Lieferkettengesetz: Großer Nachholbedarf bei Logistikdienstleistern

Eine Umfrage von Oracle und BVL zeigt, dass viele Unternehmen die Anforderungen aus der Direktive noch zu wenig kennen.

Das deutsche Lieferkettengesetz fordert, dass in Deutschland ansässige Unternehmen ab einer Größe die Wahrung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten auch bei direkten Zulieferern gewährleisten. (Symbolbild: Tonefotografia / Fotolia)
Das deutsche Lieferkettengesetz fordert, dass in Deutschland ansässige Unternehmen ab einer Größe die Wahrung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten auch bei direkten Zulieferern gewährleisten. (Symbolbild: Tonefotografia / Fotolia)
Therese Meitinger

Am 1. Januar 2023 tritt das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Kraft und stellt Unternehmen in Deutschland vor große Herausforderungen. Viele kennen die Anforderungen nicht, die auf sie zukommen, und insbesondere die organisatorische Abwicklung, Datenintegration und Zertifizierung der Lieferanten stellen Hürden für die Praxis dar. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame aktuelle Umfrage von Oracle und der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Sie belege, dass zahlreiche Unternehmen planten, ihre IT-Systeme auf die Anforderungen abzustimmen, doch es vielerorts noch an der nötigen Initiative mangele, heißt es in einer Pressemitteilung des IT-Anbieters vom 4. Oktober.

Mit Beginn des neuen Jahres gilt das LkSG für Unternehmen ab 3.000 Beschäftigten und verlangt die Einhaltung der Menschenrechte auch bei mittelbaren Zulieferern. Um die Einhaltung zu gewährleisten, erlegt das Gesetz den betroffenen Unternehmen Dokumentationspflichten auf. In ihrer Umfrage haben Oracle und der BVL Unternehmen unterschiedlicher Branchen und verschiedener Größen zu zentralen Aspekten des LkSG befragt.

Konsumgüterbranche ist gut vorbereitet

63 Prozent der befragten Unternehmen kennen den Studienergebnisse zufolge die Anforderungen des Gesetzes nicht – darunter besonders viele Transport- und Logistik-Dienstleister sowie branchenübergreifend vor allem kleine Unternehmen (55 Prozent). Auch bei der Umsetzung hapere es bislang noch vielfach, so die beiden Studienpartner. Nur wenige Unternehmen – egal welcher Branche – sind der Erhebung zufolge bereits damit befasst, bei den meisten stehen erste Schritte noch aus (87 Prozent). Insbesondere kleine Unternehmen haben demnach Nachholbedarf (92 Prozent). Die Nase vorn haben laut der Umfrage bislang Unternehmen aus der Konsumgüterbranche, im Maschinen- und Anlagenbau wurde hingegen noch keinerlei Initiative ergriffen.

Branchenübergreifend sind laut der Studie in der Planung die organisatorische Abwicklung (69 Prozent), Datenintegration (67 Prozent), Zertifizierung der Lieferanten (44 Prozent) und Kosten (43 Prozent) die größten Herausforderungen. Hinzu komme der Fachkräftemangel, der vor allem in der Logistik immer akuter werde (30 Prozent), heißt es. Unabhängig von der Unternehmensgröße bilden organisatorische Abwicklung und Datenintegration die Punkte, bei denen Unternehmen am meisten Unterstützung benötigen. Was die Umsetzung des LkSG anbelangt, sind die Hürden anders gestaffelt: Hier ist die Datenintegration (52 Prozent) die Hauptsorge der Anwender.

IT-Abteilungen bleiben unter Radar

Hohes Potenzial, die Herausforderungen zu meistern, sehen Unternehmen laut der Umfrage vor allem bei IT-Lösungen. Ihren Nutzen bewerten vor allem Unternehmen aus der Konsum- und Gebrauchsgüterindustrie sowie Pharmaunternehmen als hoch. Die Implementierung lässt laut der Studie hingegen vielerorts noch auf sich warten: Lediglich 16 von 115 befragten Unternehmen setzen bereits eine Softwarelösung ein, von der sie sich Unterstützung versprechen. Was die Beteiligung der verschiedenen Geschäftsbereiche angeht, sehen Unternehmen am ehesten die Abteilungen Einkauf, Logistik und Recht in der Verantwortung. Die IT-Abteilungen blieben vielfach unter dem Radar, obwohl sie großes Potenzial bereithalten, die Herausforderungen zu meistern, so BVL und Oracle. Dabei dominieren Inhouse-Konzepte, denn nur 33 von 115 befragten Unternehmen nutzen externe Dienstleister.

„Panikmache ist definitiv fehl am Platz, aber die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass in den Unternehmen in Deutschland noch Einiges zur Umsetzung des LkSG zu tun ist“, erklärt Jürgen Hindler, Senior Manager Geschäftsentwicklung SCM bei Oracle in Deutschland. „Besonders deutlich lässt sich an den Antworten ablesen, dass immer noch viele Entscheider eine aussichtsreiche Lösungsoption links liegenlassen, wenn sie auf den Einsatz einer leistungsfähigen Supply Chain Management-Plattform aus der Cloud verzichten.“

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