Lieferkettengesetz: Oxfam initiiert Beschwerdeverfahren gegen Rewe und Edeka

Im Fokus der Beschwerde stehen vermeintliche Menschenrechtsverstöße auf Bananenplantagen in Ecuador und Costa Rica, die von Zulieferern für Rewe und Edeka betrieben werden.     

Gingen Edeka und Rewe Menschenrechtsverstößen auf Plantagen von Zulieferern nicht genügend nach? Beide Unternehmen bestreiten dies?: (Symbolbild: Daniel Ernst / AdobeStock)
Gingen Edeka und Rewe Menschenrechtsverstößen auf Plantagen von Zulieferern nicht genügend nach? Beide Unternehmen bestreiten dies?: (Symbolbild: Daniel Ernst / AdobeStock)
Therese Meitinger

Die Hilfsorganisation Oxfam hat am 3. November beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Beschwerde gegen die Supermarktketten Edeka und Rewe wegen Verstößen gegen das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) eingelegt. Die Vorwürfe beziehen sich auf vermeintliche Missstände auf Bananenplantagen in Eduador und Costa Rica, die von Zulieferern von beiden Unternehmen betrieben werden: Man habe die beiden Supermarktketten auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam gemacht, beschreibt Oxfam auf seiner Webseite, doch diese seien den Hinweisen nicht in ausreichendem Maße nachgegangen. Die Beschwerde beim BAFA legten Oxfam und die ecuadorische Gewerkschaft Astac nun für betroffene Arbeiter als Beschwerdeführer ein. Die Beschwerde bei der Behörde zur Non-Compliance mit dem Lieferkettengesetz zählt zu einer der ersten Anwendungen des in dem Gesetz beschriebenen Beschwerdemechanismus.

Vorwürfe gegen Edeka

Im Fall von Edeka und dessen Lieferanten Dole moniert Oxfam Missstände innerhalb des von Edeka und dem WWF betriebenen Projekts für eine „nachhaltigere Bananenproduktion“: Konkret beziehen sie sich auf die an diesem Projekt beteiligten Farmen „Maria Jose“ und „Elba“, für die die Gewerkschaft Astac unter anderem Aussagen zur Fälschung von Audits aufgenommen haben soll. Zudem würden schwarze Listen geführt, wer sich beschwere, bekomme keine Arbeit. Hinzukommen laut Oxfam Verstöße gegen Wiederbetretungsfristen nach dem Sprühen von Pestiziden und die Diskriminierung älterer Arbeiter, die entlassen würden, kurz bevor sie einen Rentenanspruch erwerben würden. Edeka habe es abgelehnt, vor Ort mit Arbeitnehmern oder der Gewerkschaft zu sprechen, so Oxfam.

Edeka widerspricht Vorwürfen

Edeka widerspricht der Darstellung von Oxfam: „Wir können bestätigen, dass wir von Oxfam über unsere Meldeplattform entsprechende Hinweise erhalten haben. Selbstverständlich haben wir diese umgehend und intensiv gemäß der festgelegten Verfahrensordnung geprüft“, so die Edeka Zentrale Stiftung & Co. KG am 7. November gegenüber LOGISTIK HEUTE.

In dieser Prüfung hätten diese Hinweise mit Bezug auf unsere Partnerfarmen, von denen wir Bananen beziehen, nicht bestätigt werden können. Somit könne man die aktuell erhobenen Vorwürfe nicht nachvollziehen. Edeka gibt an, Oxfam dazu bereits eine ausführliche Stellungnahme gegeben und diese auch im direkten, persönlichen Gespräch erläutert zu haben.

„Die vergangene Woche erhobene Aussage, wir seien nicht ausreichend gesprächsbereit, weisen wir deutlich zurück. Wir befinden wir uns bereits seit Längerem im direkten Austausch mit Oxfam und haben auch schon zwei ausführliche Gespräche mit Oxfam und einem Vertreter der Gewerkschaft Astac geführt“, gibt das Unternehmen an.

Zudem stehe man in engem Kontakt zu Partnerfarmen in Süd- und Mittelamerika, um die Einhaltung aller ökologischen und sozialen Anforderungen auch direkt vor Ort zu prüfen.

Vorwürfe gegen Rewe

Bei der ecuadorianischen Bananenzulieferfirma von Rewe, Otisgraf, die mit der deutschen Anton Dürbeck GmbH verbunden ist, berichten Arbeiter Oxfam zufolge von Unterbezahlung weit unter dem Mindestlohn, Beschimpfungen und Diskriminierung gegen Frauen, unangekündigten Pestizid-Besprühungen aus dem Flugzeug sowie Entlassungen, Einschüchterungen und Beleidigungen gegen Arbeitern, die sich beschweren. Der Betrieb Otisgraf hat auf die Beschwerde von Astac hin die Zertifizierung der „Rainforrest Alliance“ verloren. Bei der Erstellung des Maßnahmenplans zur Wiedererlangung des Siegels seien die Beschäftigten und Astac nicht einbezogen worden, gibt Oxfam an. Nach einem ersten Gespräch über die Situation Anfang August habe es keine weiteren Gespräche zwischen Rewe und der Gewerkschaft gegeben.

Rewe widerspricht Vorwürfen 

Auch Rewe widerspricht auf Nachfrage von LOGISTIK HEUTE am 7. November der Darstellung von Oxfam:

„Nach Erhalt der Beschwerde haben wir unverzüglich das LkSG-Beschwerdeverfahren initiiert. Bei Otisgraf SA handelt es sich um einen mittelbaren Zulieferer der Rewe Group, zu dem wir keine direkte Geschäftsbeziehung unterhalten. Vor diesem Hintergrund treiben wir die Prüfung und Aufklärung der Beschwerde im Rahmen des LkSG-Prozesses mit unserem direkten Zulieferer, der Anton Dürbeck GmbH, mit Nachdruck voran“, so ein Sprecher der Rewe Group.

Aufgrund des Zertifikatsentzugs durch Rainforest Alliance bezieht das Handelsunternehmen nach eigenen Angaben über seine unmittelbaren Zulieferer keine Waren von Otisgraf SA mehr, da die Einkaufsanforderungen von Rewe ohne gültige Zertifizierung des mittelbaren Zulieferers nicht mehr erfüllt sind. Der Gewerkschaft Astac sei die Möglichkeit gegeben, vor Ort dem Audit der Otisgraf SA, Zulieferer der Anton Dürbeck GmbH, teilzunehmen. Diese Möglichkeit habe die Astac jedoch nicht wahrgenommen. Im Rahmen des Rainforest Alliance Re-Audits wurden Rewe zufolge unter anderem über 30 Mitarbeitende der Farm interviewt und in den Beschwerdeprozess aufgenommen.

„Gemeinsam mit unserem unmittelbaren Zulieferer und dem mittelbaren Zulieferer Otisgraf SA wurde mittlerweile ein Corrective Action Plan (CAP) entwickelt, dessen Umsetzung wir in enger Abstimmung und bereits verbindlich festgelegten Intervallen nachverfolgen und auf Vollständigkeit sowie Angemessenheit fortlaufend überprüfen“, so Rewe.

Zudem führt Rewe nach eigenen Angaben eine GAP-Analyse in seiner Bananen-Lieferkette durch.