und dank Standardisierung ein breites Fahrzeugspektrum bedienen, wirbt der Anbieter.

Bisher bieten nur die Hersteller Hyundai und Toyota in Serie gefertigte Fuel-Cell-Modelle an, den SUV Nexo sowie die Limousine Mirai. Deren Technologie soll allerdings jetzt auch verstärkt für den Einsatz in schweren Nutzfahrzeugen transferiert werden, wo man die Technologie auch bei diesen Anbietern primär sieht. Vor Kurzem wurden zudem die ersten in Serie gefertigten Fuel-Cell-Trucks vom Typ Hyundai Xcient verschifft, die in einem Pilotprojekt in der Schweiz eingesetzt werden. Auch in den USA treiben Start-ups wie Nikola Motor die Entwicklung voran, für Europa delikaterweise mit Iveco. Der Hersteller ist mit dem Spin-off-Unternehmen Quantron aus der Haller-Gruppe verbunden, weil Haller zugleich ein bedeutender und jahrzehntelanger Iveco-Vertragspartner im Südwesten ist. Indirekt macht man sich also beim Thema Brennstoffzelle Konkurrenz. Nikola arbeitet beim Fuel-Cell-System mit dem weltgrößten Zulieferkonzern Bosch zusammen.

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